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Konsum : Tauschen statt kaufen: Wenn alles geteilt wird

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wachsendes Phänomen: Immer mehr Menschen tauschen Dinge, statt sie neu zu kaufen. Zahlreiche Plattformen in Internet tragen zu diesem Wandel bei.

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erstellt am 23.Feb.2014 | 16:44 Uhr

Getauscht wird inzwischen einfach alles: Von Sofa und Hamsterkäfig über eine Packung Kekse bis hin zu handwerklicher Leistung. Längst wird dieses Verhalten nicht mehr nur als ein Trend, sondern als ein grundsätzlicher Wandel in der Gesellschaft gesehen – weg von der Wegwerfmentalität hin zu einem umweltbewussten, nachhaltigen Konsum. Das Internet bietet mit seinen zahlreichen Seiten die ideale Plattform für das wachsende Phänomen.

Randy Naß aus Flensburg ist eine der Seitenbetreiberinnen. Seit nun zweieinhalb Jahren betreut sie auf Facebook die „Verkauf/Tausch/Verschenk Gruppe“ in Flensburg. Hier bieten fast 14.000 Mitglieder ihre ausgedienten Sachen an.

Dabei gibt es ganz klare Regeln zum Vertauschen. Bevor ein Angebot veröffentlicht wird, muss Randy Naß es freigeben. Das nehme zwar viel Zeit in Anspruch, müsse aber sein, damit zum Beispiel keine gefälschten Marken angeboten werden. Als Mutter von drei Kindern betreut sie die Gruppe „nebenbei“. Sie will so einfach Menschen die Möglichkeit geben, ihre alten Sachen loszuwerden.

Die Rendsburger stehen zwar mit knapp 2000 Mitgliedern in der Gruppe „Zu verschenken & tauschen“ weit hinter den Flensburgern, doch dafür sind sie umso aktiver. Stefanie Wichmann hat die Seite vor zwei Jahren gegründet. Sie ist der Ansicht, dass man längst nicht mehr alles nur mit Geld kaufen muss. Vor Hunderten von Jahren hatte man schließlich auch kein Geld. Da tauschte der Bauer sein Huhn gegen eine ärztliche Behandlung oder Kleidung ein. „Mein Ziel mit der Gruppe ist es, dass auch Leute mit wenig Geld Sachen erwerben können, im Tausch gegen gleichwertige Gegenstände“, sagt sie. Auch Stefanie Wichmann tauscht regelmäßig. Meistens bietet sie ihre Sachen gegen Lebensmittel an. Die könne man immer gebrauchen.

Doch das Teilen und Tauschen beschränkt sich nicht nur auf Lebensmittel oder alte Gegenstände. Heute wird einfach alles geteilt – vom Auto bis hin zum eigenen Haus.

Dabei hat die Wirtschaft diese Entwicklung längst für sich entdeckt. Daimler zum Beispiel hat die Tochterfirma „car2go“ gegründet. Dort werden in zahlreichen Großstädten Autos auch stundenweise vermietet. In Kiel entstand 1991 das Unternehmen „StattAuto“. Mit zwei Fahrzeugen und 24 Nutzern ist es gestartet. Heute sind es schon 1200 Menschen, die eines der 47 Autos in Anspruch nehmen.

Doch woher kommt dieser gesellschaftliche Wandel überhaupt? Erklärungen dafür liefert Harald Heinrichs, Professor für Nachhaltigkeit an der Leuphana Universität in Lüneburg. „Die Menschen haben mit der Wirtschafts- und Finanzkrise ein kritisches Bewusstsein zu Konsum entwickelt. Sie wollen und müssen sparen“, sagt er. Außerdem sei das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umwelt gewachsen. Das Internet sei dabei ein Beschleuniger dieses Phänomens. „Auch früher haben die Menschen schon getauscht. Aber durch die technischen Möglichkeiten ist es viel einfacher geworden.“ Welche Modelle aber tatsächlich überleben, werde man in den nächsten Jahren sehen.

Auch der Einzelhandelsverband Nord (EHV) in Kiel blickt mit Spannung auf die neuen Entwicklungen. Dabei sieht Geschäftsführerin Monika Dürrer in dem wachsenden Tauschverhalten keinesfalls eine Bedrohung für die Wirtschaft. „Natürlich ist der Neukauf für den Handel grundsätzlich besser. Aber dieser gesellschaftliche Wandel sollte lieber positiv verstanden werden, als ein Ideengeber für Innovationen bis hin zu neuen Geschäftsideen.“

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