Elektro-Mobilität in Flensburg : Stromautos auf Bus-Spuren?

Schnellladestation am Zob: Die Grünen wollen hier zehn Stellplätze für Elektro-Autos reservieren und weitere Ladestationen aufstellen.
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Schnellladestation am Zob: Die Grünen wollen hier zehn Stellplätze für Elektro-Autos reservieren und weitere Ladestationen aufstellen.

Grünen-Initiative zur Förderung elektrisch betriebener Kraftfahrzeuge - ÖPNV-Chef warnt vor Behinderung des Busverkehrs

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20. Januar 2017, 06:00 Uhr

Flensburg | Die Grünen in der Ratsversammlung wollen die Zahl der in Flensburg fahrenden Elektro-Autos erhöhen und dies durch eine Reihe von Privilegien erreichen. Dazu gehört die Freigabe der Bus-Spuren für „Stromer“, das kostenfreie Parken auf öffentlichen Parkflächen und die Reservierung eines Teils der Parkspur am Zob, die zudem mit weiteren Doppelladesäulen zum schnellen Aufladen von Akkus ausgestattet werden soll. Am 2. Februar gehen die Grünen mit ihrer Initiative in die Ratsversammlung.

Heftiger Widerstand kommt von der Bus-Fraktion. Bei der Vorstellung, die Busspur mit Strom-Pkw zu teilen, stehen Aktiv-Bus-Chef Paul Hemkentokrax die Haare zu Berge: „Das ist eine Schnapsidee und kostet uns hunderttausende Euro“, schimpft er. Auch wenn nur einzelne E-Autos die Busspur nutzen dürften, kämen die Busfahrer nicht mehr bei Grün über die Ampel. Dann funktionierten die ohnehin mit häufig zwei Minuten schon knapp bemessenen Wendezeiten an den Endstationen der Linie nicht mehr. Folge: Zusätzliche Busse und Fahrer würden notwendig, um die eng getakteten Fahrpläne einhalten zu können.

Zunächst zurückhaltend äußert sich auch der Klimapakt. Geschäftsführer Martin Beer: „Grundsätzlich ist nichts gegen die Förderung von Elektro-Mobilität zu sagen. Für uns im Klimapakt steht aber die Förderung des Umweltverbundes von Bus, Fahrrad und Fußgänger nach wie vor an erster Stelle.“

Die Zahl der rein elektrisch betriebenen Autos ist in Flensburg nach wie vor verschwindend gering – ja vielleicht sogar rückläufig. Das Kraftfahrt-Bundesamt gab für den Termin 1.1.2016 die Zahl von 30 in Flensburg angemeldeten E-Autos an. Die Zulassungsstelle hatte für gestern jedoch nur 21 angemeldete E-Autos. Die Zahl könne jedoch steigen, wenn einige im Winter abgemeldete Kleinstfahrzeuge ohne Heizung wieder auf die Straßen kommen, hieß es in der Zulassungsstelle.

„Für die Klimapakt-Stadt Flensburg ist die Förderung der Elektro-Mobilität ein zentrales Anliegen, das wir jetzt angehen müssen“, sagt Grünen-Fraktionschefin Ellen Kittel-Wegner. „Wir brauchen eine stärkere Förderung der Elektro-Mobilität und hierfür eine kurzfristige Strategie, damit insbesondere der Innenstadtbereich endlich von Feinstaub, giftigen Gasen und Lärm entlastet wird“, fordert Ratsherr Stefan Thomsen. Die gute Erreichbarkeit von Schnelllade-Stationen sei das A und O der Förderung von Elektro-Mobilität“, ergänzt Gerd Bohrmann-Erichsen, bürgerschaftliches Fraktionsmitglied – und Besitzer eines Elektrofahrzeuges.

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