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Flensburger Förde : Surf-Regatta scheitert im Sturm

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sturm und Zwei-Meter-Wellen: Kleiner Belt spielte bei der 110-Kilometer-Langstrecke nicht mit.

shz.de von
erstellt am 07.Jun.2017 | 23:18 Uhr

Life’s a beach? Wer auch immer diesen nach blauem Meer, endlosen Stränden, weißen Segeln und bunten Drinks duftenden Ausspruch in die Welt gesetzt hat, kann nicht den Beach Club an der Hafenspitze gemeint haben. Jedenfalls nicht in dem Zustand, in dem er sich gestern um 10 Uhr vormittags präsentierte. Aus düsterem Himmel regnet es junge Hunde, ein steifer Südwest treibt tief fliegende Wolken vor sich her. Deshalb sind nur wenige Schaulustige da, als gegen 11 mit lautem Knall eine winzige Regatta gestartet wird, die Flensburg riesigen Zulauf bescheren soll: „The Stretch“, ein über 110 Kilometer führendes Windsurfer-Rennen von Flensburg nach Hejlsminde, bei dem am Ende die Athleten akzeptieren müssen, dass auch ihre Kräfte endlich sind. Wegen des Sturms wurde das Rennen nach 78 Kilometern und fünf Stunden Kampf abgebrochen.

An der Hafenspitze versammelt waren vier Meister des Metiers. Der dänisch-niederländische Weltklasse-Surfer Björn Dunkerbeck, sein ewiger Rivale und Freund Bernd Flessner, 16-facher Deutscher Meister, der Flensburger Gunnar Asmussen, Slalom-Weltmeister 2013, Mikkel Asmussen, einer der versiertesten dänischen Windsurfer, Wellenspezialist. Vor ihnen stundenlanger Dauerregen, schlechte Sicht, kaltes Wasser, viel Wind, schließlich: der kochende Kleine Belt. See über zwei Meter, Windstärke neun, also Sturm. Abbruch.

Da war auch Björn Dunkerbeck, der erfolgreichste Profisportler der Welt, beeindruckt. „So etwas habe ich noch nie erlebt. Zu dem extrem starken Wind und den hohen Wellen, die von allen Seiten anrollten, kam noch ein peitschender Regen, der einem komplett die Sicht nahm. Ich konnte teilweise nicht mehr erkennen, wo ich überhaupt hingesurft bin. Es ist schade, dass wir das Rennen nicht beenden konnten. Aber es gibt Momente, da muss man erkennen, dass die Natur stärker ist als man selber. Und das war einer davon“, erklärte Björn Dunkerbeck.

So sah es auch Bernd Flessner: „Der Wind wurde immer stärker, wir waren teilweise Kilometer weit auseinander und konnten uns und auch das Begleitboot nicht mehr sehen. Wenn in dieser aufgewühlten See irgendetwas passiert, kann dir kein Mensch mehr helfen. Deshalb mussten wir das Rennen abbrechen.“ Gunnar Asmussen machte vor allem die enorme Kälte zu schaffen „Meine Hände fühlten sich kurz nach dem Start taub an, so kalt war es da draußen. Ich habe mich ins Rennen hinein gekämpft und es hat zu Beginn auch unheimlich viel Spaß gemacht. Aber auf der zweiten Hälfte wurden die Bedingungen immer extremer da draußen und zum Schluss ging gar nichts mehr“, verriet der gelernte Segelmacher.

Dunkerbecks Schwester Britt hat die Regatta der vier Spitzensurfer organisiert. Auch sie ist vielfache Weltmeisterin, sie betreibt in Heijlsminde mittlerweile ein Wassersport- und Surfzentrum. Sie hat die vier Cracks für diese Veranstaltung in Flensburg zusammengebracht, gemeinsam mit Flensburgs Tourismus-Chef Gorm Casper verfolgt sie große touristische Ziele für die Region. Deswegen strahlt Casper gegen all das Schietwetter an. Strahlt deswegen, weil er in der Dunkerbeck-Schwester eine bestens vernetzte Partnerin und Taktgeberin für ein deutsch-dänisches EU-Projekt zur Förderung des naturnahen Tourismus zwischen Lübeck und Hejlsminde an seiner Seite hat. Die Regatta der Vier soll nur der Auftakt sein. „Britt hat die Profis rausgeschickt, um die Strecke auf ihre Tauglichkeit für eine Großveranstaltung zu prüfen“, sagt Casper. Daran halten die Partner wohl auch nach diesem Abbruch weiterhin fest. „The Stretch war eine gemeinsame Idee von Björn und mir, schade, dass wir das Rennen nicht beenden konnten. Im nächsten Jahr versuchen wir es wieder und wollen das Feld auf bis zu 20 Teilnehmer aufstocken“, kündigt Britt Dunkerbeck an. Am Ende des Tages aber wissen erst einmal alle: Es gibt Momente, in denen mit der Ostsee nicht zu spaßen ist. Dann ist Life a bitch.

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