zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 06:25 Uhr

Talentschmiede für kreative Kinder

vom

Kunstwerkstatt auf dem Scheersberg für 48 Preisträger eines bundesweiten Kulturwettbewerbs / Ergebnisse werden morgen präsentiert

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Steinbergkirche | "Ich zeichne gerne Comics", sagt die 16-jährige Nele Engler. Beim 43. Internationalen Jugendwettbewerb des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken gehört die Absolventin der Regionalschule Niebüll mit ihrem Bild zum Thema "Natur gestalten" zu den diesjährigen Preisträgern. Als Bundessiegerin hatte sich Nele gegen rund 433 000 Mitbewerber im Bereich des bildnerischen Gestaltens durchgesetzt. In ihrer Arbeit lässt sie - durchaus auf humorvolle und zugleich nachdenklich stimmende Weise - grüne Angreifer auf eine Gruppe harmloser Insekten stürzen. Fressen und gefressen werden - den Kampf ums Dasein hat sie trefflich in Szene gesetzt.

Im Bereich Dokumentarfilm war Bastian Köhn (19), Abiturient am Gymnasium Niebüll, gemeinsam mit vier Freunden ebenfalls erfolgreich. Erst schaffte er den Landessieg, danach den Bundessieg. In dem Acht-Minuten-Streifen wird aufgezeigt, wie der Gotteskoogsee von 30 auf 75 Hektar Wasserfläche vergrößert und als Lebensraum wieder seiner Ursprungsform zurückgegeben wird. Ein ehemaliger Deichgraf bietet in einem Filminterview die Hintergrundinformationen zu diesem Projekt. Gleich nach Kriegsende waren weite Zonen um den See herum in Ackerland verwandelt worden, um geflüchteten Bauern aus den Ostgebieten die Bewirtschaftung einer eigenen Scholle zu ermöglichen. Irgendwann später zogen die meisten dieser Neusiedler wieder weg. Der Niebüller Film, ohne professionelle Hilfe erstellt, errang unter 400 eingereichten Beiträgen Platz eins.

Nele und Bastian haben sich gemeinsam mit anderen 48 Preisträgern aus ganz Deutschland auf dem Scheersberg eine Woche lang in kulturellen Werkstätten auf die Spurensuche nach ihren weiteren Talenten begeben. Mit der Präsentation der Ergebnisse endet diese Sommerakademie morgen.

Dabei sind junge Menschen zwischen acht und 20 Jahren. Alle bekamen als Anerkennung für ihre Leistungen die Tage im Jugendhof auf dem Scheersberg geschenkt - einschließlich der Fahrkosten. Von Tagungsleiter Professor Dr. Klaus-Ove Kahrmann aus Flensburg ließen sich Nele und Bastian in die Geheimnisse der Schwarz-weiß-Fotografie zum Thema "Landschaften" einführen. In der Dunkelkammer entstanden mit einfachen Mitteln sehenswerte Experimente. Bastian Köhn, der jetzt das Studium an einer Filmhochschule anpeilt, hat sich zusätzlich in der Scheersberger Kurzfilm-Werkstatt unter Leitung von Fabio Magnifico als Akteur vor der Kamera betätigt.

Prof. Andreas Wendt von der Uni Leipzig ließ seine Gruppe in die Welt der Pflanzen eintauchen. Blüten und Blätter wurden erst gesammelt, dann in ihren Formen analysiert und schließlich auf selbst hergestelltem Papier zu Typografien verarbeitet.

Die Werkstatt-Ergebnisse von "Jugend creativ" in der Angelner Bildungsstätte standen, wie Melanie Schmergal vom Bundesverband der Volksbanken bestätigte, auf "einem besonders hohen Niveau". Prof. Kahrmann verhehlte allerdings nicht seinen Unmut darüber, dass sich die Schulen allgemein in der heutigen Situation "von der ästhetischen Bildung immer mehr zurückziehen". Für das künstlerische Schaffen der Jugendlichen bleibe kaum Zeit im Schulalltag übrig. Umso wichtiger sei es, dass Einrichtungen der außerschulischen Bildung, unterstützt von Sponsoren wie den Volksbanken, in die Bresche springen und diese kreativen Lücken füllen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen