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Flensburger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 15:35 Uhr

Kommunalwahl : Taumeln im Kreuzverhör

vom

Muntere Doppelstunde: Das Flensburger Tageblatt lud Jungwähler ein zur Diskussionsrunde mit den Kandidaten zur Kommunalwahl.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 07:30 Uhr

Flensburg | Claas Dücker liebt es konkret. "Und nicht so viel wischiwaschi." Sein Wunsch wurde nur zum Teil erfüllt. Der 17-jährige AVS-Schüler war einer von 150 Jugendlichen, die am Dienstagabend in die Phänomenta strömten, um den Kommunalpolitikern kurz vor der Wahl auf den Zahn zu fühlen. Eine lebhafte Doppelstunde, die dem einen oder anderen Erstwähler Entscheidungshilfen liefern sollte - vor allem aber eines nahe legte: sein Wahlrecht auch auszuüben.

"Die Zeitung gibt Jungwählern eine Stimme" - unter diesem Motto hatte das Flensburger Tageblatt in die Phänomenta eingeladen. Wenig überraschend, dass alle Kandidaten der acht zur Kommunalwahl antretenden Parteien sich für das in der Legislaturperiode Erreichte selbst auf die Schulter klopften. Ob Kita-Ausbau, sozialer Wohnungsbau, Erhalt des Kulturbetriebes bis hin zur Rettung des Bücherbusses, alles Verdienste der eigenen Fraktion. Zudem habe man jeweils Schwerpunkte setzen können: Edgar Möller nannte, als SSW-Mann obligatorisch, die Gleichstellung der dänischen Minderheit, Swetlana Krätzschmar meinte, ihre CDU sei für den Ganztagsschulbetrieb und die Familienfreundlichkeit in der Stadt verantwortlich, Gabriele Ritter verwies für die Linke auf kostenlose Verhütungsmittel und Jan Matthiesen (FDP) vergaß nicht zu erwähnen: "Wir waren die Einzigen, die von Anfang an gegen das Campusbad waren." Das Radverkehrskonzept gehe auf die Grünen zurück, lobte sich Birte Lehmpfuhl - und Johannes Schmidt (SPD) dafür, dass die Schülerfahrkarte nicht teurer geworden sei. "Dafür haben wir gesorgt." Seine Aussage, dass die SPD den Stadtschülerrat eingerichtet habe, wurde im Zuhörerkreis umgehend richtig gestellt.

Eine unbekannte Größe: der Newcomer "Flensburg Wählen" in Gestalt von Alexandr Titajeff. Der junge Mann irritierte sein Publikum ein ums andere Mal. Insbesondere seine Kritik an der geplanten dreispurigen Trasse von der Schiffbrücke zum Citti-Park sorgte für Erheiterung. Diese Pläne existieren weder auf dem Papier noch in der Realität. Auf seine Vision vom Busfahren ohne Fahrschein gab es kritische Nachfragen. Titajeff fiel durch ein ausgeprägtes Redebedürfnis auf, das nur durch die rigorose Moderation von Carlo Jolly (Tageblatt) gebremst werden konnte. Auf die Frage aus dem Plenum nach dem Alleinstellungsmerkmal Flensburgs kam die Replik: "Rote Laterne bei Wahlbeteiligung und Arbeitslosigkeit."

Nicht ganz so düster fielen die Antworten der anderen Kandidaten aus. Birte Lehmpfuhl fand den besonderen Charme von kleinen und gemütlichen Häuschen erwähnenswert, Swetlana Krätzschmar nannte die "einmalige Bildungslandschaft", Edgar Möller wusste zu schätzen, "dass man die Grenze nicht mehr spürt", und Johannes Schmidt beliebte zu scherzen, einmalig seien die Punkte und zwei Erotik-Konzerne in nur einer Stadt - um ernsthaft hinzuzufügen: "Flensburg ist sehr schön." Christian Dewanger hingegen richtete sein Augenmerk auf die hiesige Topografie und die Köpfe der Menschen, in denen kreative Ideen mit bundesweiter Ausstrahlung (Waldkindergarten, Skatepark-Projekt, Satzung für Bürgerbeteiligung) geboren würden.

Pia Weißenfeld (18), Abiturientin am Alten Gymnasium, zog ihr ganz eigenes Resümee. Ihr sei klar geworden, wie sehr sich politische Ziele der einzelnen Parteien auf Bundes- und kommunaler Ebene unterscheiden können, sagte sie am Schluss der Diskussionsrunde. "Jedenfalls hätte ich vor der Veranstaltung noch anders gewählt als jetzt."

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