Fachhochschule : Technische Übersetzer: Job mit Zukunft

Ob Betriebsanleitungen oder Fachbücher – sie übersetzen alles: Valentina Kluge, Miriam Schmiedel, Wiebke Rencken und Rebecca Nagel (v.l.), mit  Professor Martin von Schilling. Foto: Gatermann
Ob Betriebsanleitungen oder Fachbücher – sie übersetzen alles: Valentina Kluge, Miriam Schmiedel, Wiebke Rencken und Rebecca Nagel (v.l.), mit Professor Martin von Schilling. Foto: Gatermann

An der Fachhochschule lernen rund 200 Studenten, wie technische Fachtexte vom Deutschen ins Englische übertragen werden.

shz.de von
25. Januar 2012, 08:44 Uhr

Flensburg | Wer hat sich nicht schon einmal über eine völlig unverständliche und komplizierte Betriebsanleitung geärgert? Wer mit solch einer Anleitung - sei es für die Waschmaschine oder den vollautomatischen Kaffeeautomaten - zu tun hatte, dürfte kein Exemplar in Händen gehabt haben, das ein Absolvent der Fachhochschule Flensburg bearbeitet hat. Denn im Studiengang Internationale Fachkommunikation lernen die Studenten es: das richtige Übersetzen.

Mit seinen rund 200 Studenten sei das Fach keine Orchidee, vielmehr spricht FH-Präsident Herbert Zickfeld von einer Perle. "Klein, aber fein", umschreibt Martin von Schilling, Professor für technisches Übersetzen, das Studienfach.

Übersetzen - das ist mehr als nur das Übertragen von deutschen Texten ins Englische, oder umgekehrt. Zwar lernen die Studenten über drei Semester professionell Englisch und Deutsch und müssen Auslandssemester absolvieren. "Es geht aber nicht darum, Wort für Wort zu übersetzen, sondern darum Bedeutung, Sinn und Zweck zu erkennen", erklärt von Schilling. Ein Kinderbuch beispielsweise müsse anders angegangen werden als eine Betriebsanleitung, Reparatur-Handbücher, Wartungsunterlagen oder Kataloge. "Das eine dient der Unterhaltung, das andere, die Werkstattlitertur, beschreibt sehr genau und eher nüchtern, was zu tun ist", so von Schilling. Der Stil müsse eben passen, man müsse Sprache beherrschen können, sagt der Professor, bei dem ein leichter britischer Akzent rauszuhören ist. Der gebürtige Berliner wuchs in Schottland auf, studierte in England. Nach mehr als fünf Jahren als Übersetzer bei Daimler und Lehrtätigkeiten an verschiedenen Unis, sensibilisiert er nun seit zweieinhalb Jahren den Nachwuchs an der FH für die Feinheiten des Übersetzens.

Dazu gehört auch die Recherche, die Fähigkeit, sich schnell Wissen anzueignen, ohne gleich Experte für Waschmaschinentechnik oder Windenergie zu werden. Zwar hören die Studenten auch Vorlesungen über Maschinenbau, Elektrotechnik oder Mess- und Regelungstechnik. Dennoch gilt es, das jeweilige Fachgebiet zu erforschen, um die spezifischen Inhalte richtig übersetzen, die passende Terminologie verwenden zu können. So haben es auch sechs Masterstudentinnen getan, als sie daran gingen, das Einleitungskapitel eines Fachbuchs zum Thema Windenergie, das demnächst erscheinen soll, ins Deutsche zu übersetzen. "Wir haben viel über Windanlagen und die Geschichte von Windmühlen gelernt", sagt etwa Rebecca Nagel. Das Besondere für sie und ihre Kommilitonen an diesem Projekt: Das Ergebnis ihrer Arbeit wird veröffentlicht. Das wirkt motivierend: "Viele Projekte im Studium wirken zwar echt, sind es aber nicht", so Wiebke Rencken. Das Team musste Kontakt zum Auftraggeber, dem Kompetenzzentrum CE-Wind, halten sowie dem Autor Jos Beurskens. Der Holländer gilt übrigens als Windenergieexperte der ersten Stunde. "Wir haben alles eigenständig gemanagt", berichtet Valentina Kluge.

Sechs Wochen lang haben sich die Studenten in die Materie eingearbeitet, aktuelle Übersetzungssoftware zur Unterstützung angewendet, den Text korrigiert, gelayoutet und an den Auftraggeber übergeben. Miriam Schmiedel: "Wir sind stolz auf unsere Ergebnisse."

11 000 Worte haben sie in den anderthalb Monaten vom Englischen ins Deutsche - auf diese Sprach-Kombination hat sich die FH spezialisiert - übersetzt. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Pensum eines arbeitenden Übersetzers umfasst gut 2500 Worte am Tag. "Das sind etwa zehn Seiten", sagt von Schilling.

Die Tätigkeit eines Übersetzer ist übrigens nicht mit der eines Dolmetschers zu verwechseln. Ersterer hat Zeit, über Inhalte nachzudenken, muss akkurat und zielgruppengerecht arbeiten. Denn häufig findet sich seine Übersetzung ja in gedruckter Form wieder. Letzter, vor allem der Simultandolmetscher, kann nicht so genau arbeiten, muss sofort übersetzen. Von Schilling:"Beide haben eine unterschiedliche Mentalität."

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