Mittelangeln : Tee trinken und in Oxford forschen

Abi-Schnitt von 0,7:  Harriet Strahl aus Satrup will nach ihrem Studium in Oxford in England als Historikerin Forschen.
Abi-Schnitt von 0,7: Harriet Strahl aus Satrup will nach ihrem Studium in Oxford in England als Historikerin Forschen.

Mit einem 0,7er Abi in der Tasche geht Harriet Strahl aus Satrup nach England, um an der renommierten Uni zu studieren.

shz.de von
10. Juli 2018, 12:00 Uhr

Mittelangeln | Im Hause Strahl in Satrup sieht man den kommenden Wochen mit gemischten Gefühlen entgegen. Im September wird Tochter Harriet ihr Zuhause verlassen und nach Großbritannien umziehen. Nach Aussage von Harriet wird es ein Abschied ohne Wiederkehr, denn im Oktober wird die 18-Jährige ein Studium an der renommierten Universität von Oxford beginnen und danach möchte sie in England als Historikerin forschen.

Dass die junge Studentin aus Deutschland kommt, werden ihre Kommilitonen nicht an der Sprache erkennen, denn Harriet spricht akzentfreies Englisch – das hat sie von ihrer Mutter gelernt, einer gebürtigen Engländerin. „Bei uns zu Hause ist manchmal ein richtiger Sprachen Wirrwarr“, bekennt Harriet lächelnd. Mit ihrer Mutter spricht sie Englisch, mit ihrem Vater Deutsch und am Frühstückstisch, wenn die ganze Familie dort versammelt ist, geht es fröhlich in Deutsch und Englisch durcheinander. Bevor sie in den Kindergarten kam, sprach das kleine Mädchen besser Englisch als Deutsch. Und noch etwas ist sehr britisch im Hause Strahl. Man trinkt unendlich viel Tee.

Die Familie hat immer einen engen Kontakt zu ihren britischen Verwandten gepflegt. So hat Harriet viel gesehen und erfahren und später auch ihre Liebe zu dem Land entwickelt. Vor allem die englische Geschichte fasziniert sie. Die alten Burgen und Schlösser haben ihr Interesse geweckt, Geschichte wurde zu ihrem Lieblingsfach. Im Gegensatz zu Deutschland sei die englische Geschichte des Mittelalters von klaren Strukturen gekennzeichnet, meint die künftige Studentin. Das Land sei geeint gewesen, habe ein Oberhaupt gehabt und sei nicht wie Deutschland zu jener Zeit in unzählige kleine Provinzen mit eigenen Herrscherhäusern aufgeteilt gewesen. „Englands Geschichte hat klare Strukturen“, sagt sie.

Der Grundstein zum Studium in Oxford wurde im Bernstorff-Gymnasium gelegt. Vor wenigen Tagen hat sie das Abitur mit der herausragenden und seltenen erreichten Note 0,7 abgelegt. „Wir sind sehr stolz auf Harriet“, lobt Bernstorff Schulleiterin Barbara Langlet-Ruck ihre Schülerin.

Doch trotz ihrer herausragenden Leistungen ist Harriet ein normales Mädchen geblieben. „Mir ist vieles zugefallen, ohne dass ich mich dafür besonders anstrengen musste“, sagt sie. „Je mehr man über Geschichte weiß, desto einfacher ist es, Zusammenhänge zu begreifen.“ Geschichte war zwar ihr Lieblingsfach, aber auch in den meisten anderen Fächern war die Schülerin spitze.

Harriet geht mit großem Selbstvertrauen nach England. „Ich plane meine Zukunft vor dem Hintergrund meiner Bildung“, erklärt sie. „Ich weiß nicht, was mich in Oxford erwartet, weiß aber, was ich kann.“ Dieses Wissen gebe ihr ein sicheres Gefühl.

Besonders vermissen wird sie ihre Katze Miranda, die bei den Eltern in Satrup bleibt, und den Gitarrenunterricht in der Kreismusikschule, der ihr sehr viel Freude bereitet hat. Das deutsche Bildungswesen sieht sie mit gemischten Gefühlen. Dass die Kinder hier, im Gegensatz zu England, weniger Nachmittagsunterricht haben, sieht sie positiv. Kinder brauchten Zeit für sich, ihre Hobbys und Freunde, meint sie. Den massiven Unterrichtsausfall an der Schule bemängelt sie hingegen. Als junger Schüler sehe man das positiv, aber später, wenn das Abitur nahe und das Wissen benötigt werde, sei Unterrichtsausfall unerträglich.

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