Neuer Leiter an der Westerallee : Tierheim: Das Warten auf den Sturm

Alle lieben Hündin Sheila – auch Nospa-Filialleiter Lennard Hansen (Mitte) und natürlich Stefan Bargmann (l.) und Willy Sandvoß.
Alle lieben Hündin Sheila – auch Nospa-Filialleiter Lennard Hansen (Mitte) und natürlich Stefan Bargmann (l.) und Willy Sandvoß.

Die Mannschaft um den neuen Leiter Stefan Bargmann rechnet bald mit regem Zulauf / Sorge um steigende Kosten

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17. März 2018, 08:00 Uhr

Ah, der Neue! „Nein“, sagt der, er sei der Alte und lächelt. Schließlich leitet Stefan Bargmann das Flensburger Tierheim schon seit Dezember. Er engagiert sich auch seit Ewigkeiten im Tierschutz, und Willy Sandvoß, den Vereinsvorsitzenden, kenne er seit 20 Jahren.

Früher, sagt der 50-Jährige Bargmann, war er unter anderem Ausbildungswart eines Gebrauchshundevereins. Der gebürtige Neumünsteraner ist zudem gelernter Tierwirt. Im Moment sind in seiner Obhut 25 Hunde und mehr als 30 Katzen sowie Kleintiere. „Noch ist die ruhige Zeit“, weiß er. Willy Sandvoß prophezeit, dass die Zahlen in wenigen Wochen wieder steigen. Das liege vor allem an den Wurfzeiten der Katzen. Und vor den Sommerferien, so beklagt Sandvoß, „wollen die Leute ihre Tiere loswerden, weil ihnen der Urlaub wichtiger ist.“ Manche machten sich nicht einmal die Mühe, die Tierheim-Mitarbeiter zu belügen, um die Abgabe ihres Tieres zu rechtfertigen. Sandvoß fordert dennoch die Einführung einer Chip-Pflicht, so dass man Halter, die vortäuschen ein Fundtier in Obhut zu geben und nicht ihr eigenes, überführen kann. Eine weitere Forderung des zweiten Vorsitzenden des Landestierschutzverbandes: die Kastrationspflicht für freilaufende Katzen. Es brauche einheitliche Regelungen landesweit, um klamme Kommunen und Tierschutzvereine zu entlasten. Sandvoß bedauert umso mehr, dass die von ihm mitinitiierten Kastrationswochen für Katzen in diesem Frühjahr ausfallen.

Das bringt ihn auf eine weitere Sorge: das Geld. Mit 25000 bis 30 000 Euro beziffert er die Kosten des Flensburger Tierheims im Monat, die durch Spenden und Mitgliedsbeiträge berappt werden. Gerade war eine neue Waschmaschine fällig – die fast 4000 Euro kostet. Der Hygiene wegen werden etwa die Hundedecken fast täglich gewaschen, erklärt Stefan Bargmann. Am meisten aber knabbern die Tierschützer an den Tierarztkosten. Die neue Gebührenordnung für Tierärzte (2017) hat die Sätze pauschal um 12 Prozent angehoben, Beratungstätigkeit sogar um 30 Prozent. Da kommen 3000 Euro aus dem Nospa-Fotowettbewerb gerade recht. Damit werden die Luken im Dach des Hundehauses erneuert, kündigt Sandvoß an.

Der Teufelskreis schließt sich: So wie das Tierheim zusehen muss, wie es seine Kosten stemmt, müssen Besitzer sich ein Tier leisten können. Wenn nicht, landet ihr Liebling – im Tierheim. So wie Sheila: Die liebenswerte Hündin, neun Monate jung, braucht zwei Operationen für hunderte Euro. Der Halter kann sich das nicht leisten, Sheila wartet nun im Tierheim auf eine neue Familie.

Flohmarkt im Tierheim, Westerallee 138: heute von 15 bis 17 Uhr, morgen von 8 bis 16 Uhr, Der Erlös aus dem Kuchenverkauf ist zugunsten der Tiere.

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