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Flensburger Tageblatt

21. November 2017 | 11:13 Uhr

Syrischer Bufdi hilft bei Integration

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sportlehrer Khaled Ataalah unterstützt das Projekt „Sport spricht alle Sprachen“ am Daz-Zentrum an der Zentralschule Harrislee

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2016 | 09:00 Uhr

Khaled Ataalah ist ein Glücksfall für „Sport spricht alle Sprachen“. Im Frühsommer 2015 haben Flensburger Rotarier, Vertreter der Stadt und der Awo sowie der Vereine ETSV Weiche und LK Weiche das Projekt initiiert (wir berichteten), das insbesondere Flüchtlingskindern mittels Sport eine Tür zur neuen Heimat öffnen will. „Khaled wollte eigentlich nur laufen“, erinnert sich Projektleiter Gerd Pontius an seine erste Begegnung im Stadion mit dem sportlichen Syrer. Doch Khaled Ataalah entpuppte sich als wertvolle Hilfe für das Integrationsprojekt. Als bundesweit einer der wenigen Bufdis (Bundesfreiwilligendienst) für Sport sei der Syrer beim TSV Nord angestellt, sagt Friedhard Temme vom Projekt. Ataalah werde unter anderem im DAZ-Zentrum (Deutsch als Zweitsprache) an der Harrisleer Zentralschule eingesetzt und bringt den Kindern zum Beispiel Basketball bei.

Seit etwas mehr als einem halben Jahr lebt der 43-jährige Syrer in Flensburg. In seiner Heimat hat er 21 Jahre lang als Sportlehrer gearbeitet, verfügt über mehrere Zertifikate als Basketball-Trainer, seine Leib- und Magen-Disziplin sind die 3000 Meter, für die der freundliche Familienvater achteinhalb Minuten braucht. Seine Frau und seine drei kleinen Kinder musste er in Syrien zunächst zurück lassen, werde sie sobald es geht zu sich holen, sagt Khaled Ataalah. Beim Gedanken an seine Familie gerät seine Stimme ins Stocken. Das ist die andere Seite der Medaille.

Am Anfang habe er kein Wort Deutsch gesprochen, sagt Gerd Pontius. Und Khaled Ataalah beschwert sich leise, dass er die ersten drei Monate noch in Hamburg keinen Deutsch-Unterricht hatte. Inzwischen kann er sich wunderbar verständlich machen.

Jürgen Bethge, Leiter der Zentralschule, bezeichnet jemanden wie Khaled Ataalah auch als „Kulturdolmetscher“. Die Sprachkenntnisse würden nicht nur ungemein helfen, etwa an die Eltern der neuen Schüler heranzukommen. Kulturdolmetscher werden zudem für den Abbau der Vorurteile im Umgang gebraucht, die es noch gebe, sagt Bethge. Seine Schule besuchen Kinder aus zehn Ländern.

Das haben viele Menschen in der Region erkannt, weshalb sich viele potenzielle Partner, aber auch andere Interessenten an „Sport spricht viele Sprachen“ wenden. Seit November beispielsweise fahren zwei Ehrenamtliche und zwei Angestellte über 50 Grundschüler zum Training, weiß Gerd Pontius. Ungefähr nochmal so viele gelangen zu ihren neuen Sportvereinen mit dem öffentlichen Nahverkehr. Pontius sagt, das wachsende Netzwerk könne nur eine Brücke bilden, das Engagement komme aus den Schulen, der Gesellschaft selbst. Und die Vereine profitierten auch. An Khaled Ataalah gerichtet, betont Pontius: „Du hilfst uns, eine Brücke zu sein.“

Über das Projekt werden über 110 Teilnehmer aus den drei Daz-Zentren Rude, Ramsharde und Comenius mit dem Buspartner Afag morgen zum ersten Flensburger Tag des Sports (siehe Info-Kasten) gebracht.

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