Studium in Dänemark : Süddänische Uni muss Studienplätze streichen – Konsequenzen für Flensburg?

Die Uni Sonderburg muss in den nächsten Jahren Studienplätze streichen.
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Die Uni Sonderburg muss in den nächsten Jahren Studienplätze streichen.

Über 800 Studienplätze sollen in den nächsten sechs Jahren eingespart werden - nach einer Verordnung der dänischen Ausbildungsministerin Sofie Carsten Nielsen. Doch nicht nur die Süddänische Universität ist betroffen.

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20. Januar 2015, 14:45 Uhr

Sonderburg | Dänemark will sparen. Und fängt bei der Bildung an. Die dänische Ausbildungsministerin Sofie Carsten Nielsen verordnete kürzlich die landesweite Streichung von Studienplätzen. Im Laufe der nächsten sechs Jahre muss allein die Süddänische Universität (SDU) an den Standorten Odense, Sonderburg, Slagelse und Esbjerg 515 Bachelorstudienplätze und 351 Masterstudienplätze einsparen. Die ökonomischen Auswirkungen dieser Sparmaßnahmen der dänischen Regierung werden ab dem Jahr 2024 voll spürbar sein, sagt Henrik Dam, Präsident der SDU. 38 Bachelorstudiengänge und 31 Masterstudiengänge werden an der SDU von der sogenannten „Dimensionierung“ betroffen sein. 19 Studiengänge müssen vollständig schließen. Davon allein 17 in den Geistes-, Sprach-, und Sozialwissenschaften. Auch andere Universitäten in Dänemark sind betroffen.

Die grenzübergreifende Kooperation mit der Universität in Flensburg ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Das nun an Ausbildungsplätzen gespart werden soll, kann auch Folgen für diese Kooperation haben.

Der relativ kleine Campus in Sonderburg ist von den Sparmaßnahmen besonders schwer getroffen. 79 Bachelor- und zwölf Masterstudienplätze sollen in den nächsten Jahren an der Außenstelle der Süddänischen Universität wegfallen. Der Standort nahe der deutschen Grenze verliert damit mehr als ein Drittel seiner Bachelorplätze. Von der Schließung betroffen sind der Studiengang IVK (Internationale Wirtschaftskommunikation) und „Negot Chinesisch“. Die weiteren Sprachfächer Spanisch und Arabisch werden in Odense eingespart. Die Studiengänge bilden die Studenten in Sprache, Kultur und Wirtschaftsbelangen aus. Künftig bleiben an der SDU in Odense allein die Sprachfächer Englisch und Deutsch bestehen. Letzte Zulassungen im Fach IVK für die betroffenen Sprachrichtungen wird es demnach im Wintersemester 2016 geben.

Der neue Studiengang „Design“ ist von den aktuellen Plänen nicht betroffen, heißt es in einer Mitteilung von Universitätspräsident Henrik Dam.

Die Begründung der Regierung in Kopenhagen: „Ausbildung soll zu Beschäftigung führen. Die Kürzung bei den Studienplätzen soll einen besseren Zusammenhang zwischen dem Wissen, das sich die Studenten in den Studiengängen aneignen, und den Kompetenzen die am Arbeitsmarkt nachgefragt werden, schaffen“, sagt Ministerin Nielsen.

Kurz gesagt: Studiengänge die nach Einschätzung der Ministerin zur „Arbeitslosigkeit ausbilden“, sollen abgeschafft werden. Laut Nielsen beschließe die SDU allein, welche Studiengänge von den Einsparungen betroffen seien.

Dass es in erster Linie die Humanwissenschaften trifft, wundert Ella Mølgaard vom Institut für Kommunikation und Design in Sonderburg nicht: „Es geht nicht darum, ob die Studiengänge angeblich zu Arbeitslosigkeit führen, vielmehr fehlt es an Verständnis in der Gesellschaft, dass die Abschaffung der Sprachwissenschaften nicht folgenlos bleiben wird.“Ohnehin gebe es keine Studiengänge in Sonderburg, die für die Arbeitslosigkeit ausbilden. Dass der Campus nun betroffen sei, sei unverständlich, sagt die Studienleiterin.

Die Einsparungen werden auch von Jane Heitmann von der Venstre-Partei kritisiert.

In einer Debatte mit Ministerin Nielsen mahnte sie, dass die neuerlichen Pläne vor allem die einzelnen Regionen hart träfen. Mit der Auflösung der Sprach-Studiengänge „Chinesisch“, „Spanisch“ und „Arabisch“ würden Weltsprachen aus den Lehrplänen gestrichen. Wie solle künftig gesichert werden, dass es Experten in diesen Sprachen gebe, die ihren Teil dazu beitragen, das Wirtschaftswachstum und den Export Dänemarks zu sichern? Weiterhin seien erst kürzlich Entwicklungsverträge unterzeichnet worden, die die Internationalisierung stärken sollen. Auf der anderen Seite würde man nun gerade im Bereich der Sprachstudiengänge massive Einsparungen vornehmen, sagt Heitmann. Ministerin Nielsen betont, dass es allein die Entscheidung der SDU sei, fachlich und kompetent zu entscheiden, welche Studienplätze wegfallen.

Die Politiker würden immer wieder von Internationalisierung sprechen, doch wollen sie das wirklich, fragt Mølgaard im Hinblick auf die Debatte im Folketing.

Maria Bonner, Professorin im Fachbereich Design und Kommunikation an der SDU versteht die Pläne der Regierung ebenfalls nicht. „Der Beschluss der dänischen Regierung wird das Land vom Rest der Welt isolieren.“

Am Ende fürchten die Dozenten und Professoren an der Universität in Sonderburg auch um ihren Job. Anders als in Deutschland sind die Mitarbeiter am Campus nicht verbeamtet. Zwar heißt es von offizieller Seite, dass niemand seinen Arbeitsplatz verlieren wird, ob dieser allerdings am Campus in Sonderburg bestehen bleibt, ist offen.

Charlotte Gaitanides, Vizepräsidentin für Europa und Internationales an der Universität Flensburg, sieht die Entwicklung in Dänemark mit Besorgnis. „Wir in Flensburg haben großes Interesse daran, die Kooperation mit unseren Partnern in Dänemark zu intensivieren und auszubauen.“ So wolle man sich künftig an den dänischen Studienzeiten orientieren und noch stärker in die Zusammenarbeit investieren. „Bildung ist der Schlüssel für ein geeintes Europa“, sagt Gaitanides. Sie sei Voraussetzung für gute internationale und multikulturelle Zusammenarbeit. „Dass der Trend in Dänemark nun in die andere Richtung geht, ist schade.“ Ob durch die Einsparmaßnahmen auf dänischer Seite auch die Uni Flensburg einen Rückgang der Studierendenzahlen zu befürchten habe, verneint die Vizepräsidentin. „Wir in Flensburg werden die Auswirkungen zunächst nur mittelbar spüren.“

Immerhin: SDU-Präsident Henrik Dam hat Zweifel am Standort Sonderburg zurückgewiesen. Trotz der Maßnahmen sollen die Studierendenzahlen weiter steigen. Angesichts von 1300 Studenten am Campus Sonderburg sei nicht von einem Rückzug zu sprechen.



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