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45 Jahre Unicef Flensburg : Syrien – Die größte humanitäre Krise

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Unicef-Chef berichtet in Flensburg: 100 Mitarbeiter helfen im Krisengebiet, Kinder sind täglich in Lebensgefahr – eine Million sind auf der Flucht.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Hoher Besuch zum 45-jährigen Bestehen der Flensburger Unicef-Gruppe in der Großen Straße. Christian Schneider, Geschäftsführer des Deutschen Komitees für Unicef und damit der höchste Vertreter im Lande, kam zum 45-jährigen Bestehen der Ortsgruppe in die Fördestadt. Er hatte aktuelle Informationen über die Arbeit der Hilfsorganisation in Syrien und Nachbarländern im Gepäck. Schilderungen, die betroffen machen.

Schneider war im Oktober 2012 erstmals in das Flüchlingslager Zaatari in Jordanien gereist. Ursprünglich für 20 000 Menschen ausgelegt, fand er dort, in einer riesigen, eingezäunten Zeltstadt mitten in der Wüste, mehr als die doppelte Anzahl Notleidender vor. „Und jeden Tag stehen 2000 bis 3000 Neuankömmlinge vor dem Tor.“ Viele Kinder ganz allein, von ihren Familien getrennt. „Es ist die größte humanitäre Krise, mit der wir es zu tun haben“, sagte der Unicef-Chef. Vergleichbar mit dem Erdbeben in Haiti und der Tsunami-Katastrophe. Schneider berichtet von extrem harten Bedingungen – Regen und Kälte im Winter, im Sommer eine Hitze bis über 40 Grad.

Bereits im Frühjahr dieses Jahres, seinem zweiten Besuch, hatte sich die Zahl der Flüchtlinge noch einmal verdreifacht. Unicef transportiert in Kooperation mit dem THW täglich Millionen an Litern Trinkwasser in das Lager. Schneider hat beobachtet, wie ein 14-jähriges Mädchen nach dreimonatiger Trennung ihren Vater wiedersah. „Sie hat ihn freundlich begrüßt, ging dann aber sofort wieder zurück, um zu spielen.“ Sie sucht den Schutzraum, geht dorthin, wo sie sich sicher fühlt. Insofern sei es nicht nur wichtig, so Schneider, dass die Kleinen zu essen haben. Sie brauchen die Auszeiten in „childfriendly spaces“, wo sie ihre schlimmen Erfahrungen vergessen können. Neben medizinischer Hilfe sei es notwendig, Schule und Spielangebote aufrecht zu erhalten. Viele kämen über ihre traumatischen Erfahrungen hinaus relativ gut mit dem Alltag zurecht. Doch mit dem Andauern des Konflikts nehmen schwere seelische Schäden zu.

Vier Millionen Kinder sind betroffen, müssen dringend versorgt werden. Das entspricht der Zahl aller Kinder in Deutschland unter fünf Jahren. Eine Million sind auf der Flucht. „Das ist eine Flut“, so Schneider, „deren Ausmaß kaum jemand erfasst hat.

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