Parken in Flensburg : Teure Parkhäuser: Der Preisdruck nimmt zu

Gefragt und günstig:  städtisch betriebener Parkplatz an der Karlstraße am „Mauseloch“.
Gefragt und günstig: städtisch betriebener Parkplatz an der Karlstraße am „Mauseloch“.

Die Parkhäuser in Flensburg haben ihre Tarife deutlich angehoben. Ein Experte sieht die mangelnde Auslastung als Grund.

shz.de von
06. Januar 2018, 06:07 Uhr

Flensburg | Der Autofahrer blickt verdutzt auf die Digitalanzeige des gelben Parkautomaten. Er hat exakt drei Stunden und sieben Minuten im Parkhaus in der Holmpassage gestanden – und dafür muss er jetzt gepfefferte 6,80 Euro berappen. Der Mann gleicht den Betrag mit der nebenan montierten Tabelle mit den Tagestarifen ab. Alles korrekt. Sein Pech: Die vierte Stunde war gerade angebrochen, und die schlägt mit zwei Euro zu Buche, wohlgemerkt, in diesem Fall für sieben Minuten.

Die Passage, die 700 Parkplätze beherbergt, hat ihre Tarife „angepasst“. In diesem Fall ist von Anpassung zurecht die Rede. Denn mit der Preiserhöhung liegt man nun gleichauf mit der in der Nachbarschaft konkurrierenden Flensburg-Galerie. Das Unternehmen Apcoa hat dort schon im Vergleichsmonat des letzten Jahres fast gleichlautende Beträge verlangt. Nun also marschiert man im Gleichschritt.

Kostete eine Stunde Parkzeit in der bis Mitternacht geöffneten Holmpassage bislang zwei Euro, so wird neuerdings im Takt von jeweils angefangenen 45 Minuten jeweils 1,20 berechnet (siehe Grafik unten). Theoretisch also müsste der Autofahrer für lediglich 46 Minuten 2,40 Euro in den Automaten werfen, damit sich die Schranke öffnet. Den Chipcoin sollte man übrigens gut aufbewahren – bei Verlust werden 20 Euro fällig, mithin sechs mehr als der Tagespreis von 14 Euro.

Grafik: Can Yalim
 

Die Flensburg-Galerie wirbt mit ihrem pauschalen Nachttarif (20 bis 8 Uhr) in Höhe von vier Euro. Dauernutzer können das Parkhaus zu einem monatlichen Festpreis beliebig oft nutzen. Es ist wie das Pendant in der Holmpassage von Montag bis Sonnabend geöffnet, bietet aber mit 270 Stellplätzen deutlich weniger Parkraum.

Mit etwas mehr Stellplätzen (289) kann das Parkhaus an der Speicherlinie aufwarten, von dem aus man schnell die Große Straße erreicht. Es ist eines der günstigsten mit 80 Cent für eine halbe Stunde, für bis zu zwei Stunden zahlt man lediglich einen Euro mehr. Dieses Niveau ist identisch mit dem Preis für den Parkplatz an der Wilhelmstraße und schon seit vielen Jahren stabil, wie der private Betreiber berichtet. Er verweist darüber hinaus auf Öffnungszeiten „sieben Tage die Woche rund um die Uhr“.

Teurer geworden ist es auch am Rathaus, wo man wahlweise in der Tiefgarage oder unterm freien Himmel stehen kann. Die Gebühr ist seit August um 50 Cent auf zwei Euro pro Stunde gestiegen. In gleicher Größenordnung erhöht hat auch der Parkplatz Kieler Anlagen. „Ganz einfach, jeder angefangene Stunde kostet zwei Euro“, erklärt Jan Festersen. Und verweist auf eine Partnerkarte, auf die man ein Guthaben von 49,50 Euro für 150 Stunden Parkzeit laden kann. In diesem Fall errechnet sich ein Preis von 0,33 Euro pro Stunde. „Nirgendwo in Flensburg steht man günstiger“, betont Festersen.

Grundlage die Parkgebührenverordnung: 50 Cent je angefangene halbe Stunde

Die Low-Budget-Alternative jenseits einer Flatrate-Lösung ist und bleibt das Parkhaus an der Segelmacherstraße, geöffnet von Montag, 9 Uhr, bis Sonntag, 19 Uhr. Hier geht es zunächst in 50-Cent-Schritten halbstündlich aufwärts, ab der zweiten Stunde wird ein Euro berechnet. Der Maximalpreis pro Tag liegt bei 8 Euro.

Das entspricht der Preisgestaltung der vom TBZ bewirtschafteten, städtischen Parkflächen, deren Grundlage die Parkgebührenverordnung der Stadt Flensburg bildet. „Wir verlangen seit 2011 unverändert 50 Cent für jede angefangene halbe Stunde“, berichtet TBZ-Sprecher Geoffrey Warlis. Seit dem 1. Januar 2018 sind Elektroautos von der Gebühr ausgenommen.

Parkhäuser nicht hinreichend ausgelastet

Die Tatsache, dass Parkhäuser überwiegend teurer sind als Parkfächen ist nach Meinung von Verkehrsplaner Jörn Janssen für die Bewertung der Parkplatzsituation in der City, in der 4100 Plätze vorgehalten werden, mit verantwortlich. „Parkhäuser werden gemieden, Autofahrer suchen nach günstigeren Alternativen.“ Erhebungen zufolge sind die Parkhäuser in Flensburg nicht hinreichend ausgelastet.

Janssen ist Geschäftsführer des Planungsbüros SHP (Hannover), das in die Arbeiten zum „Masterplan Mobilität 2030“ eingebunden ist. Die Forderung des Experten: „Parkhäuser sollten generell preiswerter sein als das Parken im Straßenraum.“ Wie das angesichts des Wettbewerbs privater Betreiber funktionieren soll, verriet er nicht. „Noch befinden wir uns im Analyse-Stadium.“ Vielleicht bringt der diesjährige Sommer mehr Aufschluss. Dann sollen erste Konzepte zum Masterplan vorgestellt werden.

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