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Alt-Fruerlundhof : Tauben-Krieg am Fruerlundhof

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tierschützer bezichtigen den Stiftungsvorstand der Quälerei und möchten die Vögel nach Norderstedt umsiedeln.

Flensburg | Die Taube auf dem Dach hat, wie man weiß, eine sprichwörtliche Bedeutung. Besonders für Günter Voigt. Er pflegt, allergisch auf den ungeliebten Vogel zu reagieren – vor allen Dingen dann, wenn dieser auf „seinem“ Dach sitzt. Das nämlich tun die Tauben von Alt-Fruerlundhof am allerliebsten. Ausgerechnet auf dem First eines denkmalgeschützten Hauses, für das potente Investoren gesucht werden und das damit einer glänzenden Zukunft entgegensehen könnte. Wenn da nicht die Tauben wären  .  .  .

Günter Voigt ist Vorsitzender der Stiftung Fruerlundhof. Er möchte das Ensemble für altersgerechtes Wohnen nutzbar machen (wir berichteten). Die Tauben sind ein Relikt des Vorbesitzers; die Stiftung hat sie quasi als fliegendes Inventar von Landwirt Hans Christian Iwersen übernommen. Um die Interessenten für sein Vorhaben nicht zu verschrecken, würde Voigt das Federvieh am liebsten vor die Tür setzen. Das hat er mit der jüngst vollzogenen Vernagelung des Taubenschlags bereits getan. Doch die Tauben sind nicht gewillt, die fristlose Kündigung zu akzeptieren.

Gleiches gilt für Tierschützer, die sich des Problems mit erstaunlicher Inbrunst angenommen haben. Eine von ihnen: Cornelia Krappitz, 45 Jahre alt, von Günter Voigt als „Tauben-Aktivistin“ tituliert. „Komm, bulle bulle“, ruft die Taubenmutter ihren Lieblingen zu. Und das täglich. Die Tiere gehorchen aufs Wort. „Sie sind hochintelligent und schnelle Flieger“, schwärmt Cornelia Krappitz. Allerdings kann und will sie die Kreatur nicht länger leiden sehen. Sie habe auf dem Fußweg, der zur nahe gelegenen Schule führt, mit Entsetzten bereits Rattengift und tödlich wirkende Köder entdeckt, sagt sie – ohne einen Schuldigen zu nennen. Sie habe tote Tauben gefunden, verfangen im Maschendrahtzaun. Flügel, Federn, abgetrennte Köpfe im Ententeich. Vielleicht das Werk von Greifvögeln, die verstärkt in dieser fast ländlich wirkenden Idylle beobachtet wurden. Aber auf die Tauben, da ist sich Cornelia Krappitz aufgrund entsprechender Verletzungen sicher, sei auch schon geschossen worden. Und sie selbst sei während der Fütterung von einem Auto angefahren worden.

Sie und einige Mitstreiter möchten die Vögel nach Norderstedt umsiedeln, um ihnen dort ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. „Aber das geht nicht von heute auf morgen“, sagt sie. „Sie sind schlagtreu wie Brieftauben.“ Bei etwa 50 Exemplaren sei es bereits gelungen. Vor einem Jahr hatte sie schon einmal Strafanzeige wegen Tierquälerei erstattet. Diesen Vorwurf erhält sie bis heute aufrecht.

Günter Voigt dauern die Umsiedelungspläne indes zu lange. „Sie haben jetzt vier Monate Zeit gehabt. Und immer noch fliegen hier um die 100 Tauben herum, weil pausenlos gefüttert wird. So kriegt man sie nicht weg.“ Ein vernünftiges Gespräch sei niemals möglich gewesen. Als er Ende Mai Eier im damals noch geöffneten Taubenschlag gesichtet habe, sei seine Geduld zu Ende gewesen.

Doch das, versichert Aktivistin Krappitz, seien von ihr extra ausgelegte künstliche oder aber abgekochte Eier gewesen. „Das ist die einzige Form der Geburtenkontrolle“, sagt sie, „ansonsten vermehren sich die Tauben ungehemmt.“

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erstellt am 01.Dez.2015 | 18:00 Uhr

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