Marienautal : Teilerfolg für Naturschützer

Marienautal --- Foto STAUDT
Marienautal --- Foto STAUDT

Diskussionen um das geplante Neubaugebiet: Der Rat beschloss auf seiner jüngsten Sitzung, eine Bebauung der unter Landschaftsschutz stehenden Teile auszuschließen.

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12. Mai 2009, 12:00 Uhr

Flensburg | Erneut verließ ein Projekt der Siedlungsvorsorge die politische Diskussion mit einigen Blessuren. Die Ratsversammlung stimmte zwar einer Änderung des Flächennutzungs- und Landschaftsplanes im Bereich Nikolaiallee/Marienautal zu - allerdings mit einer erheblichen Einschränkung. Die unter Landschaftsschutz stehenden Teile kommen für eine Bebauung nicht in Frage.

Den Reaktionen im Publikum nach zu urteilen hatte sich der Widerstand bereits formiert. Eine Bürgerinitiative in Gründung begrüßte den Beschluss der Ratsversammlung freudig als Teilerfolg. Nach dem Grundsatz "wehret den Anfängen" mag das verständlich sein. Zwar wollte sich die Verwaltung durch die Planänderungen nur das Instrument verschaffen, die Fläche auf ihre Eignung als Baugebiet zu untersuchen. Immerhin aber war mit der Zustimmung zur vorbereitenden Bauleitplanung auch die Erlaubnis verbunden, das Tal der Marienau aus dem Landschaftsschutz zu entlassen.
Niedergang bezahlbarer Wohnungen
Es waren nicht nur ökologische Bedenken, die die Diskussion prägten. "Wir trennen die Bevölkerung", warnte Jörg Pepmeyer (WiF). Der Blick sei viel zu stark darauf verengt, neue Flächen für Einfamilienhäuser zu erschließen. Durch Modernisierungen würden aber immer mehr bezahlbare Wohnungen vom Markt verschwinden. Auch die gelte es zu ersetzen. Die "Eigenheim-Gettos", so Pepmeyer, seien nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch riskant. "Wir bezahlen Unsummen, um dann die Infrastruktur in die Baugebiete zu bringen." In die gleiche Kerbe schlug Uwe Lorenzen (Bündnisgrüne). "Wir würden uns dort Probleme wie in Tarup-Südost aufhalsen. Die Gegenrechnung ist einfach zu teuer." Markus Döring (CDU) riet, den Ball flach zu halten. Es gehe immerhin nur um eine Machbarkeitsprüfung. "Wir wünschen uns, dass man dort wohnen kann", betonte Döring, räumte allerdings auch ein. "Uns ist bewusst, dass es eine brisante Fläche ist."

Fraktionsübergreifend hatte der Naturschutz am Ende nur Fürsprecher. Die Fraktionen folgten Dörings Anregung, den unter Landschaftsschutz stehenden Teil des Areals auszuklammern. Die Verwaltung kann jetzt mit dieser Einschränkung das potenzielle Neubaugebiet auf seine Eignung prüfen. Heinz-Werner Jezewski prognostizierte schon vorab den Ausgang des Verfahrens. "Wenn der Bereich der Marienau ausgeklammert wird, schwindet nach Westen hin die Attraktivität deutlich. Da ist die Bahn, die Westumgehung, die Einflugschneise von Schäferhaus, die Hochspannungsleitung - das kann man doch niemandem zumuten, dort zu wohnen!"

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