Flensburg : Taxifahrer auf dem Abstellgleis

Chauffeure im Abseits: Peter Stammne, Jutta Möller und  Heiko Lange (im Hintergrund) hadern mit den Behörden - und warten auf Fahrgäste. Foto: Dommasch
Chauffeure im Abseits: Peter Stammne, Jutta Möller und Heiko Lange (im Hintergrund) hadern mit den Behörden - und warten auf Fahrgäste. Foto: Dommasch

Die Verwaltung verlegt Halteplätze von der Dr.-Todsen-Straße in die Friesische Straße. Taxifahrer klagen über Umsatzeinbußen. Die Stadt verspricht eine schnelle Lösung.

shz.de von
06. August 2012, 11:54 Uhr

Flensburg | Sie sind Profis. Sie stellen ihr gleichgültigstes Gesicht zur Schau - doch tief drinnen brodelt die Wut. Flensburgs Taxifahrer fühlen sich ins Abseits gedrängt. Keine ausgewiesenen Halteplätze an Campus, Krankenhäusern und Deutschem Haus. In der Toossbüystraße drei Stellmöglichkeiten gestrichen. Durchfahrt Angelburgerstraße behördlich verboten. Jüngster Anlass zur Kritik: Durch die Bauarbeiten in der Dr.-Todsen-Straße sind die Fahrer in die Friesische Straße verbannt worden, an die Peripherie des Zentrums - weit weg von potenziellen Passagieren: Der Südermarkt ist 100 Meter entfernt. "Eine Frechheit", empört sich Taxi-Chef Peter Stammne (67).
Der langjährige Unternehmer spricht seinen Kollegen aus der Seele. Von ehemals acht Plätzen sind ihnen nur noch fünf geblieben. "Einige von uns sind sogar gezwungen im Halteverbot zu stehen." Ein Wunder, dass es keine Knöllchen hagelt. Doch die Ordnungskräfte machen offenbar einen Bogen um den quasi verordneten Verkehrsverstoß. Die Fahrgäste allerdings auch, die Taxen werden kaum wahrgenommen. "Da kann man uns", schimpft Stammne, "auch gleich auf die Exe schicken."
Umsatzeinbußen von mindestens 20 Prozent
Die Fahrer klagen über Umsatzeinbußen von mindestens 20 Prozent. Und verweisen im gleichen Atemzug auf Gefahrenaspekte. Denn sie sind aufgrund der aktuellen Verkehrsregelung zu riskanten Drehmanövern gezwungen. Besonders an Wochenmarkttagen kann man das nachvollziehen. Fußgänger, Busse, Lieferverkehr - "auf was wir da achten müssen, so viele Augen haben wir gar nicht", meint Stammne.
Chauffeurin Jutta Möller verweist auf den schon "seit Ewigkeiten" geäußerten Wunsch, in der Angelburger Straße stehen zu dürfen. Oder aber, wie ihr Kollege Heiko Lange ergänzt, während der Bauphase in der unteren Friesischen Straße, Höhe Leder Meißner bis zur Roten Straße. "Da könnten", sagt Lange, "locker acht Wagen parken. Die würden dort auch wahrgenommen." Er hat verschiedene Taxen in Flensburg, Glücksburg und Husby laufen. Auf das Rathaus ist er nicht gut zu sprechen: "Nicht zu fassen, was dort am Schreibtisch entschieden wird."
Suche nach einem Kompromiss bis Jahresende
Was sagt die Stadt zu den Vorwürfen? Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf wirbt um Verständnis. Die Pläne, einen provisorischen Taxistand unweit des Südermarktes zu installieren, seien aufgrund von Bedenken der Gewerbetreibenden an der Roten Straße verworfen worden. Auch die Lösung Angelburgerstraße wird kritisch beurteilt. "Busverkehr, Radfahrer gegen die Einbahnstraße, Fahrradständer und Bäume", zählt Teschendorf auf und nennt damit mögliche K.o-Kriterien. Gleichwohl wolle man nach der Tageblatt-Recherche "eine Neubewertung der Situation vornehmen". Noch in der nächsten Woche wollen sich Vertreter der Verkehrsbehörde mit dem Obmann des Taxi-Gewerbes zusammensetzen, um eine schnelle Lösung zu erarbeiten, verspricht Teschendorf. "Einen Kompromiss, der bis Ende des Jahres trägt."
Dann sind die Arbeiten in der Dr.-Todsen-Straße beendet, die Taxen könnten an ihren Ursprungsort zurückkehren. "Wir werden sie Anfang 2013 umsiedeln - das ist aber nur eine von mehreren Varianten", weckt Teschendorf des Taxifahrers Neugier.

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