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Analyse bei Online-Automarkt : Teure Gebrauchtwagen: Flensburg auf Platz drei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Online-Portal sieht Flensburg bundesweit auf dem dritten Platz – dänische Kunden treiben die Preise nach oben.

Flensburg | Gebrauchtwagen sind in Flensburg überdurchschnittlich teuer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Online-Automarkts „Autoscout24“. Als Basis dienten dem Portal 900.000 dort angebotene Gebrauchtwagen aus den jeweils fünf größten Städten aller Bundesländer. Flensburg landet in diesem Vergleich auf dem dritten Platz. Demnach muss ein Käufer hier durchschnittlich 22.468 Euro für seinen Gebrauchten ausgeben. Getoppt wird die Fördestadt nur von den beiden bayrischen Städten Würzburg (24.396 Euro) und Regensburg (22.702 Euro). Am günstigsten lässt sich ein gebrauchtes Auto im saarländischen Völklingen erstehen (Platz 68 / 8845 Euro). Allerdings hänge der Durchschnittspreis einer Stadt unter anderem auch von den dort angebotenen Modellen ab, heißt es in der Analyse.

„Es ist für die Autohändler hier oben sehr attraktiv, höherwertige Gebrauchtfahrzeuge zu vermarkten“, erklärt Reimer Offenborn, Geschäftsführer der Flensburger Mercedes-Benz-Vertretung und Sprecher der KFZ-Innung Flensburg, die örtlichen Besonderheiten. Maßgeblich sei die Grenzlage, viele Dänen würden zum Kauf eines Autos herkommen. „Die Dänen sind sehr offen für teurere Gebrauchtwagen aufgrund der in Dänemark bei Anmeldung des Wagens fälligen Steuer von 60 Prozent. Das macht die noch viel teureren Neuwagen dort fast unbezahlbar.“ Also investierten viele Dänen in gut ausgestattete hochwertige Gebrauchtwagen jenseits der Grenze. Das Geschäft mit Dänemark sei sehr ausgeprägt. „Aber man kann sicher nicht sagen, dass von der Qualität her vergleichbare Fahrzeuge in Flensburg immer teurer sind als im bundesweiten Schnitt.“

Für einen hohen Durchschnittspreis sorgen offenbar auch Re-Importe von Fahrzeugen. Ein Branchenkenner, der namentlich nicht genannt werden möchte, erklärt die Methode: Neuwagen würden von den Autoherstellern in Dänemark allgemein zu gemäßigteren Preisen als in Deutschland angeboten, damit die extrem hohe Steuer zumindest ein Stück weit kompensiert werden kann. Solche Neufahrzeuge würden von einigen Händlern allerdings über die Grenze nach Deutschland zurück transportiert und hier in Grenznähe verkauft, oftmals nach kurzen Zulassungen – wodurch sie laut Gesetz zu hochwertigen Gebrauchtwagen umdeklariert, als solche verkauft werden und in die Statistik der Gebrauchtwagen auch mit einfließen. Die Händler bekämen für den Verkauf der Neuwagen als Kurzzulassungen vom Autohersteller spezielle Prämien zum Ausgleich. Den Hintergrund erklärt der Informant so: „Es geht um Anteile des jeweiligen Herstellers am Markt und unter Umständen auch um die Marktführerschaft. Man helfe mit solchen Aktionen eben ein bisschen nach. „Auch dadurch kommen die hohen Preise hier zustande.“

Günther Görrissen, Obermeister der Kfz-Innung, hält die Autoscout24-Analyse insgesamt für nicht aussagekräftig. In der Landeshauptstadt Kiel etwa (Platz 35 / 17.435 Euro) würden aufgrund der Hafenlage sehr viele Autos für den Export angeboten. „Jene eher billigen Fahrzeuge senken natürlich den Schnitt solch einer Statistik stark“, so Görrissen. Dies heiße aber nicht, dass es in Kiel keine hochwertigen Gebrauchtwagen gebe. Umgekehrt könne zwar in Flensburg die Menge hochwertiger Gebrauchter groß sein, was allerdings nicht bedeute, dass es hier keine günstigen Autos gebe. Görrissen ist sich sicher: „Diese Analyse ist letztlich nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt wird.“
 

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erstellt am 15.Aug.2014 | 07:40 Uhr

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