Stadtteile in Flensburg : Tarup vermisst seinen Einkaufsmarkt

Typisch Tarup: Altes Reetdachhaus an der viel befahrenen Hauptstraße, moderne Zweckbauten mit gewerblicher Nutzung im Erdgeschoss (hinten).
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Typisch Tarup: Altes Reetdachhaus an der viel befahrenen Hauptstraße, moderne Zweckbauten mit gewerblicher Nutzung im Erdgeschoss (hinten).

Dem Forum fehlt seit Jahren ein Laden mitten im Stadtteil - und die Aktiven fühlen sich von der Stadt nicht ernstgenommen

shz.de von
03. Januar 2017, 09:30 Uhr

Seit zwei Jahren ist in Flensburg geregelt, wie und wann die Stadtteilforen als politische Vertretungen der Quartiere eingebunden werden müssen. Seit diesem Jahr nun engagiert sich in jedem Stadtteil mindestens ein Forum. Grund genug für das Tageblatt, zum Jahresende Bilanz zu ziehen und zu fragen, wo im Stadtteil der Schuh drückt. Ergänzt wird der Stadtteil-Überblick durch Daten des gerade vorgelegten Sozialatlas 2016. Zu beachten ist, dass die Gebiete, um die sich verschiedene Foren kümmern, nicht immer mit den Verwaltungsgrenzen der Stadtteile übereinstimmen. Heute: Tarup und das Forum Tarup.

Was ist das Besondere an Tarup, das es von allen anderen Stadtteilen unterscheidet?

Tarup ist ein junger, erst 1974 nach Flensburg eingemeindeter Stadtteil, der bisher seinen ländlichen Charakter bewahren konnte, geprägt durch die älteste Kirche der Stadt mit ihrem schönen, würdigen Friedhof und dennoch nah dem Stadtzentrum. Obwohl Tarup der am schnellsten wachsende Stadtteil Flensburgs ist, hat er seit sieben Jahren keinen für alle Taruper fußläufig erreichbaren Nahversorger. Die Einwohner von Tarup, neu hinzugekommen oder schon lange hier lebend, bilden eine Gemeinschaft mit immer stärkerem Zusammenhalt.


Auf welchem Gebiet hat sich in Tarup 2016 etwas bewegt?

Da der Tante-Emma-Laden schließen musste, hat das Forum Tarup eine Unterschriftenaktion durchgeführt mit der Forderung, einen für alle Taruper fußläufig erreichbaren Nahversorger zu planen und zu bauen. 700 Bürger haben unterschrieben. Ein Dialog mit Vertretern der Verwaltung und der Politik wurde begonnen, aber leider seitens der Verwaltung und Politik nicht fortgeführt. Erst das Einschalten der Koordinierungsstelle für Bürgerinnenbeteiligung lässt auf Fortführung hoffen. Zum Glück für Tarup wurde der Tante-Emma-Laden durch das Geschäft „Grünschnabel” ersetzt. Die Arbeit des Stadtteilforums und die damit verbundene Bürgerinformation findet immer mehr Zustimmung aus allen Teilen Tarups. Die Zahl der Bürger hier wächst und damit auch die Zahl derer, die sich für Tarup engagieren, obwohl es bei vielen Themen sehr, sehr mühsam ist. Eine für Tarup sehr unbefriedigende Entwicklung ist der immer deutlichere Konflikt, der sich aus der Art und Weise ergibt, wie die Verwaltung und Politik Bürgerbeteiligung lebt. Das Forum Tarup ist dem Klimapakt beigetreten.

Was ist dagegen das größte Thema, das 2016 in Tarup liegengeblieben ist?
Seit sieben Jahren fehlt eine für alle Taruper fußläufig erreichbare Nahversorgung. In der Umfrage an die Bürger von Tarup gab es kein wichtigeres Thema.

Wie soll es mit diesem Thema weitergehen und wie könnte es vorankommen?

