Theater? Und wie!

Das Wie zählt: Schulte, Khuon, Stockmann, Brüggemann (v.l.).
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Das Wie zählt: Schulte, Khuon, Stockmann, Brüggemann (v.l.).

Diskussion mit Intendanten, Autoren und Kämmerer auf dem Museumsberg zeigt, wie kontrovers Kultur sein kann

shz.de von
21. Juni 2014, 15:48 Uhr

Die lebhafte Podiumsdiskussion „Wozu Theater“ am Donnerstag auf dem Museumsberg hat gezeigt: Rund 90 Besucher bedeuten rund 90 Ansichten.

Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters in Berlin, definiert eingangs, wozu Theater da sind: „Sie tragen dazu bei, dass die Gesellschaft noch immer ein Interesse an sich selbst hat.“ Ihre Aufgabe sei, Forum zu sein.

Nis-Momme Stockmann, bundesweit gefragter Dramatiker mit Geburtsort Wyk auf Föhr, stellt heraus, dass das „Theater etwas kann, was viele andere Medien nicht können“, und zwar „soziale Nahbarkeit“ schaffen, weitestgehend unabhängig von Sachzwängen arbeiten und schnell auf gesellschaftliche Diskurse reagieren. In der Debatte stört Stockmann, dass sie sich nur zwischen den Polen Entweder und Oder, Abbau oder Sparen bewege. Er wirbt dafür, die Krise als Möglichkeit zu nutzen, ins Gespräch zu kommen, sich ihrer als „Agenten des Theaters“ zu bedienen, keineswegs feste Strukturen zu überdenken. Sein, so betont er, subjektiver Eindruck, dass mancher Gesprächspartner vor Ort sich eben nicht in dem, was auf der Bühne geschieht, wiederfindet, ruft Protest von Wolfram Apprich im Publikum auf den Plan. Moderator Martin Schulte (sh:z) wird dem Schauspieldirektor des Landestheaters später Gelegenheit geben zu erklären, dass die neue Leitung seit vier Jahren versuche, anderes Theater zu machen. „Wir öffnen uns extrem“, sagt Apprich und belegt das, indem er Jugendclub, Bürgertheater, Grenzgängerfestival aufzählt.

Dennoch lägen die Nerven im Ensemble blank. „Freude müssen wir uns in der tagtäglichen Arbeit holen.“ Dabei sei das Landestheater auf dem Weg, ein Ort des Diskurses zu werden, korrigiert er einen Eindruck – den allerdings Henning Brüggemann auch schon wahrgenommen hat. Der Dritte auf dem Podium ist Bürgermeister Flensburgs. Er fragt, warum die nicht erreicht würden, die Entscheidungen fällen, sondern das Programm vor allem Menschen in der zweiten Lebenshälfte anspricht. Als Kämmerer ist sich Brüggemann seiner pragmatischen, nicht-emotionalen Banausen-Rolle bewusst und begründet, warum über Geld zu reden, notwendig ist: „Als Kommune ist man am Ende der Nahrungskette.“ Dort mit einer freiwilligen Aufgabe betraut, konkurriere das Theater mit Sport und Sozialem.

Die Verantwortung abzugeben, lässt Ulrich Khuon nicht zu. Der als Intendant in Konstanz Geprägte ist über die Entwicklung des Landestheaters gut informiert und erklärt: „Insofern ist das, was Sie hier haben, ideal. Jede Stadt für sich könnte sich das Theater nicht leisten.“ Er sieht – beim Blick auf die Entscheidung der Ratsversammlung gegen einen Theater-Neubau in Schleswig – das Problem bei der Politik. Einer, der dabei war, ist Ratsherr Klaus Bosholm. Er habe es als bedrückend empfunden zu sehen, dass sich die „Spitzen der (bürgerlichen) Gesellschaft nicht zu Wort gemeldet haben“ in der Debatte.

Größter gemeinsamer Nenner unter allen scheint zu sein, dass sich nicht die Frage nach dem Ob, sondern dem Wie der Ausgestaltung stellt. Ulrich Khuon spitzt zu: „Der eine hat Kinder, der andere keine. Trotzdem hat er nichts gegen Schulen.“ Und: „Vielleicht findet der Flensburger es einfach okay, dass es das Theater gibt.“

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