Kriegsende in Flensburg vor 70 Jahren : „Tanz den Dönitz“ und die Bitte um Menschlichkeit

Die Engländer sind da! Britische Militärfahrzeuge im Mai 1945 auf den Norderhofenden vor dem Polizeipräsidium.
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Die Engländer sind da! Britische Militärfahrzeuge im Mai 1945 auf den Norderhofenden vor dem Polizeipräsidium.

Am 8. Mai jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 70. Mal. Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar hat sich dafür einiges vorgenommen.

shz.de von
06. Mai 2015, 19:30 Uhr

Flensburg | Für Swetlana Krätzschmar sind es keine Termine wie alle anderen. Am 8. Mai jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 70. Mal. Die Stadtpräsidentin hat sich einiges vorgenommen für die kommenden Tage, denn das Wachhalten der Erinnerung ist ihr ein ganz besonderes Anliegen. „Ich bin zutiefst gegen den Krieg, wo immer er auch geführt wird.“ Sie hält nichts vom gegenseitigen Aufrechnen der Schuld, sondern macht sich für Versöhnung stark: „Nur durch Versöhnung kann man sich von der Last des Krieges erlösen.“

Auch wenn es immer weniger Kriegszeugen gibt, ist sich die aus der Ukraine stammende Swetlana Krätzschmar sicher, dass jeder durch die Erzählungen in der Familie ein bestimmtes Bild vom Krieg und auch vom Kriegsende im Kopf hat. Und gerade für Flensburg spielen die Tage im Mai 1945 eine besondere Rolle, residierte die letzte Reichsregierung doch hier an der Förde.

Deshalb tagt die Ratsversammlung morgen auch in der Aula der Marineschule Mürwik; nur ein paar Steinwürfe entfernt hatte Admiral Dönitz sein Büro als letzter Reichspräsident in der Marine-Sportschule. Unter Punkt 5 der Tagesordnung gibt es ein „Aktuelles Wort“, das für die Erinnerung an das Kriegsende vorbehalten ist. Neben der Stadtpräsidentin sprechen der Direktor des Stadtarchivs, Broder Schwensen, und der stellvertretende Kommandeur der Marineschule, Kapitän zur See Gunnar Jopp.

Am 8. Mai, dem Tag der Kapitulation, wird Swetlana Krätzschmar auf dem Friedhof Friedenshügel an den Gräbern vom 95 polnischen Zwangsarbeitern sowie 99 polnischen Jugendlichen und Kindern – darunter einige Säuglinge – im stillen Gedenken Blumen niederlegen. Diese Geste der Menschlichkeit möchte sie tags drauf an den Grabfeldern für 165 sowjetische Staatsangehörige, darunter 111 Kriegsgefangene, wiederholen.

Am 23. Mai 1945 wurde die Regierung Dönitz von den Alliierten verhaftet; das Foto aus dem Innenhof des Polizeipräsidiums Norderhofenden ging um die Welt. 70 Jahre später wird an Ort und Stelle dieses Ereignisses gedacht; Vertreter der Alliierten seien eingeladen, so Krätzschmar, auch Anke Spoorendonk, Ministerin für Kultur, Justiz und Europa, werde sprechen.

Zu Beginn zeigt die Theaterwerkstatt Pilkentafel ihre eigens für den Anlass erarbeitete Performance „Tanz den Dönitz“. Anschließend wird am Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus direkt vor dem Polizei-Gebäude ein Kranz niedergelegt.

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