Unewatt : Technik in der Landwirtschaft

Museumsleiterin Inga Latendorf (li.) und Mitarbeiterin Karen Precht vor Werbeplakaten von Traktorenherstellern.
Museumsleiterin Inga Latendorf (li.) und Mitarbeiterin Karen Precht vor Werbeplakaten von Traktorenherstellern.

Neue Ausstellung im Landschaftsmuseum Unewatt zeigt die Veränderungen auf Bauernhöfen / Traktor steht im Mittelpunkt

shz.de von
11. Juni 2018, 14:01 Uhr

Der Trecker stand im Mittelpunkt der Technisierung der Landwirtschaft und wurde entsprechend beworben: „Er soll universelles Kraftaggregat für alle Hofarbeiten sein.“ Das besagt ein Werbeplakat in der neuen Ausstellung „Für Fortschritt und Wohlstand – Der Bauer in der landtechnischen Reklame“, die gestern in der Buttermühle des Landschaftsmuseums Angeln in Unewatt eröffnet wurde.

Zu diesem Anlass wies Museumsleiterin Inga Latendorf darauf hin, dass sich die Landwirtschaft ständig verändere. „Durch den Wechsel von der Handarbeit zum verstärkten Einsatz von Maschinen gab es nach dem 2. Weltkrieg aber geradezu eine Agrarrevolution.“ Von Bedeutung sei dabei auch der Mangel an Arbeitskräften gewesen, die es wegen höherer Löhne in die Industrie gezogen habe.

Ihre für die Ausstellung verantwortliche Kollegin Karen Precht hob die in den 1960er Jahren erfolgte Umstellung auf den reinen Familienbetrieb hervor. Auf die Notwendigkeit, mehr Effizienz durch eine rasant fortschreitende Mechanisierung zu erreichen, habe die Landmaschinenindustrie mit zielgerichteter Werbung reagiert.

So sind in der Ausstellung viele Plakate von Traktoren zu sehen, vielfach von Herstellern, die heute gar nicht mehr existieren wie Güldner, Bautz, Eicher oder Allgeier. Bei ihrem Einsatz nimmt gemäß der auf ihnen dargestellten Aussagen die bäuerliche Arbeit beinahe den Charakter einer wenig mühsamen Freizeitbeschäftigung an. Geworben wurde aber auch für Melkmaschinen und Milchkühlanlagen. Hinzu kommen Heuwender, Höhenförderer, Sä- und Mähmaschinen, Kartoffelernter und Selbstbinder für die Getreidemahd. Die Herstellung dieser Maschinen erfolgte nicht nur in großen Industriebetrieben, sondern zum Teil auch in kleinen Maschinenbaufirmen innerhalb der Region, so in Husby, Maasbüll, Sörup oder Kappeln, wie eine kleine Übersicht zeigt.

Mit der Technisierung ging ein großer Kapitaleinsatz und eine enorme Steigerung der Produktion einher. Während vor 70 Jahren ein Landwirt zehn Menschen ernährte, sind es heute, so Precht, 145. Nur noch zwei Prozent der Bevölkerung lebten heute von der Landwirtschaft. Das allgemeine Wissen um die Produktion von Nahrungsmitteln gehe zunehmend verloren. Ein sachverständiger Besucher wies darauf hin, dass die Landwirtschaft immer stärkerem Marktdruck unterliege, die Lebensmittelpreise in Deutschland aber so niedrig seien wie in keinem anderen Land.




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