Mixed-Reality an der Hochschule Flensburg : Tauchgang in die virtuelle Ostsee

Ein Büro wird zur Unterwasserwelt: Studierende der Hochschule Flensburg haben eine Mixed-Reality-Anwendung entwickelt.

Ein Büro wird zur Unterwasserwelt: Studierende der Hochschule Flensburg haben eine Mixed-Reality-Anwendung entwickelt.

Studierende der Hochschule Flensburg haben eine Anwendung erfunden, die die Ostsee im Trockenen erfahrbar macht.

shz.de von
28. Mai 2018, 10:26 Uhr

Flensburg | Der Fischschwarm steuert direkt auf ihn zu, weicht aus und verschwindet in der Zimmerecke. Seine Füße stehen in wiegendem Seegras. Greift er danach, stößt er mit dem Arm ans Tischbein. Von außen mag es skurril aussehen, wie Michael Teistler im Raum A109 herumschaut, nach unsichtbaren Dingen greift und von Felsformationen schwärmt, wo ein einfacher Tisch steht. Der Professor für Medieninformatik an der Hochschule Flensburg hat ein futuristisch anmutendes Gestell auf der Nase. Eine sogenannte Mixed-Reality-Brille. Durch die sieht er die Unterwasserwelt der Ostsee.

„Das habt ihr gut hinbekommen“, sagt Teistler an die fünf Studierenden gerichtet. Andreas Taulien, Anika Paulsen, Benedikt Jessen, Stefan Wittke und Tim Streland programmierten in einem Projekt über zwei Semester den Brillen-Prototyp einer großen Softwarefirma so, dass aus Tischen Steine, aus Linoleumboden ein Algenteppich und aus der Decke die Wasseroberfläche werden.

Ihre interaktive Unterwasserwelt soll jedoch mehr sein, als eine spielerische Anwendung. „Unsere These ist, dass viele die Ostsee gar nicht kennen“, sagt Anika Paulsen. „Wir wollen den Lebensraum glaubhaft vermitteln, einen Mehrwert an Erfahrung und Wissen schaffen.“ Ein Buch biete keine echte Ostsee-Aussicht. Als Taucher erhalte man nebenbei keine zusätzlichen Infos. Und ein Aquarium sei eben kein natürlicher Lebensraum. „Wir zeigen zum Beispiel das reale Schwarmverhalten“, sagt Stefan Wittke. Zusätzlich sei es denkbar, dass Nutzern etwas vorgelesen wird. „Nach unseren Recherchen gibt es bisher keine derartigen Anwendungen für die Mixed-Reality-Brillen.“

Mensch-Maschine-Interaktion heißt der neue Schwerpunkt im Studiengang Angewandte Informatik, in dem sich die Studierenden ab dem vierten Semester spezialisieren können. Es geht um die Schnittstellen zwischen Mensch und Computer, wie zum Beispiel auch um Usability. Ähnlich wie die Mixed-Reality-Brille gibt es immer mehr sprach- und blickgesteuerte Eingabegeräte, die ohne Tastatur und Maus auskommen. „Das ist ein boomender Bereich, da wir entsprechend benutzerfreundliche Interfaces brauchen“, sagt Professor Teistler. Dann zieht er wieder die Brille auf. Und taucht ab in die Ostsee von Raum A109.

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