Andersen-Krise : Stürzt die WiF ihre Fraktions-Chefin?

Stadtpräsident Christian Dewanger (WiF)
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Stadtpräsident Christian Dewanger (WiF)

Die Kämpfe in der WiF werden immer mehr zur Führungskrise der Ratsfraktion. Gestern schlug sich Chefin Erika Vollmer auf die Seite von Hans Andersen.

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27. März 2009, 11:16 Uhr

Eine E-Mail der Fraktionsvorsitzenden Erika Vollmer hat die WiF-Mitglieder gestern über die Auffassung der Ratsfraktionsspitze zum Fall Hans Andersen aufgeklärt: "Hier liegen wirklich schwere Stunden vor uns", vermutet die Fraktionschefin. Von "reiner Willkür" gegenüber ihrem Weggefährten Hans Andersen ist in dem langen Brief auch die Rede und vom mahnenden Hinweis an den Vorstand, der Hans Andersen und seinen Sohn Torben nach monatelangem Kleinkrieg und juristischen Auseinandersetzungen mit Frist bis kommenden Montag ausgeschlossen hat: "Wir wollten die Vertretung aller Flensburger sein", schreibt Vollmer, die für das Tageblatt gestern allerdings nicht zu sprechen war.

Für WiF-Mitglied Renate Thielsen geht s bei dem Ausschluss nur formal um den nicht angezeigten Beitritt zu einer anderen Partei, der Freien Wählerliste FWL-SH, deren stellvertretender Landesvorsitzender Hans Andersen ist: Angesichts eines Vorsitzenden Martin Wood mit Vergangenhei aus der Schill-Partei sagte Thielsen: "Wir wollen nicht in den Ruch rechtspopulistischer Tendenzen kommen." Renate Thielsen würde als erstes Nicht-Ratsmitglied auf der WiF-Kommunalwahlliste vom Mai 2008 nachrücken, falls Andersen sein Mandat zurückgeben würde - wofür es allerdings keinen Hinweis gibt. "Wir fühlen uns jetzt befreit", sagte Thielsen gestern.
Missliche Lage positiv nutzen
Gegenüber dem Tageblatt hatte Andersen sich bereits als "freier Ratsherr" bezeichnet, seinen Fraktionskollegen soll er auch schon den Rückzug aus der Fraktion angekündigt und die Fraktionszimmerschlüssel zurückgegeben haben. Gegenüber dem zuständigen Stadtpräsidenten Christian Dewanger (ebenfalls WiF) hatte er bis gestern allerdings seinen Fraktionsaustritt nicht angezeigt.

Wie berichtet, könnte sich mit Andersens Rückzug aus der WiF-Fraktion kurzfristig das gesamte Ratsgefüge verschieben - so dass WiF (bislang 10), CDU und SSW (je 9) plötzlich alle gleich große Fraktionen hätten. CDU-Fraktionschef Gernot Nicolai wollte gestern allerdings zur neuen Wahloptionen für wichtige Ratsposten noch keinen Kommentar abgeben: "Wir beobachten das. Die müssen sich selbst finden." SSW-Ratsherr Erich Seifen, erster Stellvertreter des Stadtpräsidenten, sagte indes: "Da haben wir sicher Optionen und werden Ansprüche anmelden, wie auch immer die aussehen." Die Abwahl des Stadtpräsidenten Christian Dewanger hat allerdings eine hohe Hürde: Zweidrittelmehrheit. Das bedeutet, 29 der 43 Ratsmitglieder müssten einer Abwahl zustimmen - gestern stand ein Antrag allerdings noch nicht auf der Tagesordnung. Noch interessanter würde es beim Kampf um den wichtigen Hauptausschussvorsitz, den derzeit WiF-Fraktionschefin Vollmer innehat. Im Hauptausschuss würde auf Antrag einer Fraktion entschieden - womöglich per Los?

Im ganz überwiegend Andersen-kritischen Kern der WiF-Fraktion gibt es indes bereits Gedankenspiele, wie die missliche Lage positiv genutzt werden könnte, um eine Personalentscheidung zu korrigieren, die etliche WiF-Mitglieder längst als Fehler ansehen. Die favorisierte Lösung einiger WiF-Räte: Stadtpräsident Dewanger könnte anstelle von Erika Vollmer die Fraktion führen.

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