Tante Maaß - ein gut vernetztes Urgestein

Am liebsten schreibt sie von Hand. Doch gestern haute Tante Maaß ausnahmsweise in die Tasten einer Schreibmaschine. Foto: staudt
Am liebsten schreibt sie von Hand. Doch gestern haute Tante Maaß ausnahmsweise in die Tasten einer Schreibmaschine. Foto: staudt

shz.de von
03. Juni 2013, 10:46 Uhr

flensburg | Hildegard Fischer nutzt die Gelegenheit, um sich zu bedanken. Schließlich hat Tante Maaß sie vor kurzem "sehr glücklich" gemacht. Ihr Schlüsselbund, "komplett mit allem dran", hatte die Taruperin beim Radfahren verloren. Der Finder kontaktierte Tante Maaß, die in ihrer täglichen Kolumne über den Fund berichtete - Bund und Besitzerin fanden wieder zusammen. Die Mitarbeiterin des Flensburger Tageblattes ist eben eine Kümmerin. Und hatte auch beim Tag der offenen Tür des sh:z wieder ein offenes Ohr für Lob und Dank, Ärgernisse und Anregungen ihrer Leser.

"Gucken Sie sich doch mal die Toiletten auf dem Südermarkt an", bittet eine Dame aus Solitüde. "Eklig. Da muss die Stadt mal Bescheid kriegen!" Ganz klar: Ein Fall für das Flensburger Urgestein, das natürlich verspricht nachzuhaken. Eine andere Leserin vermisst "die schönen weißen Bänke", die mit der Sanierung von der Glücksburger Strandpromenade verschwunden sind. Und Patricia Mangels, 24 Jahre alt, begrüßt die nette Dame mit Dutt und schwarzem Hütchen mit einem herzlichen "Klasse! Ich finde Sie herrlich!" Warum? "Weil Sie immer schreiben, worüber man sich selbst schon geärgert, es aber nicht gesagt hat."

Ob rücksichtslose Hundehalter, bärbeißige Busfahrer oder nervige Dauerbaustellen: "Tante Maaß legt den Finger in die Wunde", lobt Traute Schwennsen, als sie sich ein Autogramm holt. "Aber auf nette Weise." Mit Humor eben.

"Das is ja Tante Maaß ihre Spezialität", beschreibt sich das Flensburger Original mit dem schwarzen Ledertäschen, das über sich selbst gern in der dritten Person spricht. Und sogar noch charmant-frech reagiert, als ein Leser sie - tsss! - nach ihrem Alter fragt: "Ich bin jedenfalls nicht so alt wie die Zeitung!" Dafür heißt sie so: Etliche ältere Flensburger nennen das Tageblatt heute noch "Tante Maaß", nach seinem Ur-Verleger und Redakteur Ludolf Maaß, der die Zeitung ab 1866 führte.

Haben sich ihre vielen kleinen Geschichten tatsächlich zugetragen? "Szelbsverständlich", bejaht Tante Maaß. Denn sie ist, wie man heute sagen würde, gut vernetzt. Vieles wird ihr zugetragen, anderes schnappt sie auf - schließlich ist sie viel unterwegs. "Nachm Frühstück szoll ich ja immer erstma zur Stadt, einholen und n Mundvoll Schnack kriegen."

Zum Schreiben kommt sie darum erst am Nachmittag, wie sie einer Leserin aus Mürwik verrät. Und das erledigt sie immer noch ganz ohne die moderne Technik: Von Computern hält Tante Maaß nichts, "ich schreibe von Hand." E-Mails? - Kommen ihr nicht ins Haus. Ein Traditionsbewusstsein, dass ihre Arbeit seit dem Umzug des Verlags nach Mürwik allerdings ein wenig erschwert - schließlich muss der Text ja in die Redaktion kommen. "Nu muss ich immer szehn und kriegen ein Bus. Ein ganz schöner Agewas." Im Notfall, wenns mal knapp wird, muss dann ihr Neffe ran: "Der hat E-Mail. Der szoll das dann tippen."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen