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Rufnummer 040-41409080 : Telefon-Terror von „Hamburger“ Nummer – Kein Anschluss, keine Hilfe

vom
Aus der Onlineredaktion

Seit Wochen nerven die Anrufe einer scheinbar Hamburger Telefonnummer – doch niemand geht ran und die Behörden können nichts tun.

Flensburg | Es ist jetzt zwei Wochen her, seit das erste Mal ein Anruf von dieser Nummer auf dem Display erschien. Ich kannte die Nummer nicht, denn alle die mich sonst anrufen, sind in meinem Telefonbuch gespeichert. Also bin ich nicht drangegangen. Vielleicht weil ich keine Lust auf eine Telefonumfrage hatte oder einen Serviceanruf irgendeines Unternehmens, ob ich denn mit meinen Produkten zufrieden bin.

Eine Weile später klingelte es wieder: Dieselbe Nummer. Ich entschloss mich, die Rufnummer zu googlen, anstatt abzunehmen. Und siehe da: Volltreffer. Meine Ahnung bestätigte sich. Die Nummer „04041409080“ ist in zahlreichen Foren ein Thema und auch die Polizei und die Bundesnetzagentur haben sich mit dem Fall bereits beschäftigt.

Wer das Telefon abnimmt hört am anderen Ende meistens gar nichts – es werde aufgelegt, heißt es. Ruft man zurück, gehe niemand ran, die Nummer sei nicht vergeben, berichten andere Betroffene. Erreicht man doch mal jemanden, werde meistens in gebrochenem Deutsch eine Umfrage geführt. Ob man Hunde habe, ob man regelmäßig Sport treibe oder ob man zur Miete wohne, sind offenbar gängige Fragen von denen Nutzer berichten. Einige sehen dahinter Trickanrufe von Kriminellen, die eventuell Haushalte für spätere Einbrüche ausspähen wollen, andere sind einfach genervt durch die Anrufe am Morgen, am Mittag oder am Abend. Mittlerweile stört es tatsächlich, dass diese Nummer immer wieder anruft. Zwei bis drei Mal täglich passiert dies seit dem ersten Anruf Anfang März.

Auch das Portal anrufer-info.de hat die Nummer registriert. 44 Kommentare und 31 Bewertungen gibt es zu der Nummer bislang – alle sind negativ. Bei der Vorwahl 040 handelt es sich um eine Nummer aus Hamburg und dem Umland, doch registriert ist sie nicht. Die Vermutung liegt nahe, dass der Anruf gar nicht aus der Metropole kommt.

Beschwerden bei der Bundesnetzagentur über die belästigenden Anrufversuche werden registriert, doch von offizieller Seite heißt es: „Leider mussten wir feststellen, dass die bei den Anrufversuchen angezeigte Rufnummer nicht vergeben ist. Wir gehen daher davon aus, dass die bei den Anrufen angezeigte Rufnummer lediglich aufgesetzt wurde. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es tatsächlich möglich, an einem Telefonanschluss eine andere Rufnummer aufzusetzen, damit diese dann beim Angerufenen angezeigt wird. Durch die Anzeige einer gefälschten Rufnummer kann damit beim Angerufenen eine falsche Identität des Anrufers vorgetäuscht werden.“

Der Fall gibt der Bundesnetzagentur jedoch keine Handlungsmöglichkeit, Auskünfte von Netzbetreibern dazu zu verlangen, wer sich tatsächlich hinter den Anrufen verbirgt. Der Grund ist das Fernmeldegeheimnis. Demnach kann nur im Rahmen von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren die wahre Nummer angefordert werden. Dennoch warnt die Netzagentur regelmäßig über Rufnummernmissbrauch. Auf der offiziellen Seite kann sich jeder informieren.

Das beschriebene Szenario ist als „Predictive Dialer“ bekannt. Ein automatisches Wählprogramm, dass in der Regel von Call-Centern eingesetzt wird. Zur besseren Auslastung werden regelmäßig mehrere Nummern gleichzeitig angewählt, als tatsächlich Agenten zur Verfügung stehen. Sobald eines der Gespräche angenommen wird, enden alle anderen Anrufe automatisch. Die Nummern werden zu einem späteren Zeitpunkt erneut angewählt. Eine typische Begleiterscheinung ist laut Bundesnetzagentur beispielsweise, dass Verbraucher einen Anruf erhalten und das Gespräch entgegennehmen wollen, sich jedoch niemand meldet. Dieses Szenario kann sich mehrmals am Tag bzw. über einen längeren Zeitraum wiederholen. Knackpunkt: Weder der Einsatz eines solchen Automatismus, noch das Anrufverhalten von Callcentern an sich sind gesetzlich geregelt.

Ein Lösungsvorschlag bleibt am Ende übrig: Einige Netzbetreiber bieten Ihren Kunden die Möglichkeit, ganze Rufnummerngruppen oder auch nur einzelne Rufnummern zu sperren – doch diese Zusatzdienste können kostenpflichtig sein. Auch wer über IP telefoniert kann in seinen Routereinstellungen gewisse Anrufer blockieren.

Denn auch die Polizei kann nicht helfen. Auf Nachfragen von Betroffenen heißt es immer wieder: „Solange keine Straftat besteht, können wir nichts machen.“ Auch die Beamten raten zum Sperren der Nummer. Auf Nachfrage von shz.de bei der Pressestelle der Polizei in Flensburg ist das Thema in der Stadt bislang nicht bekannt. „Selbst wenn wir noch keine Hinweise dieser Art bekommen haben ist es generell wichtig, keine Auskünfte über Privates zu geben“, sagt Polizeisprecherin Marina Bräuer. Häufig würden solche Anrufe genutzt, um potentielle Orte für Wohnungseinbrüche auszuspähen. „Eine weitere Möglichkeit ist, die Anrufe zu ignorieren – oder eben die Rufnummer zu blockieren.“

Ich hoffe derweil auf eine schnelle Aufgabe der unbekannten Anrufer und werde nach wie vor nicht ans Telefon gehen. Bisher gab es immerhin noch keine Anrufe in der Nacht.

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erstellt am 03.Apr.2015 | 14:08 Uhr

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