Studenten machen Polizisten fit gegen Stress

Kooperationsprojekt zwischen Uni und Polizei: Viktor Hardock (von links), Alvia Killenberg, Polizei-Pressesprecher Matthias Glamann, Stephan Schild von Spannenberg, Dozentin Petra Hampel,  Katharina Buß und Sonja Stender bei der Ergebnis-Präsentation.
Kooperationsprojekt zwischen Uni und Polizei: Viktor Hardock (von links), Alvia Killenberg, Polizei-Pressesprecher Matthias Glamann, Stephan Schild von Spannenberg, Dozentin Petra Hampel, Katharina Buß und Sonja Stender bei der Ergebnis-Präsentation.

Bei einem zweimonatigen Projekt mit Hochschülern lernten Beamte, besser mit Belastungen umzugehen

shz.de von
14. Dezember 2013, 07:52 Uhr

Kommissar Jan Krüger hat eine ungewöhnliche Methode, um sich auf Einsätze vorzubereiten. „Vor dem Dienst mache ich Entspannungsübungen, damit ich ausgeglichener bin.“ Mit Erfolg: Er fühle sich so besser und sei entsprechend leistungsfähiger. Zu verdanken hat Krüger dies Viktor Hardock, Alvia Killenberg, Stephan Schild von Spannenberg, Katharina Buß und Sonja Stender. Das Quintett studiert „Prävention und Gesundheitsförderung“ an der Universität Flensburg und hat ein zweimonatiges Forschungsprojekt unter dem Thema „Stressfrei im Einsatz“ ins Leben gerufen. „Da der Polizeiberuf zu den stressigsten überhaupt zählt, haben wir ihn für unser Projekt gewählt“, erläuterte Petra Hampel, die das Projekt als Professorin begleitete. An der Aktion nahmen elf Beamte der Polizeidirektion Flensburg teil.

Sie staunten nicht schlecht, als die Studenten gestern in dem Dienstgebäude in Norderhofenden die Ergebnisse präsentierten. „Die Teilnehmer des Projekts haben ihrem eigenen Empfinden zufolge ihr Stresslevel signifikant verringert“, berichtete Viktor Hardock. Umso erstaunlicher sind diese Erkenntnisse ist im Vergleich mit der zehn Polizisten umfassenden Kontrollgruppe. Deren Mitglieder durchliefen die Projektmodule nicht. Und bei den meisten stieg der Stresspegel in diesem Zeitraum sogar. Dies belegen die Antworten eines standardisierten Fragebogens, den sowohl die Projektteilnehmer als auch die Mitglieder der Kontrollgruppe vor Beginn und nach Abschluss der Aktion ausfüllten.

Wie lassen sich diese deutlichen Unterschiede erklären? „Weshalb der gefühlte Stress der Mitglieder in der Kontrollgruppe zunahm, können wir mit unserer Untersuchung nicht erklären“, sagte Viktor Hardock. Wohl aber, wieso die anderen elf Beamten besser mit ihrem Stress zurechtkamen. „Wir haben versucht, die Faktoren, die den individuellen Stress auslösen, zu erkennen und zu bekämpfen“, erklärte Katharina Buß. Als Teil dessen lernten die Beamten, sich positivere Denkmuster anzueignen und diese auch im Alltag anzuwenden. „Das hat mir sehr geholfen“, sagte Polizeimeister Falko Zube. „Wenn mir beispielsweise ein Verbrecher entwischt, ärgere ich mich später nicht mehr so sehr darüber, sondern freue mich, wenn ich nach dem Dienst gesund zu Hause ankomme.“

Doch Stress könne auch anders entstehen, etwa als Folge von Schlafproblemen. „Wenn ich im Dienst schwer verletzte oder tote Personen gesehen habe, gehen mir die Bilder im Bett oft durch den Kopf“, sagte Jan Krüger. „Daher bin ich sehr dankbar für die Atem- und Einschlafübungen, sie haben mir wirklich weitergeholfen.“

Dankbar waren auch die anwesenden Polizisten aus anderen Polizeidirektionen: Wenn es nach ihnen ginge, würde ein solches Projekt möglichst bald auch in Neumünster und Eutin umgesetzt werden.

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