725 Jahre Flensburg : Tarup - das kleine Dorf mit dem Kruzifix

Ländliche Idylle an der Taruper Hauptstraße. Foto: Schreiber
1 von 2
Ländliche Idylle an der Taruper Hauptstraße. Foto: Schreiber

Am Sonnabend präsentiert das Tageblatt mit dem vierten Teil des Riesen-Luftbildes von Flensburg auf acht Sonderseiten den Südosten der Stadt. Dazu gehört auch Tarup.

shz.de von
27. August 2009, 02:19 Uhr

Flensburg | War es eine Ermutigung zum Durchhalten für den Wanderer Richtung Angeln - oder war es ein Stein gewordener Stoßseufzer für den Angelner Bürger, der nach Flensburg auf den Markt wollte: "Gleich ist es geschafft."? Ähnlich wie die Kruzifixe an bayerischen Landstraßen stand an der Seite der Hauptstraße in Tarup ein Kreuz.

Dr. Dieter Pust erläutert in seinem Buch über die Flensburger Straßennamen die Herkunft der Bezeichnung "Kreuzlücke": "Der Name ,Kreuz stammt von einem Kruzifix, das sich in vorreformatorischer Zeit am Weg befunden hat." Belegt seien die Bezeichnungen "Kreutze", "bei Tarup Creutze", "beim Creutze".

Die eher armselige Siedlung östlich von Flensburg zählte 1825 gerade 18 Bewohner. Der Historiker Gerrit Schlaber verweist darauf, das dem Namen Tarup, schlicht "Torp" zugrunde liegt. 1648 findet sich die Bezeichnung "Tarp", aus dem Dänischen ist die Aussprache Tårup" belegt.
Der Name "Kreuz" hat sich auf die an der Hauptstraße, westlich der Kreuzung Norderlück/Kreuzlücke, auffällig dicht stehende Gruppe von Katen übertragen. Schlaber verweist darauf, dass dort im Mittelalter eine Wallfahrtskapelle St. Jodocus oder St. Just gestanden hat. Wer das Geld für ihren Bau gestiftet hat, ist unbekannt. Ihr Ende verfügten König Christian I. und der Schleswiger Bischof Nicolaus Wulf. Verbliebenes Vermögen ging an die Adelbyer Kirche und das Bistum Schleswig. Die Kreuzlücke ist daran die letzte Erinnerung.
Schweres Zugunglück 1908
Die Höfe von Groß Tarup lagen alle an der Hauptstraße (Beispiel: Nr. 72) und am Weg nach Tastrup. Der Lautrupsbach, der auf dem Adelbyer Friedhof aus Adelbybek und Taerbek zusammen fließt, war Grund für di Linienführung der Kieler Eisenbahn um 1880 von Rüllschau in die Innenstadt. Das Tal des Baches bot nur eine geringe Steigung und war damit geeignet für die Bahn. Als der heutige Flensburger Bahnhof 1927 fertig war, wurde die Trasse ab Rüllschau nach Osten verschwenkt und erhielt in Tarup die Brücke. Einen Bahnhof gab es erst mit dem Bau der Südstrecke der Kreisbahn Satrup-Rundhof-Kappeln 1902. Vor seinem Abriss war er noch Firmengelände für einen Auto-Importeur. Reste der "großen" Taruper Bahn-Ära finden sich noch heute: Östlich vom Bäckerweg steht über dem Bach eine alte Brücke der Kieler Bahn und zwischen "Zur Beek" und der Kurt-Tucholky-Schule sind am Bach Trümmer einer Brücke der 1938 eingestellten Kleinbahn zu finden. Von Tarup bis zum Flensburger Hafendamm liefen die beiden Bahntrassen nebeneinander her. Das war auch mit ein Grund für das schwere Eisenbahnunglück bei Tarup am 9. August 1908: Bei der Fahrt von Satrup hätte ein Zug in Tarup den Gegenzug auf der eingleisigen Strecke abwarten müssen. Der Lokführer bemerkte wohl die Lichter, die ihm entgegen kamen, meinte aber, es sei der Zug nach Kiel auf der Nachbartrasse. Ungebremst stießen die Züge zusammen: Es starben neun Menschen, neun wurden schwer, zehn leicht verletzt.

Die Kleinbahn brachte Tarup aber auch den Schub in die moderne Zeit. Mit der Anbindung war der Ort attraktiv für die Flensburger, die an der Hauptstraße eine Reihe stattlicher Villen errichteten. So wuchsen Kreuz und Groß-Tarup zusammen.

Den 1960er Jahren war dann die Bebauung zur Bahnbrücke und in Richtung Engelsby vorbehalten. Mit der Eingemeindung 1974 kam der Wandel von der eigenständigen Gemeinde zum Flensburger Stadtteil, noch betont durch das Neubaugebiet Flensburg-Süd aus den frühen 1980er Jahren. Letzte Ergänzung war die Anlage der Struve-Lücke.

Kurios ist die Tatsache, dass die alten, Reet gedeckten Häuser, die die Hauptstraße zur Engstelle werden lassen, nie unter die Schaufel eines Abrissbaggers kamen. Der Neubau der Kreisstraße 8 südlich des Bahndamms wird den Bewohnern der Häuser mehr Ruhe und dem Verkehr mehr Flüssigkeit bringen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen