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Flensburg : Thomas Bornemann nimmt Abschied von St. Nikolai

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Pastor war 25 Jahre Seelsorger der Innenstadt-Gemeinde / Konzept der offenen Kirche ist ein Erfolg

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2017 | 17:16 Uhr

Flensburg | Nein, über zu wenig Leben kann er sich nicht beklagen. Wenn ein Pastor für sich in Anspruch nehmen kann, er sei in 25 Jahren Dienstzeit mitten im Trubel aktiv gewesen, dann Thomas Bornemann. Das zeigt sich an einer Zahl: 60.000 bis 80.000 Menschen nehmen jährlich die offene Nikolaikirche als Anlaufpunkt wahr. Stattliche Zahlen, die bestätigen, dass das Konzept der offenen Kirche, der Nikolaikirche als Anlaufpunkt, aufgegangen ist.

Manchmal allerdings gab es reichlich Trubel vor dem Pastorat. Bei manchen Stadtfesten klirrten schon die Gläser im Schrank, erinnert sich Bornemann. Dann hat er sich bemüht, dass Freunde ihm Unterkunft in ruhigeren Gegenden gewährten. Oder Bornemann stellte sich mitten ins Getümmel, feierte Gottesdienst beim Stadtfest Tummelum oder beim Erntedankfest.

Dazu kam noch, dass sich der Pastor nicht von „seiner“ Kirche freimachen konnte. Ging er spätabends zu Bett, musste er noch einen Blick auf die Kirche werfen, ob alles in Ordnung sei. Aber ganz schön stolz ist der Pastor auf die Gemeinde. Immer wenn es erschütternde Geschehnisse gab, konnte St. Nikolai einen Gottesdienst für die Menschen bieten, die Halt und Orientierung suchten. „Aus dem Stand heraus, wir haben das geschafft“, freut sich Bornemann über die Kraft seiner ehrenamtlichen Helfer.

Freude bereiten ihm auch die Gedanken an große Projekte: die Renovierung der Kirche, die Sanierung der Orgel.

Überhaupt – die Gemeinde. Als der Pastor vor 25 Jahren seinen Dienst begann, zählte sie noch über 4000 Mitglieder. Heute sind es 2650. Damals teilten sich überwiegend Familien den knappen Raum in den Wohnungen. Es folgte der Umzug an den Stadtrand. Heute, sagt Bornemann, sei die Gemeinde ganz stark von Single-Haushalten geprägt. „Einen hohen Anteil machen die Studenten aus.“ Viele kämen in die Kirche. Die Zahl der Gottesdienstbesucher sei von 60 auf 76 im Durchschnitt gestiegen. Der Riesenandrang aus der ganzen Stadt auf die Weihnachtsgottesdienste macht Thomas Bornemann stolz.

In den 25 Jahren der Amtszeit ist der Südermarkt unverändert geblieben. Bornemann erinnert sich noch gut an die großen Diskussionen über eine Umgestaltung – mit dem Höhepunkt der großen Runde 2004 in der Kirche. Und was ist passiert? Nichts. „Das ist typisch für Flensburg – erst wird groß diskutiert und dann bleibt alles beim Alten.“

Nicht einmal das Thema Plattform mit ihrer Anziehungskraft auf soziale Problemfälle sei bewältigt worden.

Ruhiger ist es für den Pastor schon vor knapp zwei Jahren geworden, als sich Bornemann von der Residenzpflicht befreien ließ. Seitdem wohnt er in der Gartenstadt, an der Schnittstelle zwischen Stadt und dem naturgeprägtem Umland. Und wenn erst der kommende Sonntag vorbei ist, an dem Thomas Bornemann in den Ruhestand verabschiedet wird, dann kann er noch selbstbestimmter handeln: Bornemann wird seine Hobbys pflegen: gern Fahrrad fahren, fotografieren und seine ökumenischen Freundschaften pflegen. Mit dem Rad will er eine Tour zu seinen Töchtern unternehmen. Die wohnen immerhin in München und Wien.

 

Der Verabschiedungsgottesdienst für Pastor Thomas Bornemann beginnt am Sonntag, 5. Februar, um 14 Uhr in St. Nikolai.
 

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