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Flensburger Tageblatt

25. Juli 2017 | 06:47 Uhr

Freienwill : Taube von Pfeilen durchbohrt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Unbekannter hat einen Vogel mit Blasrohr-Munition verletzt. Der Tierarzt konnte das Tier nicht mehr retten.

Freienwill | „Wer macht denn so etwas?“ Rolf Tischer aus Freienwill ist fassungslos. In der Hand hält er zwei dünne, spitze Metallpfeile mit orangefarbenen trichterförmigen Enden. Sie hatten eine Taube durchbohrt, die eine Nachbarin Tischers am Donnerstagmorgen auf ihrem Grundstück entdeckt hatte. Ein erster Versuch, das verwundete Tier einzufangen, misslang. Mehr flatternd als fliegend konnte es entkommen. „Ich sah sie sitzen. Die hat sogar noch gefressen“, sagt Tischer.

Als die Taube wenig später wieder auftauchte, gelang es ihm, sie mit Hilfe eines Keschers einzufangen. „Wir haben sie in eine Kiste gelegt und zum Tierarzt gebracht“, berichtet der 64-Jährige ehemalige Bundeswehrangehörige und Yachtsegelmacher. Doch der Tierarzt konnte dem Tier nicht mehr helfen. „Die Pfeile hatten das Brustbein und einen Oberschenkel durchschlagen“, erklärt Tischer. Der Vogel wurde eingeschläfert.

Tischer ist fassungslos. „Das ist heftig, ein Tier mit solchen Dingern im Körper zu sehen.“ Und er macht sich Gedanken, auf was der Täter als nächstes schießen könnte. „Im Moment reichen Tauben, was kommt dann?“, fragt sich Tischer. Die richtige Stelle bei einem Menschen getroffen und er sei tot. „Das beängstigt mich schon.“ Die Tat bezeichnet er als „sinnloses Vogelabschießen. Das finde ich überhaupt nicht in Ordnung“, sagt er.

Hundebesitzer Tischer meldete den Vorfall bei der Polizeistation in Husby. „Das Schießen auf eine Taube ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, sagt Stephan Heide, Polizei-Oberkommissar in Husby. „Das haben wir bisher nicht gehabt, dass jemand auf Tiere schießt.“ Bislang sei unklar, um was für eine Art Geschoss es sich genau handelt. „Ob auch ein waffenrechtlicher Verstoß vorliegt, wird derzeit geprüft. Da müssen wir uns beraten lassen“, sagt Heide.

„Es sieht so aus, als wären es Blasrohr-Pfeile“, sagt André Busche, Waffensachverständiger und Lehrbeauftragter für Waffenrecht aus Kiel, dem wir Fotos der Pfeile vorlegten. „Ich habe solche Pfeile schon in Waffenkatalogen für den Freizeitbedarf gesehen.“ Sie könnten aber auch aus anderen Geräten verschossen worden sein, wie etwa selbst gebauten Kartoffelkanonen oder ähnlichem. Blasrohre unterlägen keiner Verkaufsbeschränkung und bei den Pfeilen handele es sich nicht um Munition in Sinne des Waffengesetzes. Wer aber unnötig ein Tier quält, mache sich nach dem Tierschutzgesetz strafbar. Und es könne auch ein Verstoß gegen das Jagdgesetz vorliegen, meint Busche. Denn manche Taubenrassen seien ganzjährig von der Jagderlaubnis ausgenommen.

Rolf Tischer jedenfalls ist beunruhigt. „Die Waffe mag nicht so gefährlich sein wie eine große Armbrust. Ich möchte so ein Geschoss aber trotzdem nicht abbekommen.“ Es sei in der Lage, kleine Knochen zu durchschlagen. „Da muss ordentlich Wumms dahinter stecken. Das ist nicht ohne.“ Tischer möchte, dass der Vorfall bekannt wird, damit andere gewarnt sind. „Man weiß ja nicht, ob der auch auf andere Tiere schießt. Es kann ja auch einmal ein Hund sein“, sagt er. „Das sollte die Öffentlichkeit deshalb wissen.“

Um den Täter zu finden, bittet die Polizei um Hinweise an die Polizeistation in Husby unter Telefon 0  46  34  /  939  79  80 oder die Leitstelle unter 0461  /   99  93  02  30.


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erstellt am 03.Jul.2017 | 15:15 Uhr

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