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Gründung der SG Flensburg-Handewitt : „Super-SG“: Als eine Handballregion ihre Kräfte bündelte

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im März 1990 gründeten der TSB Flensburg und der Handewitter SV die „Super-SG“ – ein starker Impuls für den Handball.

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erstellt am 12.Nov.2015 | 16:00 Uhr

Flensburg | Sportler feiern am liebsten Titel. Deshalb schwappte eine Welle der Begeisterung durch die Region, als die SG Flensburg-Handewitt im Mai den DHB-Pokal gewann. In einem Siebenmeter-Thriller machten die Handballer in Hamburg den Coup perfekt, in der Flens-Arena steppte danach der Bär. Am 1. Juli, als sich die SG-Gründung zum 25. Mal jährte, war indes Sommerpause. Keine Party und auch keine Feierstunde, die an die Geschehnisse von 1990 erinnerte, als die „Bündelung der Kräfte“ in einer „Super-SG“ erfolgt war.

Ein langer Weg der Erkenntnis war nötig gewesen. Handball hatte schon seit Dekaden einen hohen Stellenwert an der Grenze zu Dänemark. Der TSB Flensburg schaute in den 70er Jahren zwei Mal in der Bundesliga vorbei. In den 80er Jahren schaffte die SG Weiche-Handewitt den Sprung, blieb aber stets eine „graue Maus“. Im Oktober 1976 hatte Henning Lorenzen, damals Trainer der „kleinen“ SG, eine Idee, die die „Hamburger Morgenpost“ zitierte: „Mein Ziel ist die Gründung einer Spielgemeinschaft mit dem lokalen Regionalliga-Verein TSB Flensburg.“ Doch die Zeit war noch nicht reif für diese Vision. Zwischen den beiden zukünftigen Partnern herrschte – um es milde auszudrücken – eine „gesunde Rivalität“. Die stets restlos ausverkauften Derbys waren meist „große Schlachten“.

Erstmals ernsthafter wurden die Bemühungen um die „Super-SG“ im Herbst 1986. Der frisch gewählte TSB-Vorsitzende Hans-Walter Martens startete in seine Amtszeit mit dem festen Ziel, das Image des Flensburger Handballs – der TSB war gerade in die Regionalliga abgestiegen – aufzupolieren. Ein Zusammenschluss mit der SG Weiche-Handewitt erschien ihm als Königsweg. Die Sache hatte nur einen Haken: Es fehlte an der nötigen Rückendeckung aus den eigenen Reihen. Die Handball-Abteilung des TSB votierte gegen die Aufnahme von Gesprächen mit den Handballern aus der Peripherie. Ein Gerücht aus dem Rathaus hatte für starke Verunsicherung gesorgt. Es hieß: Bei einer Fusion müsste auf die langersehnte Mehrzweckhalle in der Fördestadt verzichtet werden. „Erst wird die Flensburger Halle und dann die Super-SG gebaut“, erklärte TSB-Handballobmann Sönke Voß.

1989 begannen die Bauarbeiten für die heutige Fördehalle. Zu diesem Zeitpunkt hatte der TSB erneut einen neuen Vorsitzenden: den Sparkassen-Direktor Frerich Eilts. Sein erklärtes Ziel: die Fusion, um den Handball in der Fördestadt aus der Drittklassigkeit zu manövrieren. Dabei kam dem damals 39-Jährigen zugute, dass er ohne Vorbehalte als „unverbrauchtes“ Gesicht die Angelegenheit mit ökonomischer Sachlichkeit angehen konnte. Ein erstes inoffizielles Gespräch fand bald mit dem SG-Manager Manfred Werner statt. Dieser spürte die Grenzen der alten Konstruktion. Bei potenziellen Sponsoren in der Stadt biss er immer wieder auf Granit, weil im Vereinsnamen der SG Weiche-Handewitt das „Flensburg“ fehlte. „Wenn wir zukünftig netten Breitensport betreiben wollen, können wir so weitermachen wie bisher“, musste er im eigenen Lager aber noch Überzeugungsarbeit leisten. Oft war es ratsam, mit TSB-Vertretern geheim zu verhandeln.

