Hangrutsch in Flensburg : Teure Rutschpartien am Westufer

Hangrutsch bei Fleggaard
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Hangrutsch bei Fleggaard

Zwei Mal Hangrutsch mit Folgen: 121 Kubikmeter Matsch am Ostseebad und 14 Monate Verkehrschaos in Wassersleben.

shz.de von
17. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Die Kolonne vom TBZ konnte zwischen 4. und 12. Dezember nach Herzenslust im Dreck wühlen. 121 Kubikmeter Matsch – das war die Ausbeute der jüngsten Abfuhr nach dem jüngsten Hangrutsch am Ostseebad. Nach einer ausgiebigen Pause nach der sommerlichen „Regenzeit“ ging Anfang des Monats eine kleinere Schlammlawine zu Tal. „Vom Umfang her nichts im Vergleich zu vorherigen Ereignissen“, sagt Ralf Leese, Sprecher des Technischen Betriebszentrums. Aber festzuhalten bleibt: Der Fördehang gibt keine Ruhe. Seit Jahren nicht.

Einen Katzensprung weiter sorgt dieser unruhige Hang für eine extrem aufwändige, extrem teure und extrem ärgerliche Dauerbaustelle. Und zwar bei Fleggaard, in Wassersleben. Der auf den Grenzhandel mit skandinavischer Kundschaft spezialisierte Markt hatte im Juni 2013 neu eröffnet, mit einem in den Hang gebauten Parkplatz für 80 Fahrzeuge, der rechtzeitig zur feierlichen Eröffnung mit dem Hang abrutschte und nur noch 32 mickrige Stellplätze übrig ließ. Die Folge: Wenn der Grenzhandel brummt – und das tut er eigentlich immer – ist der Ortsteil Kupfermühle vom Rest der Welt ziemlich abgeschnitten. Die Gemeinde Harrislee versucht zwar mit Signalbaken dagegenzuhalten – aber die dänischen Autofahrer stellen nicht nur den kleinen Parkplatz, sondern sämtliche Straßen bis hin zur nahen B 200 mit schöner Regelmäßigkeit zu. Kupfermühle ist zu manchen Zeiten nicht zu erreichen, klagen genervte Anwohner. Heinz Petersen, Vorsitzender im Bauausschuss der Gemeinde, kann den Ärger verstehen. „Fleggaard hat zwar private Dienstleister als Einweiser beschäftigt, doch die möchten sich doch auch nicht mit den Kunden anlegen“, sagt der SSW-Politiker. Dabei versucht der Grenzhändler alles, um die Kundschaft in andere Filialen umzuleiten. Wer am Parkplatz abgewiesen wird, erhält einen Coupon für eine Gratisflasche Wein im nächsten Fleggaard-Laden. „Da kann man mal sehen, was da verdient wird.“

Dieser Ausnahmezustand gilt noch immer, weil es bislang keiner Baufirma gelungen ist, den Hang zu zähmen. Vergangenen Montag musste Fleggaards Marketing-Chef Nikolai Fink einräumen, dass jetzt wenigstens ein neuer, ein dritter Versuch angelaufen ist, nachdem der gerade wieder aufgebaute Parkplatz bei einem neuen Hangrutsch gleich wieder flöten gegangen war. Der Harrisleer Bauausschuss hatte den Danfoss-Mann zur Berichterstattung einbestellt, weil die Baustelle Gemeindevertretung und -verwaltung starkem öffentlichen Druck aussetzt. „Die Leute glauben doch, die Gemeinde habe den Betrieb trotz nicht ausreichender Stellplätze genehmigt“, so Erichsen. „Aber das stimmt nicht. Die Genehmigung stammt vom Kreisbauamt Schleswig. Damit haben wir nichts zu tun!“

Jetzt sollen die tückischen Quellen im Untergrund durch eine aufwändige Drainage, eine massive Stützwand und scheibchenweise in Spezialvlies gewandete Erdschichten gezähmt werden – so die neueste Information für die Gemeinde. Es bleibt beim knappen Parkraum, auch in der unter dem Parkplatz liegenden dänischen Schule müssen alle etwas zusammenrücken, weil die Baufahrzeuge auf dem Sportplatz parken. Der Ausnahmezustand geht noch vier Monate so weiter. Als Termin der Fertigstellung kündigte Fleggaard den ersten Großkampftag im neuen Jahr an: Gründonnerstag, 2. April 2015 – wenn der Hang mitspielt.

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