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Streit mit Kreis Schleswig-Flensburg : Surfer von Holnis 75 sollen Strand verlassen

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Der Kreis Schleswig-Flensburg macht Druck: Der Windsurfer-Club Holnis 75 soll sein Materiallager vom Strand in Glücksburg entfernen. Eine Ausweichfläche fehlt.

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 07:33 Uhr

Glücksburg | Am Wochenende betrieben Mitglieder des Windsurfer-Club (WSC) Holnis 75 Nachwuchsarbeit. Wie seit vielen Jahren schon bot der Verein die Ferienpass-Aktion "Wassersport am Holnisser Strand" an. Neun Jugendliche probierten das Wind-Surfen aus, zwei Jungen aus Soest meldeten sich kurzfristig an. Das Angebot ist beliebt, steht aber auf der Kippe. Denn den WSC treibt derzeit die Weisung des Kreises Schleswig-Flensburg um, seinen Container vom Strand entfernen zu müssen. Dieser dient als Lager und war vor vielen Jahren mit Genehmigung der Stadt dort platziert worden, berichten der zweite Vorsitzende Horst Heider und der Kassenwart Niels-Christian Evers. Der Verein zeigte Verständnis und sah sich nach einer anderen Stellmöglichkeit um. Die fand er in der Nähe auf einer Grünfläche, die als Parkplatz genutzt und verpachtet wird. Doch auch das half nicht. Nach einer mündlichen Befürwortung habe die Untere Naturschutzbehörde am 17. Juli einen Rückzieher gemacht. Schriftlich teilte sie mit, dass der Landschaftsschutz den Container auf dem Parkplatz nicht zuließe.
Die Windsurfer sind ratlos. "Wir müssen nah am Strand lagern können. Die Bretter wiegen teilweise 40 Kilogramm. Wie sollen Kinder die bis zum Wasser transportieren?", fragt Evers. Der Verein trat an Politiker heran und bat um ein Gespräch. Die waren sofort bereit dazu. Am 12. Juli trafen sich der neu gewählte Vereinsvorsitzende Jan Festersen und Kassenwart Evers mit Vertretern von CDU und SPD. Sie hätten Verständnis und Wohlwollen signalisiert, berichtet Evers. Dem Verein riet man, prüfen zu lassen, ob ein F-Plan eine derartige Nutzung auf der Parkwiese tatsächlich untersage. Beauftragt der Verein aber ein Planungsbüro, muss er mit Kosten in Höhe von 65 Euro pro Arbeitsstunde rechnen. "Wir fragen uns, ob unser kleiner Verein sich das leisten kann?", sagt Evers.

Existenz des Vereins bedroht

Seit knapp 40 Jahre ist der Verein an Glücksburgs Küste aktiv. 90 Mitglieder gehören dem WSC derzeit an. 30 Prozent davon sind nach Heiders Aussage von außerhalb. Viele Urlauber gehörten dazu, die regelmäßig nach Glücksburg kommen. Ihre Arbeit sei für den Tourismus durchaus wichtig, betont Heider. Und Evers graut vor einer möglichen Konsequenz: "Wenn wir keine Lagerstätte in Strandnähe finden, bedroht das die Existenz des Vereins."
Vor dem Hintergrund will der WSC stärker mit den Förde-Kitern und der Wind-Surf- und Kite-Surf-Schule von Jan Festersen zusammenarbeiten. "Wir wollen den Wassersport hier am Strand konzentrieren und zum Anlaufpunkt für Urlauber und Einheimische machen", erklärt Heider. Auf der Jahresversammlung des WSC hätten sich die Mitglieder für ein gemeinsames Vorgehen ausgesprochen.

Mehrere Fristen verstrichen

Wie die Wassersportler sind auch Silja und Timo von Kriegstein von der Anweisung des Kreises, den Strand zu räumen, betroffen. Sie richteten von 2004 bis 2009 das Kulturprojekt "Unmarked Space" auf der Landzunge Holnis aus und stellten dazu einen Bauwagen an den Strand. Seit 2010 ist "Unmarked Space" auf der Lotseninsel in Schleimünde verankert und es fand auf Holnis nur noch sporadisch Kulturbetrieb am Bauwagen statt. Dennoch kämpft Timo von Kriegstein, der als Timo Plath in Glücksburg aufwuchs, mit seiner Frau von Hamburg aus um den Erhalt des Standortes. Kurzfristig boten die Künstler Anfang Juni einen "Unmarked Spot" vor ihrem hölzernen Domizil an. Die Gruppe "Le Sorelle Blu" zeigte sich aus familiärer Verbundenheit solidarisch mit den von Kriegsteins. Rund 30 Zuhörer hatten sich zu der musikalischen Kaperfahrt am Strand eingefunden.
Seit der ersten amtlichen Aufforderung an Kultur- und Vereinsvertreter sind bereits mehrere gesetzte Fristen verstrichen. Die aktuelle läuft Ende des Monats aus. Dann müssten die Betroffenen Bauwagen, Container und anderes entfernt haben. Von Kriegsteins lassen sich inzwischen juristisch beraten. Noch im Jahr 2011 hätten sich die Politiker für den Erhalt des Bauwagens ausgesprochen, erinnert Timo von Kriegstein an eine damalige Abstimmung. Die Vereine suchen derweil andere Wege und hoffen auf mehr Verständnis. "Wir fühlen uns vom Kreis im Stich gelassen", ist Evers enttäuscht.

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