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Flensburger Tageblatt

19. August 2017 | 15:46 Uhr

Diako : Sylter Retter üben Geburtshilfe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

DRK-Sanitäter werden am Flensburger Diakonissenkrankenhaus für den Fall der Fälle ausgebildet.

Arne Dekarz hat Glück gehabt. In nur zwei Tagen hat er alle drei Arten der Entbindung live und aus der ersten Reihe gesehen: Spontangeburt, Geburt mit Hilfe der Saugglocke und Kaiserschnitt. „Es ist alles gut gelaufen, ohne Komplikationen. Superinteressant.“ Beim Kaiserschnitt durfte er sogar mithelfen. „Ich habe die Wundzangen gehalten.“ Dekarz ist Leiter des DRK-Rettungdienstes auf Sylt und hat am Wochenende ein Kurzpraktikum als Geburtshelfer im Flensburger Diako-Krankenhaus absolviert. Anlass ist das Ende der Geburtshilfe auf Sylt zum 1. Januar 2014.

Nicht, dass Dekarz und seine 23 Kollegen vom Rettungsdienst jetzt die Aufgaben der Hebammen übernehmen soll. Dafür reicht ein noch so intensives Praktikum dann doch nicht. Aber sie sollen auf möglichst alles vorbereitet sein. „Rein statistisch kommt ein Rettungssanitäter in seinem gesamten Berufsleben genau einmal in die Situation, dass er bei einer Geburt im Rettungswagen eingreifen muss.“ Doch genau auf diesen Fall sollen die Sylter Helfer vorbereitet sein.

Ihr Rüstzeug dafür bekommen sie dafür in Flensburg. Die Diako ist aus Sylter Sicht das nächstgelegene Level-1-Krankenhaus, also eines mit der bestmöglichen Ausstattung, zum Beispiel einer Kinder-Intensivstation. Mit dem Angebot des Praktikums baut die Diako nicht zuletzt auch für den Notfall vor: „Wir wollen ja die Verbindung zu Ihnen haben“, sagt Diako-Chef Klaus Vorwig zu Dekarz. „Sie sind doch auf Sylt die Multiplikatoren.“

Dekarz empfiehlt allen Schwangeren auf Sylt, einmal vor der Entbindung nach Flensburg zu fahren und sich alles anzuschauen. Dazu haben die Frauen die Möglichkeit, das neue „Boarding Konzept“ der Diako zu nutzen. Auf Wunsch können sie bereits eine Woche vor dem Entbindungstermin nach Flensburg kommen und dort in eigens dafür hergerichteten Zimmern wohnen, bis es soweit ist – sogar mit Partnern.

Betreut wurde der 39-Jährige überwiegend von der Hebamme Gisela Nainzadeh, die ganz begeistert von ihrem „Schüler“ ist: „Er hat sich sehr gut gemacht“, lobt sie und bezieht darin die früheren Praktikanten aus Dekarz’ Team mit ein. „Man merkt ihnen an, dass sie es wollen. Sie opfern ihre Freizeit und stehen jede Minute auf Abruf bereit.“

Seit Sylt wegen zu geringer Fallzahlen und zu hoher Versicherungskosten die Geburtshilfe in der Nordseeklinik aufgegeben hat, gibt es ein ganzes Bündel an Maßnahmen für den Rettungsdienst. „Wenn eine Geburt unerwartet plötzlich einsetzt, werden wir alarmiert, und wir fahren hin“, so Dekarz. Wenn gar keine Zeit mehr ist, wird die Schwangere bei der Entbindung vor Ort unterstützt. Ist noch etwas Zeit, werde sie in die Nordseeklinik gefahren, dort werde ein Pädiater hinzugezogen und entschieden, wie es weiter geht.

Wenn immer noch Zeit genug ist, werde die Frau aufs Festland gebracht. Nur bei einer Notfall-Indikation, so betont Dekarz, könne die Geburt auch in der Nordseeklinik erfolgen.

Für die Verlegung aufs Festland gebe es verschiedene Szenarien, je nach Tages- und Jahreszeit sowie Wetter. Auch der Hubschrauber könne eingesetzt werden, bei sehr schlechtem Wetter der auf Helgoland stationierte „Seaking“ der Bundeswehr. Auch der Seetransport durch die DGzRS von List nach Röm sei möglich, sagt Dekarz. Er wünscht sich jetzt noch für eine möglichst gute Versorgung der Schwangeren eine zentrale Fortbildung auf der Insel – am besten durch die Diako.

 

 

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erstellt am 19.Feb.2014 | 08:38 Uhr

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