Eine romantische Ruine und ein verwunschener Garten

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14. September 2009, 05:59 Uhr

Glücksburg | Das Grundstück, auf dem die grazile, weißhaarige Meeresbiologin Dr. Helga Windt seit Jahrzehnten an der Glücksburger Schwennaustraße lebt, ist genauso zauberhaft, wie die Besitzerin selbst. Das Schönste ist: Die alte Dame teilt ihre Freude an dem traumhaft verwunschenen Platz mit der romantischen Turmruine "Erlkron" gerne mit anderen Menschen. Am Tag des offenen Denkmals kamen Hunderte, um den Blick zur Ostsee, das Grundstück und die Gastfreundschaft von Helga Windt zu genießen.

Sachkundiger Führer war Lambert Meintrup aus Husby. Aufmerksam hat er den Beschreibungen von Helga Windt gelauscht, Baupläne gesichtet und Fotos bewundert. Der Agraringenieur hat auch jeden der alten Obstbäume im Park kennen gelernt. Schließlich steht nicht nur die Ruine Erlkron, sondern das ganze Grundstück unter Denkmalschutz.

"Dafür bin ich dankbar", sagt die alte Dame. Das dicke Mauerwerk war in den vergangen Jahren zunehmend abgesackt. Dank der fachkundigen Unterstützung wurden die Restaurierungsarbeiten entsprechend den Anweisungen des Denkmalschutzes ausgeführt, so dass die Besucher jetzt wieder gefahrlos die Aussichtsplattform vor dem Turm erklimmen konnten.

"Sprengen Sie den Turm, der steht auf dem schönsten Bauplatz", lautete der Ratschlag des Architekten, als die Familie Zellermann 1960 das Grundstück an der Schwennau erwarb. Der Turm ist kein historisches Bauwerk. Die künstliche Ruine ließ Heinrich Haß um 1900 bauen. Der Besitzer des Landschaftparks pflegte den damals modernen Hang zu Romantik. Entgegen des Rats des Architekten erhielt der Berliner Künstler Jürgen Zellermann (der spätere Lebensgefährte von Dr. Helga Windt) den Turm und baute sein modernes Wohnhaus so in das Grundstück, dass es jetzt, eingekuschelt in Clematis und Efeu und bewacht von großen Bäumen wie ein Teil der Natur wirkt.

Der auf einem Hügel thronende Turm wurde vermutlich aus alten, handgefertigten Ziegeln von der Duburg gebaut und kopiert mittelalterliche Stilelemente. Es gibt spitzbogige gotische Fensteröffnungen und Söller in unterschiedlichen Höhen. Im Turmzimmer waren die Besucher gestern hin und her gerissen zwischen den Ausblicken und den hervorragenden Gemälden von Jürgen Zellermann. Draußen im Garten faszinierten afrikanischen Skulpturen.

Heute gibt es kaum noch freie Flächen auf dem Grundstück. "Das wichtigste Garteninstrument ist die Schere", erläuterte Helga Windt. Die Biologin zeigt knorrige Bäume, die nach Rückschnitten wieder zu neuer Blüte gelangten. Viele alte Obstsorten fühlen sich offensichtlich wohl und tragen prächtige Früchte.

LISA FRIEBEL

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