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Verein Schönes Glücksburg : Suche nach verschollener Kunst

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In einem Archiv in der Grundschule am Kegelberg werden die Exponate aus dem alten Glücksburger Rathaus verwahrt. Doch etliche sind nie in den Neubau eingezogen. Ihr Verbleib ist ungewiss.

shz.de von
erstellt am 27.Aug.2013 | 16:16 Uhr

„Wo ist eigentlich der Engel?“, lautete die Frage vor zwei Jahren im neu erbauten Glücksburger Rathaus. Gesucht wurde kein geflügeltes Wesen, sondern ein Gemälde des Glücksburger Künstlers Otto Heinrich Engel. Als man sich auf die Suche begab, fand man das Bild auf dem Dachboden direkt unter einem Velux-Fenster. Dieser – aus konservatorischer Sicht – Fauxpas bildete den Auftakt weiterer Suchaktionen nach Kunstgegenständen, deren Verbleib nach dem Abriss und Neubau des Rathauses am Schinderdam unklar war.

Einiges war ordnungsgemäß gegen eine Gebühr verkauft worden, sagte Bürgermeisterin Dagmar Jonas. Nur zur Erinnerung: Auch die Computer der Stadt waren damals verkauft worden, allerdings noch mit sensiblen Daten auf den Festplatten. Kunstgegenstände haben zwar keine Festplatten. Fakt ist aber, dass auch hier nicht alles ordnungsgemäß verlief. Verschollen blieben nach dem Umzug vier Landschaftsbilder des Malers Theo Jensen-Husby sowie sechs Holzschnitte und drei Zeichnungen von Siegbert Amler. Zu diesem Ergebnis kam die Vorsitzende des Vereins „Schönes Glücksburg“, Viri Müller-Cyran. Sie hatte sich der Kunst im städtischen Besitz angenommen, als das Kind schon in den Brunnen gefallen war, also nach dem Rathaus-Umzug. Sie „ermittelte“, indem sie mit Zeitzeugen sprach und alte Inventarlisten durchsah.

Damit kein Kunstwerk mehr auf dem Dachboden landet, bemühte sie sich um einen Archivraum. Anfang der Woche konnte sie ihn nun vorstellen, im Beisein von Dagmar Jonas, dem Sozialausschuss-Vorsitzenden Michael Schulz, Museumsberg-Direktor Michael Fuhr aus Flensburg und mehreren Mitgliedern vom Verein „Schönes Glücksburg“.

Der Raum befindet sich in der Glücksburger Grundschule am Kegelberg und misst gerade mal geschätzte acht Quadratmeter. Früher lagerten hier Putzlappen. Jetzt hängen 16 Bilder, darunter der „Engel“ und ein Kinderbild von einer Malaktion an selbstgebauten Stellwänden. Der Bauhofleiter war auf den Museumsberg gefahren, um sich Lagerungsmöglichkeiten anzusehen. Auf engstem Raum hat er sie aus alten Metallzäunen in Glücksburg nachgebaut. Neben Bildern lagern zudem Skulpturen, eine Eisbärengruppe von KPM und ein vergoldeter Fußballpokal auf alten Holzregalen. Die Zeichnungen liegen in einem Zeichnungsschrank, den die Bundeswehr für 25 Euro verkauft hat. Ein geschenkter Computer dient der Inventarisierung. Es waren keine Werke darunter, die den Museumsdirektor aus Flensburg merklich aus der Fassung brachten. Der wollte „nur mal schauen“ und bot weiterhin Hilfe bei fachlichen Fragen an.

Als Kunstambitionierte offenbarte sich Bürgermeisterin Jonas. Drei Arbeiten aus der Königlich Kopenhagener Manufaktur habe sie vor dem Umzug zu sich nach Hause gerettet, erzählte sie. Eine solche Offenheit wünscht sich der Verein jetzt auch bei der Suche nach den Bildern Theo Jensens. Eines der Gemälde zeigt die Viermastbark „Padua“ auf der Flensburger Förde. Die Stadt Glücksburg hat davon lediglich ein Polaroidfoto, wie von den drei anderen Bildern, zwei Landschaften mit Förde, eine ohne, auch. Falls die Bilder wieder auftauchen, könnte es allerdings eng werden in der alten Besenkammer.


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