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Gemeinsames Projekt in Flensburg : „Theater macht Schule erträglich“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Europa-Universität und Landestheater kooperieren: Herausgekommen ist das Stück „Bleibt alles? Anders!“

shz.de von
erstellt am 27.Jun.2016 | 14:20 Uhr

„Bleibt alles? Anders!“ Drei Worte, zwei Satzzeichen, aber unendliche Möglichkeiten, dem Satz einen anderen Sinn zu geben. Harald Haaker macht es bei einer der letzten Proben auf der Bühne vor. Seine Szene bildet den Einstieg in das Stück „Bleibt alles? Anders!“ Haaker ist der einzige Mann im Dutzend der Laienschauspieler, die beim zweiten Kooperationsvorhaben der Europa-Universität Flensburg und dem Schleswig-Holsteinischen Landestheater dabei sind. Das Projekt vor einem Jahr hieß „Wendezeiten“ und schöpfte ebenfalls aus autobiografischen Beiträgen der Teilnehmer.

Dieses Mal steht der Mut im Mittelpunkt. Das etwas melancholische Stück handele „vom Mut zum eigenen Weg“, sagt Janina Wolf, Theaterpädagogin am Landestheater. Julia Witthöft, Grundschullehrerin und zweifache Mutter, berichtet zum Beispiel, dass sie einen Blick in die Zukunft gewagt und sich gefragt habe, „wie man Kinder durch die Pubertät bekommt“.

Im Unterschied zum Vorgängervorhaben sei es dieses Mal kompakter, erklärt Theaterpädagogin Janina Wolf. Wenn man eine Gruppe von der Schülerin bis zum Pensionär unter einen Hut bringen will, spiele die Zeitfrage eine Rolle. Die Gruppe arbeite seit Januar zusammen, probe seit einiger Zeit drei Stunden in der Woche, zuerst in der Uni, seit kurzem auf der Theaterbühne. Der Stoff sei durch Schreibübungen und Improvisationen entstanden, anfangs als Sammelsurium, doch schnell habe sich der Mut als Motiv herauskristallisiert.

Nach Harald Haaker, Mitte 60 und aus Lübeck, betreten nacheinander die anderen Akteurinnen die Bühne und benennen Synonyme und Phrasen für Angstlosigkeit, Schneid, Mumm. Lisa Winkel ist die nächste. Die 17-jährige Gymnasiastin der Auguste-Viktoria-Schule wollte Theater spielen. So sei sie zur Truppe dazugestoßen, erzählt sie. Dann hat sie gemacht, was man so macht, wenn man etwas sucht, nämlich im Internet zu recherchieren. Lisa Winkel stieß über Umwege auf das Mehrgenerationenprojekt und schloss sich an.

Die Studentin und künftige Grundschullehrerin Lisa Maute ist genau wie Harald Haaker „Wiederholungstäterin“ und war schon beim ersten Projekt dabei. Diese Chance und die „professionelle Anbindung ans Theater“ empfindet Miriam Baghai-Thordsen als eine Bereicherung. Dies, so sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung „Darstellendes Spiel“ an der Europa-Uni, wäre allein aus Mitteln der Hochschule nicht möglich. Hier gehe es nicht nur darum, „über Theater zu sprechen, sondern es erlebbar zu machen – mit allen Wagnissen“.
Für die andere Seite zitiert Generalintendant Peter Grisebach, der sich mit den Teilnehmern „Multiplikatoren für Theaterverrückte“ gegenüber sieht, einen Satz einer Dame, der ihn seit langem verfolge: „Schule wird durch Theater erst erträglich.“

Bis zum Probenschluss gab es einen Teil, den die zwölf nicht geprobt haben, gibt Janina Wolf zu. Und das soll so sein. Denn: „Mutig, wie wir sind, gehen wir mit dem Publikum an einen öffentlichen Ort. Und wir wissen nicht, was uns erwartet.“ Die Kleine Bühne des Flensburger Theaters fasst 99 Zuschauer – mit denen geht es dann ins Ungewisse. Offenbar muss auch das Publikum eine Prise Mut mitbringen. Premiere ist heute um 19.30 Uhr auf der Kleinen Bühne am Nordergraben.


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