Konflikt : Taxifahrer fühlen sich abgehängt

Verärgerte Chauffeure: Liselotte Redemski (vorn) und einige ihrer  Kollegen sind unzufrieden mit der aktuellen Regelung vor dem Bahnhof.
1 von 2
Verärgerte Chauffeure: Liselotte Redemski (vorn) und einige ihrer Kollegen sind unzufrieden mit der aktuellen Regelung vor dem Bahnhof.

Die angespannte Parksituation rund um den Bahnhof berührt auch das Taxi-Gewerbe / Obmann und Verkehrsbehörde ziehen an einem Strang

shz.de von
18. Juni 2014, 07:55 Uhr

Der Fernzug naht. Und damit kostbare Fracht für Flensburgs Taxifahrer. Sie warten rund um den Bahnhof auf Gäste, die meisten legal, einige stehen im Halteverbot. Seit die Verordnung, dass nur drei Taxen direkt vor dem Bahnhofsgebäude parken dürfen, unter strengster Beobachtung steht, wächst der Unmut unter den Chauffeuren. Und Fahrgäste zeigen sich irritiert.

Nach Beschwerden von Anwohnern, wartende Taxen würden deren parkende Autos blockieren und sie sich nachts von laufenden Motoren gestört fühlten, wurde eine Art Gewohnheitsrecht außer Kraft gesetzt. Denn früher schien es ganz normal – wenn auch nicht erlaubt –, dass eine lange Schlange unmittelbar an den Ausgängen auf Fahrgäste wartete. Jetzt sieht sich das Gros der Taxifahrer auf die rechte Seite der Bahnhofstraße verbannt – mindestens 200 Meter von den herausströmenden Passagieren entfernt. Linienbusse müssen sich langsam zwischen den maximal 20 Taxen und schräg parkenden Autos hindurch quälen.

Unter den Taxifahrern ist einer, der schon seit 35 Jahren dabei ist und seinen Namen nicht nennen will. Er muss dringend aufs viel gescholtene Bahnhofs-WC. „Aber ich kann meinen Wagen nicht so lange verlassen; bis ich wieder zurück bin, habe ich wahrscheinlich schon eine Tour verpasst.“ Er steht an sechster Stelle, die will er unbedingt halten und weiter vorrücken – und hält wacker aus. Derweil schimpft er: „Wir sind hier alle genervt. Es ist grausam – so weit ab vom Schuss.“ Aus der Entfernung, sagt ein 51-jähriger Kollege, sei die Situation in der Haltezone vor dem Bahnhof unübersichtlich. Wer vorfährt und dort als vierter Wagen in der Schlange hält, riskiert ein Verwarngeld von 15 Euro. „Und das Ordnungsamt ist hier so aktiv wie lange nicht mehr.“ Wer Strafe vermeiden will, muss einmal im Karree fahren – über den Mühlendamm wieder zum Ausgangspunkt Bahnhofstraße zurück, dort muss er sich wieder einreihen – und bildet das Schlusslicht.

Einige Chauffeuere versuchen dies zu vermeiden, indem sie rechtswidrig die Privatparkplätze der Bahn und Bundespolizei besetzen, um sofort zur Stelle zu sein, wenn das erste Taxi einen Fahrgast gefunden hat und gestartet ist.

Die Konkurrenz unter den Unternehmen hat deutlich zugenommen. „Es herrscht im Gewerbe schon Unruhe genug, die Suppe ist eben dünn geworden“, benennt ein Fahrer das Problem. Hinter ihm wartet Jürgen, er steht kurz vor der Rente. Sein Blick geht zum Bahnhof. „Man muss wachsam sein und sofort reagieren“, sagt er, ein Nickerchen könne man sich nicht erlauben. „Aber ich zähle jetzt nur noch die letzten Tage.“

Taxi-Obmann Heiko Lange indes spricht von einer „übersichtlichen Situation“ rund um den Bahnhof. „Die Regelung ist sehr gut – wenn sich alle daran halten würden.“ Tatsächlich hat es im letzten Jahr mit ihm und Vertretern der Verkehrsbehörde eine Rundtour gegeben, bei der hier nichts bemängelt wurde. „Man war sich einig“, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Man müsse auch anderen Autofahrern die Möglichkeit geben, unmittelbar am Bahnhof kurz zu halten. „Wir brauchen dort keine Taxischlangen.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen