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Mobilität in Flensburg : Suche nach dem Stadtverkehr 2030

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Masterplan Mobilität: Große Mehrheit der Teilnehmer an Zukunftswerkstatt in der Bürgerhalle will bessere Bedingungen für Rad und Bus

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2017 | 06:15 Uhr

Autofahrer scheinen mit den aktuellen Verkehrsbedingungen in Flensburg die wenigsten Probleme zu haben. Bei der öffentlichen Zukunftswerkstatt der Stadt zum künftigen „Masterplans Mobilität“ für Flensburg bis zum Jahr 2030 gab es in der Bürgerhalle des Rathauses jedenfalls lediglich einen einzigen von rund 80 Teilnehmern, die mit dem Ziel gekommen waren, die Situation für Autofahrer zu verbessern. Alle anderen Gäste wollten mit unterschiedlichem Schwerpunkt den sogenannten Verkehrsverbund aus Bus, Rad und Fußgängern in Flensburg befördern. Fast die Hälfte davon sind mit der Lage des Fahrradverkehrs in der Stadt unzufrieden. Andere wünschen sich mehr Raum im Straßenverkehr für Fußgänger vor allem in der Innenstadt oder machen sich für einen günstigeren Busverkehr stark, um den Umstieg vom Auto in den Bus attraktiver zu machen.

Nach der bislang letzten Verkehrsbefragung der Stadt von 2010 legt ein Autofahrer in der Flensburg durchschnittlich 3,6 Kilometer zurück, berichtete Jörn Janssen von einem der drei an der Planung beteiligten Büros (SHP-Ingenieure – Büro für Verkehrsplanung). Angesichts vieler längerer Strecken bedeute dies aber zugleich, dass sehr viele sehr kurze Abschnitte in Flensburg mit dem Auto zurückgelegt würden: „Viele davon liegen unter 1000 Metern.“ Derzeit würden 16 Prozent der Wege in Flensburg zu Fuß erledigt, 19 Prozent mit dem Rad, 11 Prozent mit dem Bus und 54 Prozent mit dem Auto. Bis zum Jahr 2030 wollen die Stadtplaner um Peter Schroeders den Anteil von Bus-, Rad und Fußwegen um je vier Prozent zu Lasten des Autoverkehrs erhöhen, der bis dahin in der Stadt auf einen Anteil von 42 Prozent schmelzen soll. Aus Klimaschutzgründen haben sich die Planer sehr langfristig (Jahr 2050) vorgenommen, alle vier Verkehrsarten etwa gleichstark auf 25 Prozent zu verteilen – wobei eine Teilnehmerin fragte, wieso das Ziel nicht sein könne, den Radverkehr auch über diese Marke hinaus in der Stadt weiterzuentwickeln. In Kopenhagen liege der Fahrradanteil im Stadtverkehr bereits bei 40 Prozent.

Planungschef Schroeders skizzierte die Konfliktlinien hinter der Planung: „Es wird enger in der Stadt. Wir haben weniger Platz. Wie bleibt Lebensqualität erhalten, wenn die Stadt in den nächsten fünf bis sieben Jahren um 5000 bis 7000 Einwohner wächst?“ Es seien veränderte Mobilitätsbedürfnisse unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen erkennbar. Der steigende Kohlendioxid-Ausstoß hänge stark mit dem Verkehr zusammen. „Wir müssen den Umweltverbund in der Mobilität stärken.“

In einem Workshop wurde eine Vielzahl von Ideen gesammelt: Eine Teilnehmerin schlug vor, Duburg soll von parkendem Verkehr freigehalten werden, eine andere meinte, in der Innenstadt solle das Tempo generell verringert werde, notfalls auf 20 km/h. Auch ein autofreier Hafen wurde vorgeschlagen sowie eine Fuß- und Radfähre, die beide Hafenseiten verbinden könne. Wieder ein anderen Teilnehmer forderte, parkende Autos in der Innenstadt müssten in die Parkhäuser, um dann mit dem Parkticket kostenlos Bus fahren zu können. Im Busverkehr müsse man auch an sozial Benachteiligte denken, die sich kein Busticket leisten könnten, war ein Vorschlag. Ein anderer: ÖPNV zwei oder vier Wochen kostenlos anbieten, um dann die Effekte zu prüfen.

Ein Teilnehmer verlangte, den bereits beschlossenen Umbau von 116 Straßen auf Kopfsteinpflaster zurückzunehmen, weil dies den Radverkehr in der Innenstadt behindere – oder nur glatt gesägte Pflastersteine zu verwenden.

Und das Fazit? „Ich sehe den Nutzen solcher Abende aufgrund der geringen Moderation und Vorbereitung als eher kritisch und frage mich, wie die unstrukturierten Wünsche der Bürger gegen professionelle und klar strukturierte Interessen der Wirtschaft ankommen sollen“, erklärte Tim Meyer-König. Er hat gerade eine von 639 Flensburgern beantwortete Umfrage zu den Hauptradverkehrsrouten organisiert. Die Ergebnisse sollen in Kürze vorgestellt werden.

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