Zurückgelassen oder ausgesetzt : Tierheim Flensburg: „Wir sind doch keine Tötungsstation!“

Wer hilft Sina? Auszubildende Elisabeth Schulz und ihr Team kümmern sich um den kranken Hund.
Wer hilft Sina? Auszubildende Elisabeth Schulz und ihr Team kümmern sich um den kranken Hund.

Immer mehr kranke und abgemagerte Vierbeiner landen im Tierheim – und der Kostendruck durch die Behandlungen steigt.

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25. November 2017, 06:23 Uhr

Flensburg | Willy Sandvoß ist nicht zu beneiden. Der erste Vorsitzende des Flensburger Tierschutzes ist als Leiter des Tierheims vor gut drei Jahren in den Ruhestand gegangen. Mit seinen beiden Nachfolgern hat er nicht viel Glück gehabt – nun sitzt er wieder an seinem Schreibtisch an der Westerallee und hofft auf einen geeigneten Kandidaten. Der ist in zwar Sichtweite, aber wer weiß...

Sandvoß ist jetzt 66 Jahre alt. Was er benötigt, ist Freizeit statt täglicher Sorgen. Kopfzerbrechen bereiten ihm die vielen kranken Tiere, die derzeit Hundezwinger genauso wie das Katzenhaus bevölkern. „Sie werden zum Teil einfach in der Wohnung zurück gelassen, ausgesetzt, schwer lädiert oder abgemagert abgegeben“, sagt Flensburgs oberster Tierschützer. Auch kommt es immer wieder vor, dass Besitzern ihr Tier wegen nicht artgerechter Haltung entzogen werden muss. Das geschieht allerdings nur in Abstimmung mit der Veterinärbehörde, also dem Amtstierarzt. Im Herbst ist der Zulauf besonders groß. Angebliche Fundtiere werden bisweilen von den Eigentümern abgegeben, die sich als solche nicht zu erkennen geben.

„Sina ist stellvertretend nur einer unserer schwerkranken Hunde“, schildert Sandvoß die Misere. Die Mischlingshündin leidet an einem Tumor, der dringend entfernt werden muss. Die Behandlung würde 1300 Euro verschlingen. Zwei weitere Hunde benötigen eine ebenfalls teure Operation. Die Kosten dafür kann das Tierheim aus eigener Kraft nicht stemmen, zumal sie laut Gebührenordnung für Tierärzte um 12 Prozent gestiegen sind. Man ist also auf Spenden angewiesen, wie seit Jahren auch schon für den laufenden Betrieb. 23.000 Euro monatlich fallen monatlich an für die Instandhaltung der Räume, Personal, Energie, Futter – und eben Behandlungskosten. Die städtischen Zuschüsse decken lediglich zwei Monate des Jahresbedarfs.

Sandvoß mag an das Frühjahr gar nicht denken – spätestens dann werden regelmäßig lebende Weihnachtsgeschenke ausrangiert. Deshalb sein Appell, Tiere nicht unter den Tannenbaum zu legen, wenn nicht alle Umstände zuvor gut abgewogen worden sind.

Für Sina sind bereits Spenden eingegangen. Doch auch die anderen kranken Tiere sind darauf angewiesen. „Wir versuchen, alle Mittel auszuschöpfen, um das Leben unserer Tiere zu retten“, betont Willy Sandvoß. „Oberster Grundsatz ist und bleibt es, den Tieren zu helfen, soweit es in unserer Macht steht.“ Dänische Verhältnisse lehnt er kategorisch ab. Hunde können dort unter bestimmten Voraussetzungen legal beschlagnahmt und getötet werden. „Auch Fundtiere werden nach einer gewissen Zeit einfach eingeschläfert. Doch wir sind keine Tötungsstation.“

Spenden fürs Flensburger Tierheim:

VR Bank Flensburg-Schleswig
Kto.-Nr.: 436 0290 - BLZ: 216 617 19
IBAN: DE56 2166 1719 0004 3602 900

oder  

Nord-Ostsee Sparkasse
Kto.-Nr.: 75 779 - BLZ: 217 500 00
IBAN: DE38 2175 0000 0000 0757 79

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