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Pilkentafel Flensburg : Terra culinaria: Ein Stadtteil wird zur Theaterbühne

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei der Pilkentafel gastiert das heimatlose Theater Kormoran mit einem Stück zum Thema Essen

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2017 | 08:21 Uhr

Um es gleich vorwegzunehmen: Es gibt nichts zu essen während der Vorstellung. Dabei geht es bei dem neuen Stück, das das Theater Kormoran für die Pilkentafel produziert, eigentlich um nichts anders als Essen, Nahrung, Lebensmittel, Hunger. Der Clou: Das Gängeviertel und weitere Teile von Jürgensby werden an den Vorstellungstagen zur „Terra culinaria“, und das ist dann auch der Titel des Stückes.

Theater im Viertel – das gab es doch schon mal. Richtig: „Ein ganzes Viertel unter Verdacht“ hieß das absurde Kriminalstück, bei dem die Pilkentafel 2006 ihr Publikum auf einen Spaziergang durch das Gängeviertel schickte. Auch diesmal sollte das Publikum festes Schuhwerk dabei haben, denn erneut geht es durch die Gänge und über die Treppen – aber bei gutem Wetter, wie Elisa Priester, die Flensburgerin beim Theater Kormoran, verspricht.

In „Terra culinaria“ bildet sie mit Katharina Herr ein Tandem von Expeditionsleiterinnen, die das Publikum durchs Quartier führen. Es wird mit Kopfhörern und MP3-Playern für einen „theatralen Audio-Walk“ ausgestattet. Während des Rundgangs sind plötzlich Stimmen aus dem Viertel zu hören. Menschen, die hier geboren wurden, erzählen vom Hungerwinter 1946/47. Mitglieder des St. Jürgen-Kirchenchores haben Texte vertont, die zu hören sind. Und immer geht es um Ernährung, um Essen, aber auch um Verschwendung von Lebensmitteln.

„Wir haben mit den Leuten vom ’Food-Sharer-Stammtisch’ im Tableau gesprochen“, berichtet Elisa Priester. Eine weitere Quelle war die Ernährungswissenschaftlerin Ines Heindl von der Europa-Uni Flensburg. Auch der Verein „Villekula“, der Kinder an Gartenarbeit und natürlich wachsende Lebensmittel heranführt, wird mit einbezogen. Und geflüchtete Kinder erzählen, wie sie mit deutschen Essensgewohnheiten zurecht kommen. „Essen ist Teil der Persönlichkeit geworden“, sagt Elisa Priester. „Wir fragen, welche gesellschaftlichen Phänomene dahinter stecken.“

Aber „Terra culinaria“ ist vor allem ein Theaterstück, die beiden Frauen werden zu Charakteren, die für eine bestimmte Haltung stehen. Nicht zuletzt geht es um die Frage, ob man durch sein Essverhalten die Welt verändern kann. Neben den beiden Akteurinnen sind Svenja Wolff, Caroline Heinemann und Isabel Herling an der Produktion beteiligt.

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