Das Festhalten der Verwaltung an dem geplanten Nahversorgungszentrum an der Hochfelder Landstraße, am südwestlichen Ende des Ortsteils zeigt, dass Verwaltung und Politik die Bedürfnisse der Taruper Bürger nicht ernst nehmen. Das muss sich ändern. Wir werden nicht so schnell aufgeben und hoffen auf mehr ehrliche Unterstützung seitens der Stadt und der Politik. Es gibt Anregungen und Vorschläge aus der Bürgerschaft:
• Der Holländerhof mit einer Gruppe von Mitarbeitern stellt den Kaufmann in Tarup. Können Stadt, Politik und ein Versorger ein solches Projekt unterstützen?
• Das Gelände zwischen Grundschule und Au könnte bei entsprechender Planung für einen Nahversorger zur Verfügung stehen. Die Kirche als der Eigentümer hat sich dem noch nie versagt.

Welches weitere Thema wollen Sie 2017 anpacken?
Es gibt viel in Tarup zu tun, darunter die Verbesserung der Zusammenarbeit in der Gemeinschaft aller Bürger. Das schließt die Neubaugebiete entlang der Hochfelder Landstraße, Sünderup und Alt Tarup ein. Tarup braucht ein Gemeindezentrum, ein neues Herz, damit die Lebensqualität am Stadtrand erhalten bleibt. Zu nennen wäre die Verbesserung der Verkehrswege, Schulwege, ÖPNV und eine vernünftige, ehrliche Zusammenarbeit mit Politik und Stadt, verknüpft mit einer langfristigen, gemeinsamen Planung.

Was wünschen Sie sich von der künftigen Oberbürgermeisterin?

Simone Lange wohnt in Tarup und kennt die Sorgen der Taruper. Sie hatte sich um die Lösung des Nahversorgungsproblems bemüht. Wir wollen keine Sonderbehandlung, aber eine faire Unterstützung der Stadtverwaltung in der Lösung unserer Probleme. Wir wünschen uns, dass sie das hält, was sie verspricht und nicht alles nur dem Wahlkampf diente, dass sie sich mehr um die Nahversorgung kümmert. Wir wünschen uns Taten und keine Versprechungen, Mitsprache-Optionen und hochwertige Arbeitsplätze in der Region.

Was wünschen Sie sich von der Flensburger Politik?

Wir haben die Politiker gewählt, damit sie sich unserer Probleme annehmen und sie auch in unserem Sinne lösen. Kompromisse sind notwendig, aber wir
wünschen uns Bürgernähe und Ehrlichkeit im Umgang mit den Bürgern, mehr Transparenz und Wahrhaftigkeit, mehr Verbindlichkeit bei den Aussagen bezüglich Vorhaben in und um Tarup und bessere Einbindung der Bürger – und, dass sie mehr auf die Foren der Stadtteile eingehen.

Welches Thema in Ihrem Stadtteil hätte mehr Aufmerksamkeit verdient?
Themen, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten, sind die Situation der Radfahrer und die ÖPNV-Anbindung, die Straßenqualität, Straßen-Beleuchtung und Einkaufsmöglichkeiten, der Zustand und die Instandsetzung der wichtigsten Straßen, außerdem eine allgemeine Belebung der Hauptstraße durch Einzelhandel und Gastronomie. Unser Fazit ist: Tarup soll seinen Charakter beibehalten und nicht Engelsby in Bezug auf Gebäudehöhen kopieren. Dem Stadtteil fehlt der „Mittelpunkt“ mit zentraler Möglichkeit, fußläufig andere Taruper zu treffen. Die ältere Generation wird so zunehmend „abgehängt“.

Die Stadt möchte mehr Bürgerbeteiligung. Gibt es diese Bürgerbeteiligung und wird sie der Stadt vorgelegt, wird sie nicht beachtet. Genauso ist es mit der Arbeit der Foren. Einerseits möchte die Stadt Stadtteil-Foren, andererseits nimmt sie diese nicht ernst.

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