Stadtwerke : Strom spült Millionen nach Flensburg

Das Bild täuscht: Nur selten im letzten Winter mussten die Stadtwerke den Flensburgern richtig einheizen; einen Boom gab es beim Stromverkauf.
Das Bild täuscht: Nur selten im letzten Winter mussten die Stadtwerke den Flensburgern richtig einheizen; einen Boom gab es beim Stromverkauf.

Die Stadtwerke haben 2014 einen satten Überschuss gemacht – trotz historisch niedrigem Fernwärme-Absatz. Ersatzbrennstoffe werden zurück gefahren.

shz.de von
23. Mai 2015, 09:00 Uhr

Flensburg | Nach 11,7 Millionen Euro Minus im Jahr 2013 haben die Stadtwerke 2014 wieder einen stattlichen Gewinn eingefahren: 10,9 Millionen Euro stehen unter dem Strich des vergangenen Jahres – und das, obwohl der Flensburger Versorger mit 870 Gigawattstunden noch nie so wenig Fernwärme absetzte wie im sehr warmen Jahr 2014. Gestern stellten Stadtwerke-Chef Maik Render und Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Helgert die Bilanz vor.

Und die Erleichterung stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Im Westen Deutschlands müssten Stadtwerke mit dreistelligen Millionenbeträgen von ihren Städten gestützt werden, so Render. Dagegen steht Flensburg richtig gut da, vor allem, nachdem man die riskanten Beteiligungen in den vergangenen Jahren alle abgestoßen habe. Das führte 2013 letztlich noch einmal zum Rutsch in die Roten Zahlen, als man die Beteiligung am Windpark Borkum um 13 Millionen Euro im Wert berichtigte.

Zudem stehen die Stadtwerke in ihrem Kerngeschäft gut da. Mit 1394 Gigawattstunden Strom wurde ein neuer Rekordabsatz erzielt. „Da sind zwei große Kunden dabei“, relativierte Helgert diese Zahl. „Wenn die abspringen, geht’s wieder runter auf 1200.“

Aber auch das ist ein guter Wert. Dabei machen die Werke mittlerweile 80 Prozent ihres Stromverkaufs außerhalb des eigentlichen Absatzgebietes Flensburg und Umgebung; 2013 waren es noch 75 Prozent. Zum Gesamtumsatz der Stadtwerke trägt Strom mit 80, Fernwärme indes nur mit 17 Prozent bei. Der Rest verteilt sich auf Wasser und anderes.

Dabei ist das Stromgeschäft eigentlich schwierig, weil es viele Faktoren gibt, auf die man keinen Einfluss hat. Das sind die Netzentgelte, das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG), die Umlagen für Kraft-Wärme-Kopplung. Der Preis, zu dem die Stadtwerke Strom ankaufen, um ihn an ihre zahlreichen Kunden weiter zu verkaufen, wird zudem an der Börse gebildet. „Der Markt ist volatil“, drückte es Render aus. „Langweilig wird es auch in Zukunft nicht.“

Wohl auch in Flensburg nicht. Für Diskussionsstoff ist jedenfalls auch in den kommenden Jahren gesorgt. So machten Render und Helgert klar, dass man den Einsatz von Ersatzbrennstoffen, den man vor Jahren mit großem PR-Aufwand noch als besonders ökologisch angepriesen hatte, deutlich zurückfahren werde. Es rechne sich schlicht nicht mehr, machte Render deutlich. Aus diesem Grund werde man auch um Einschnitte beim Abfallwirtschaftszentrum, wo die Ersatzbrennstoffe zubereitet werden, nicht herumkommen. Und in zwei bis drei Jahren müsse man die Entscheidung für ein weiteres Millionenprojekt nach dem Kessel 12, der 2016 in Betrieb gehen soll, treffen. Denn um 2025 hätten zwei weitere der alten Wirbelschichtkessel ihre Altersgrenze erreicht.

Rolf Helgert lobte fast schon überschwänglich den Weitblick der aktuellen Geschäftsführung: „Eine tolle Leistung, auf die wir sehr stolz sind.“ Render hingegen reichte das Lob weiter, und zwar zurück in die Vergangenheit: Die beiden Geschäftsführer Drews und Völkel hätten 1998, als der Strommarkt liberalisiert wurde, richtig entschieden, als sie erstmals Strom auch außerhalb Flensburgs anboten. „Seitdem sind wir eine feste Größe auf dem Strommarkt.“

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