Erhöhung um 10,51 Prozent : Strompreisschock in Flensburg

Dunkle Wolken über dem Stadtwerke-Kraftwerk:  Die Stromkundschaft wird im neuen Jahr kräftig zur Kasse gebeten. Foto: Marcus Dewanger
Dunkle Wolken über dem Stadtwerke-Kraftwerk: Die Stromkundschaft wird im neuen Jahr kräftig zur Kasse gebeten. Foto: Marcus Dewanger

Im Grundversorgungstarif steigt der Strompreis in der Fördestadt, in Glücksburg und Harrislee um 10,51 Prozent.

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10. November 2012, 02:48 Uhr

Flensburg | Eigentlich hätten Stadtwerke-Chef Maik Render und sein neuer Vertriebschef Heinz-Gerhard Gülck am Donnerstag eine gute Nachricht zu verkünden gehabt. Schließlich hat ihr Aufsichtsrat zugestimmt, die eigenen Strompreise um drei Prozent zu senken. Dumm nur, dass bei den Stadtwerke-Stromkunden in Flensburg, Glücksburg und Harrislee die deftigste Preiserhöhung aller Zeiten herauskommt - 10,51 Prozent steigt der Strompreis im sogenannten Grundversorgungstarif und ähnlich stark auch in allen anderen Stromprodukten des Hauses, überregional sogar noch etwas stärker als im eigenen Versorgungsgebiet.
Schuld daran ist den Ausführungen von Render und Gülck zufolge allein die bundesweite Energiepolitik - denn die Energiewende schlägt zum Jahreswechsel mit bislang nie da gewesener Härte auf die Endkunden durch: Allein die Umlage für erneuerbare Energien (EEG-Umlage) steige um 2,01 Cent pro Kilowattstunde oder 47 Prozent und ist damit Hauptpreistreiber der Liste an Steuern und Umlagen (KWK-Umlage, §-19-Umlage sowie die ganz neue Offshore-Umlage) die sich samt Umsatzsteueranteil auf eine 13,5-prozentige Erhöhung summieren. Und Stadtwerke-Chef Render ahnt: "Das ist schon schwierig, was wir dem Bürger zumuten müssen." Betrachtet man die staatlichen Steuern und Umlagen allein, an denen die Stadtwerke gar nicht partizipierten, so steigen diese um 34 Prozent, hat der neue Vertriebschef Gülck (42) errechnet, der zuvor in der Essener Eon-Zentrale für die Industrie-Großkunden zuständig war.
Grundpreise konstant
Allein durch die Strompreissteigerung muss ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt in einer Wohnung mit 2000 Kilowattstunden (kWh) Jahresverbrauch jeden Monat 4,62 Euro mehr bezahlen, für eine Familie im Eigenheim mit 4000 kWh sind es schon 9,23 Euro. Zusammen mit den Erhöhungen für Fernwärme (3 Prozent; 95 Cent mehr für eine Wohnung mit 7 MWh, 3,76 Euro für ein Haus mit 27,7 MWh) und Wasser (1,2 Prozent; 15 bzw 22 Cent) kann eine vierköpfige Familie im neuen Jahr rund 13 Euro zusätzlich im Monat für Energie und Frischwasser zurücklegen.
Immerhin hat das Unternehmen, das seine Energie seit kurzem als atomstromfrei verkauft, alle Grundpreise konstant gehalten - und belohnt damit die Energiesparbemühungen seiner Kunden in der Stadt des Klimapakts. "Es ist so gewollt, ich habe es dem Aufsichtsrat vorschlagen", erklärte Gülck.
Steigende Kosten für Erdgas und Rohöl
Er hatte am Donnerstag auch einen Zahlenvergleich zur Verteidigung der Fernwärme mitgebracht: "Die Kosten für Erdgas und Rohöl stiegen von 2012 auf 2012 um rund 50 Prozent, Fernwärme im gleichen Zeitraum um knapp 10 Prozent. Dass man von den 13,5 Prozent steigendem Staatsanteil lediglich 10,5 weiterzugeben gedenkt, liege an den günstigen Rohstoffbeschaffungspreisen, die die Flensburger Stadtwerke im Gegensatz zu manch anderem Energieversorger im vergangenen Jahr realisieren konnten.
Und wer sonst noch etwas für günstigere Strompreise tun möchte - jenseits Energiesparbirne, LED-Licht & Co: 78,5 Prozent der Flensburger Stadtwerke Privatkunden sind im Grundversorgungstarif - das ist aber in aller Regel nicht der günstigste.

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