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Fundtier in Flensburg : Teure Hilfsaktion: Die letzten Tage des kleinen Katers Mika

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tagelang versucht eine Flensburgerin ein junges Fundtier wieder aufzupäppeln – jetzt sitzt sie auf den Kosten für die ärztliche Behandlung.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Fünf Tage lang kämpfte sie aufopfernd um das Leben ihres kleinen Findlings. Doch auf ein Happy End der Leidensgeschichte wartete sie vergebens. Kater Mika, gerade mal zehn Wochen alt, musste nach einer gesundheitlichen Achterbahnfahrt von einer Tierärztin eingeschläfert werden. Lisa Mahrt ist todtraurig – und um eine Erfahrung reicher.

Es ist bitterkalt an jenem Freitag. Minus acht Grad. Lisa Mahrt geht mit ihrem Freund Mario im Osbektal spazieren, als sie unversehens ein kleines Wesen entdeckt, das unbeholfen durchs Gras wankt. Sie tritt näher und erkennt ein bunt geflecktes kleines Kätzchen. „Es zitterte, wimmerte und schrie“, erinnert sich die 32-Jährige. Dann kommt es vorsichtig angekrochen.

Lisa, die selbst eine Katze besitzt, erkennt sofort, dass das arme Tier unterernährt und unterkühlt ist. Sie nimmt es auf den Arm und zu sich nach Hause. Was tun? Es ist inzwischen nach 17 Uhr, das Tierheim geschlossen. Der Anrufbeantworter teilt mit, sie möge sich gegebenenfalls an die Polizei wenden. Doch bei dem Pärchen überwiegt der Impuls, zunächst einen Tierarzt aufzusuchen, zumal der Vierbeiner, der sich bei näherer Begutachtung als Kater entpuppt, einen zunehmend hinfälligen Eindruck macht. Der Veterinär verabreicht ein Mittel, um das Immunsystem zu stärken.

Das hilft. Als Mika, wie er schnell getauft ist, im warmen Badezimmer einquartiert wird – quasi in Quarantäne –, bessert sich sein Zustand spürbar. „Er fraß, schnurrte und zeigte sich als stubenrein“, sagt Lisa. Indiz dafür, dass es sich um eine Haus- und keine Wildkatze handelt. Hat der Besitzer den kleinen, kranken Kerl ausgesetzt?

Ein weiterer Anruf beim Tierheim tags darauf bringt keinen Aufschluss; der Kater ist nicht als vermisst registriert. Lisa Mahrt meldet Mika ordnungsgemäß als Fundtier. Ein Mitarbeiter teilt ihr mit, sie könne den Kater dort abgeben. Noch besser allerdings sei es, sie könne ihn bei sich behalten – zur Entlastung der Einrichtung mit derzeit 30 aufgenommenen Katzen und um weiteren Stress für den Findling zu vermeiden.

Am späten Nachmittag wirkt Mika apathisch, kippt immer wieder zur Seite. „Ich dachte, jetzt stirbt er“, sagt Lisa. Sie eilt zum Nottierarzt. Der diagnostiziert einen Kreislaufzusammenbruch, gibt eine Infusion. Einige Stunden später scheint es wieder bergauf zu gehen. Doch am Sonntag die Ernüchterung. Das Ende scheint nah. Erneut Infusion, Antibiotikum – erneut Hoffnung. „Mika zeigte sich plötzlich topfit, wie das blühende Leben.“

Der fünfte Tag ist der letzte Tag im kurzen Leben der armen Kreatur. Eine Tierärztin entdeckt eine seltene Krankheit namens „portosystemischer Shunt“ – ein angeborenes Leiden, das eine Missbildung der Blutgefäße im Leberbereich und eine innere Vergiftung zur Folge hat. Es gebe kaum Alternativen zur Todesspritze, erläutert die Ärztin. Mehrere Operationen in Hamburg etwa, die Unsummen kosten würden oder eine langwierige, ebenfalls sehr teure Futtertherapie.

Lisa Mahrt hadert mit sich, schließlich aber entscheidet sie, das Tier von seinen Qualen zu erlösen. „Ich habe geheult wie ein Schlosshund“, gesteht sie. „Aber es ging einfach nicht anders.“

Zu der Trauer gesellen sich erhebliche Kosten – auf denen die Tierfreundin nun sitzen bleibt. Es sei denn, der Eigentümer ließe sich ausfindig machen. 300 Euro hat die Flensburgerin aufgewendet. Hat sich erkundigt, ob es für derartige Fälle einen Hilfsfonds oder Ähnliches gibt. „Das ist leider nicht vorgesehen“, erklärt Willy Sandvoß, Vorsitzender des Flensburger Tierschutzes. Der Kater sei wie eine Fundsache zu behandeln. Wer sich entschließe, ihn zu behalten, sei mithin versorgerpflichtig. „Sie hätte, um Kosten zu vermeiden, die Polizei einschalten müssen, die den Kater ins Tierheim gebracht hätte.“ An dem traurigen Ende hätte dies freilich nichts geändert.

In der Fundtier-Richtlinie des Landes heißt es: „Bringt ein Finder ein verletzt oder krank aufgefundenes Tier direkt zum Tierarzt, besteht für die Gemeinde eine Erstattungspflicht für die Kosten einer unaufschiebbaren tierärztlichen Behandlung.“ Aber nur, ergänzt Sandvoß, wenn ein amtlicher Auftrag vorliegt. Der Veterinär hätte sich nachträglich einen solchen Auftrag geben lassen können. „So wäre die Finderin von den Kosten entlastet worden.“

Der Tod Mikas liegt jetzt eine Woche zurück. Und Lisa Mahrt stellt ihre Entscheidung nicht in Frage. „Auch wenn mich die Hilfsaktion teuer zu stehen kommt – ich würde jederzeit wieder so handeln.“

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