zur Navigation springen

Kinderbetreuung in Flensburg : Tageseltern fürchten finanziellen Abstieg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kindertagespflege in Flensburg muss neu geregelt werden – morgen entscheidet der Jugendhilfeausschuss.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2014 | 08:08 Uhr

Seit einem Jahr haben Eltern einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass ihr Kind mit einem Jahr entsprechend seinem Bedarf betreut wird – sei es, in einer Kita oder in der Tagespflege. Mit dem Rechtsanspruch ist auch in Flensburg der Ausbau von Betreuungsplätzen notwendig geworden. In der Kita-Bedarfsplanung für die Jahre 2014 bis 2016 heißt es, dass im U3-Bereich eine Versorgungsquote von 45 Prozent angestrebt wird. Demnach müssen 355 weitere Betreuungsplätze bis 2016 geschaffen werden, davon 107 in der Kindertagespflege. Damit wird eine erneute Anpassung der Kindertagespflegerichtlinie (KTPR) fällig. Diese gibt es seit 2008; zum Januar 2012 wurde sie erstmalig angepasst. Am Mittwoch soll der Jugendhilfe-Ausschuss über Änderungen der Richtlinie beschließen.

Wenn sich die Kommunalpolitiker auf die Seite der Verwaltung schlagen, befürchten Tagesmütter wie Sandra Freitag vor allem zwei „gravierende Verschlechterungen“: beim Verpflegungsentgelt und bei der Bezahlung der Förderleistung. Bislang zahle die Stadt eine Pauschale für den Sachaufwand in Höhe von 300 Euro. Diese werde vom Finanzamt als Aufwand anerkannt und sei nicht zu versteuern, erklärt Clemens Teschendorf, Sprecher der Stadt Flensburg. Bisher seien in diesen Kosten auch die für Lebensmittel enthalten. Künftig, so der Verwaltungsvorschlag, soll diese Pauschale abzüglich der Kosten für die Mittagsverpflegung gezahlt werden, wobei von einer monatlichen Pauschale von 50 Euro ausgegangen wird und davon, dass ein Mittagessen 2,50 Euro koste. Während Teschendorf diesen Betrag als „angemessen“ bezeichnet, hält ihn Tagesmutter Sandra Freitag für nicht ausreichend. Sie erinnert auch an andere Mahlzeiten, für die sie aufkommt. Die Tageseltern plädieren für eine Pauschale von 300 Euro zuzüglich der Kosten fürs Essen. Die Arbeitstage als Tagesmutter der 32-Jährigen beginnen in der Regel um sechs Uhr morgens und enden nie vor 18 Uhr. Deshalb bewirtet die gelernte Hauswirtschafterin, die sich zur Erzieher-Assistentin fortbildet, ihre Schützlinge auch mit Frühstück und Quarkspeise mit Früchten als Nachmittagssnack. „Ich bin durch meinen Sohn zur Tagespflege gekommen“, erzählt die zum zweiten Mal werdende Mutter. Als sie noch in der Gastronomie im Schichtdienst tätig war, brauchte sie auch eine flexible Betreuung und fand keine. 2010 qualifizierte sie sich zur Tagesmutter und hat es nicht bereut: „Das macht mir ja Spaß“, sagt Freitag.

Der zweite Punkt der Vorlage, den die gebürtige Sächsin kritisiert, betrifft die Anerkennung der Förderleistung. Die einem Gehalt ähnliche Bezahlung, erläutert Clemens Teschendorf, bemesse sich nach Qualifikation der Tageseltern und je nach Kind. Auf mittlerer Stufe legt die Verwaltungsvorlage einen Stundensatz pro Kind von 2,46 Euro an, während der Gegenvorschlag bei 3,77 Euro liegt. Sandra Freitag und die Tageseltern orientieren sich am „Satz einer Kinderpflegerin mit schwieriger Tätigkeit“ und am Mindestlohn, der nicht unterschritten werden dürfe.

Die Beschlussvorlage stellt schließlich sämtliche Vorschläge gegenüber: Demnach ergibt sich für die Stadt ein zu zahlender Mehrbedarf von 324 000 Euro, wenn der Rat die Änderungsvorschläge der Verwaltung annimmt. Folgt er den Empfehlungen der Tageseltern, würde der Haushalt mit rund einer Million Euro zusätzlich belastet. Zum Herbst gehen 44 Betreuungsplätze in der Tagespflege verloren. Über die Bedingungen, so betont Sprecher Teschendorf, will die Stadt die Tätigkeit für Tageseltern wieder attraktiv machen. Ob das gelingt, zeigt sich am Mittwoch um 16 Uhr im Flensburg-Zimmer des Rathauses.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen