Bürgerversammlung zur Nahversorgung : Taruper stimmen für Lidl

Dieter Kopp von der Lidl-Nord-Zentrale stellte in der Adelbyer Kirche die Pläne des Discounters vor.
Dieter Kopp von der Lidl-Nord-Zentrale stellte in der Adelbyer Kirche die Pläne des Discounters vor.

Kirchengemeinde Adelby bittet um Votum: Überwältigende Mehrheit für großen Markt an der Hauptstraße

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26. April 2018, 06:43 Uhr

Es kommt eher selten vor, dass der Vertreter eines Einzelhandels-Discounters in einer Kirche so positiv aufgenommen wird. Allerdings waren die rund 130 Zuhörer, die Mittwochabend in Flensburgs ältestem Gotteshaus in Adelby zusammengekommen sind, nicht überwiegend normale Kirchgänger. Der elfköpfige Kirchengemeinderat um das Pastorenehepaar Anja und Thielko Stadtland hatte eingeladen, damit die Bevölkerung von Tarup sich erklären möge, ob ein größerer Lidl-Markt (1300 Quadratmeter) an der Taruper Hauptstraße direkt neben der wachsenden Schule Adelby gewünscht sei.

Er ist: Fast 100 der knapp 130 Anwesenden stimmten per Handzeichen für diese Lösung, neun waren dagegen – offenbar überwiegend, weil sie durch einen Markt neben der Schule Verkehrsprobleme für den sicheren Schulweg ihrer Kinder befürchten. Acht weitere Taruper enthielten sich der Stimme.

Zuvor hatte Dieter Kopp von der Lidl-Nord-Zentrale in Wasbek die ersten Planungen des Discounters für die Taruper Hauptstraße vorgestellt. Auf dem insgesamt 13 000 Quadratmeter großen Grundstück ist demnach ein Markt auf 1300 Quadratmetern Verkaufsfläche mit gläserner Front und 124 Pkw-Stellplätzen vorgesehen. Bei 1800 Artikeln im Sortiment gebe es aber kein Fleisch, keine Wurst oder Käse lose. „Bei uns ist alles verpackt.“

Pastor Thielko Stadtland verriet: „Im Kirchengemeinderat sind auch nicht alle für Lidl.“ Zu Verstörung habe bei den Kirchenleuten geführt, dass Stadtplaner Peter Schroeders von einem kleinen Markt von 800 Quadratmetern Größe gesprochen habe, aber zusätzlich von dreistöckiger Wohnbebauung. Anfang Mai gebe es einen Termin mit den Stadtplanern. Der Lidl-Manager erklärte: „Das A und O ist heute Fläche und Stellplätze.“ Ein Anwohner mutmaßte, vielleicht wolle die Stadt keinen größeren Markt, weil an der Hochfelder Landstraße schon größer gebaut werde. Eine Nachbarin des früheren Edeka-Marktes Norderlück zeigte sich erbost über die Idee eines kleinen Marktes. Einer mutmaßte gar: „Ohne auskömmliche Größe versucht man, das Projekt sterben zu lassen.“

Eine Taruperin gab wohl die Meinung vieler wieder: „Wir wollen gerne zu Fuß einkaufen gehen und uns auch treffen im Markt.“ Alles sei in Tarup kaputtgegangen: „Wir sind eine Schlafstadt und wollen da raus.“

Für die Schule Adelby, die dieses Jahr von 260 auf 300 Kinder wächst, bliebe auf der Südseite des Grundstücks eine Erweiterungsfläche. Schulleiter Volker Heß erklärte indes, dass die Schule langfristig auf 400 Kinder anwachsen könne, wenn erst die Neubaugebiete am Netz seien. Er fürchtet, dass zu wenig Fläche bleiben könnte.

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