Die „Herzen“ waren auf Seiten der Tradition, im Kopf wuchs allmählich die Einsicht. Schließlich trafen sich am 19. Februar 1990 die Vorstände des TSB und der SG in der Stadtsparkasse Flensburg. Die Vereinsspitzen wurden sich einig, bereits ab der Saison 1990/91 unter dem Namen „SG Flensburg-Handewitt“ gemeinsam den Handball in der Grenzregion voranzutreiben. Der ETSV Weiche schied aus. Da der Stadtteil-Klub nie über eine nennenswerte Hallen-Kapazität verfügte, verlagerte sich das Schwergewicht in der alten SG immer mehr gen Handewitt. Ein monatlicher Zuschuss von umgerechnet 800 Euro war gegenüber den anderen Abteilungen nicht mehr zu vertreten. Zuletzt zahlten nur noch 15 Handballer ihren Beitrag beim ETSV.

Hand drauf! TSB-Vorsitzender Frerich Eilts und HSV-Vorsitzender Günter Ahlers (im Hintergrund, ebenfalls von links, ihre Stellvertreter Wolfgang Grieger und der inzwischen verstorbene Hinrich Sellmer) besiegeln am 13. März 1990 den Zusammenschluss der regionalen Handball-Mächte zur späteren Handball-Großmacht.
Hand drauf! TSB-Vorsitzender Frerich Eilts und HSV-Vorsitzender Günter Ahlers (im Hintergrund, ebenfalls von links, ihre Stellvertreter Wolfgang Grieger und der inzwischen verstorbene Hinrich Sellmer) besiegeln am 13. März 1990 den Zusammenschluss der regionalen Handball-Mächte zur späteren Handball-Großmacht. Foto: Grätsch

Am 13. März 1990 schritten Frerich Eilts und Günter Ahlers, der Vorsitzende des Handewitter SV, zur Tat. Es war genau 12.25 Uhr, als durch die Unterschrift der beiden Gründungsväter die „Spielgemeinschaft Flensburg-Handewitt“ besiegelt wurde. Die Erwartungen waren groß. „Wir haben einen zukunftsweisenden Schritt für den Landesteil Schleswig und Südjütland gemacht“, sagte Günter Ahlers. Frerich Eilts ergänzte: „Ich hoffe, dass diese Lösung nicht nur positive Auswirkungen auf die beiden Stammvereine haben wird, sondern auch für die Region im wirtschaftlichen und politischen Bereich.“

Die neue SG startete am 1. Juli 1990. 150 „Kellerkinder“ aus Politik, Wirtschaft und Sport begrüßten sie mit einer Feier im „Porterhouse“. Insgesamt umfasste das neue Produkt 42 Mannschaften. Henning Lorenzen fungierte als erster Präsident, das gemeinsame Kind wurde aber von vielen Funktionären aus beiden Stammvereinen getragen. Vieles war anders als heute: Das SG-Budget umfasste gerade einmal 220  000 Euro, einem Dreißigstel des heutigen Etats. Dem Handball fehlten überregionale Werbepartner, ausgelagerte Wirtschafts-Gesellschaften und eine erwähnenswerte Medien-Präsenz. Die professionelle Einstellung der Spieler, die fast alle einen Beruf ausübten, war noch nicht ausgeprägt.

Es ging steil bergauf. Seit 1994 tummelt sich die SG konstant im oberen Drittel der Bundesliga. 2004 wurde sie sogar deutscher Meister. Vier Mal wanderten der DHB-Pokal und fünf Mal ein Europapokal, darunter 2014 sogar die Champions League, an die Flensburger Förde. Kurzum: Bei den Handballern gab es in den letzten 25 Jahren genug zu feiern.

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