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Flohmarkt auf dem Südermarkt : Strom-Schock für Marktbeschicker

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Keine Mandeln, keine Crêpes, keine Wurst: Die Verkäufer wollen die Kosten für Elektrizität in Höhe von 150 Euro pro Tag nicht aufbringen.

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2015 | 12:00 Uhr

Flensburg | Die junge Familie bummelt über den Flohmarkt. Sonnenschein. Lockere Stimmung. Es wird munter gefeilscht. Während die Eltern, wie andere Besucher auch, zwischen Schmuck, Büchern und Porzellan herumstöbern, meldet sich bei der kleinen Tochter plötzlich der Hunger. „Will Pommes“, so die klare Ansage. Doch die gibt es nicht. Zumindest gestern nicht. Speisen und Getränke sucht man auf dem Südermarkt vergeblich.

Benjamin Sauer macht seinem Namen alle Ehre. „Wir haben ein Stromproblem“, schimpft der Geschäftsmann. „Man verlangt von uns den gepfefferten Betrag von 150 Euro für einen einzigen Tag.“ Hinzu kämen noch 30 Cent pro Kilowattstunde. „Das ist absolut unüblich“, sagt Sauer, „das können und wollen wir nicht zahlen.“

Zwischen 300 und 700 Euro Umsatz macht der Crêpe-Verkäufer bei Märkten dieser Art. So auch an der Westküste, in Husum und Friedrichstadt. Dort stellt die Stadt den Strom für nur 25 Euro pro Tag bereit. „Wir bekommen einen Schlüssel, können die Leitung anzapfen und geben ihn abends wieder ab. Das läuft ganz komplikationslos.“

Von ganz ähnlichen Erfahrungen berichtet Alicija Kulla, die mit ihrem Mann den „Piraten-Grill“ betreibt. Auch sie ist aufgebracht. In Kropp, Jübek oder Kappeln etwa würde sie maximal 50 Euro Stromkosten berappen müssen. „Das wird dort sehr kulant gehandhabt“, sagt sie, „selbst nachts wird die Leitung nicht gekappt.“ In Flensburg dagegen seien die Unkosten schlicht zu hoch. „Um das wieder einzuspielen, müsste ich an den beiden Flohmarkttagen 100 Nackensteaks mehr verkaufen.“ Ihrer Überzeugung nach profitiert der Flohmarkt von Crêpe und Co erheblich. Ebenso von Mandeln und Süßigkeiten, die Walter Jensen gern feilbieten würde. Doch er hat kapituliert. „So viel kann ich niemals verdienen, wie ich hier zahlen muss“, sagt er. „Wir wollen schon, aber wir können nicht.“ Auch Veranstalter Uwe Bröcker fehlt jedes Verständnis. „Wir müssen die Leute ja irgendwie füttern“, sagt er. Einmal habe man ein Aggregat aufgestellt, das sei vom Ordnungsamt aber flugs untersagt worden: Lärmbelästigung.

Stadtsprecher Clemens Teschendorf dagegen findet, dass sich die Stromkosten im üblichen Rahmen bewegen. Die Gemengelage ist etwas unübersichtlich: Verwaltet wird der Platz vom Technischen Betriebszentrum, die Stadtwerke liefern den Strom, der Historische Hafen setzt es mit einem geschulten Mitarbeiter um. „Im Starkstrombereich muss Fachpersonal ran“, erläutert Teschendorf. „Das kommt morgens, schließt an, überprüft und deinstalliert abends wieder. Das ist schon ein gewisser Aufwand.“ Benjamin Sauer aber winkt ab. „Das dauert jeweils zwei Minuten. Ein gutes Geschäft. Nur nicht für uns.“

 

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