zur Navigation springen

Stadtwerke Flensburg : Strom aus Gas: Kessel 12 am Netz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gestern fand die Einweihung des 128-Millionen-Euro-Projektes bei den Stadtwerken statt. Wirtschaftsminister Meyer: „Lernen von Flensburg“.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Flensburg | Der leicht quäkende Ton passte nicht ganz zu der Maschine, die gerade symbolisch eingeweiht worden war. Dafür leuchtete die kleine Standsäule mit dem dicken Druckknopf feierlich im Stadtwerke-Grün, als Minister Meyer, Stadtwerke-Chef Render, Kraftwerksleiter Roschek und Projektleiter Müller-Janßen gemeinsam den Startknopf drückten. „Kessel 12“, so der Projektname, ist die größte Einzelinvestition der Stadtwerke seit 25 Jahren. Genau genommen ist die neue Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) ein Kraftwerk im Kraftwerk, eine neue Technologie mit einem für die Stadtwerke neuen Energieträger, nämlich Erdgas.

Fünf Jahre hat es gedauert vom ersten Beschluss bis zur Fertigstellung. 330 Pfähle mussten in den weichen Grund in Hafennähe gerammt werden, um das Gebäude samt neuer Anlage sicher bauen zu können. Um die Investitionskosten in Höhe von 128 Millionen Euro – mehr als ein Drittel des Jahresumsatzes der Stadtwerke – zu stemmen, wurden zehn Banken bemüht. Die Umsetzung bewerkstelligte man überwiegend mit eigenem Personal, betonte Stadtwerke-Chef Maik Render. Mit der Inbetriebnahme, die tatsächlich schon vor einigen Wochen stattfand, wurden zwei alte Kohlekessel stillgelegt.

Doch warum Kohle raus und Gas rein? Der wichtigste Grund: Eine Gasanlage fährt wesentlich schnell hoch als ein Kohlekessel, notfalls in einer Viertelstunde. Das ist wichtig in Zeiten, in denen Strom ganz plötzlich gebraucht wird, weil der Wind nicht mehr weht oder die Sonne nicht mehr scheint. In Zeiten sich schnell ändernder Strompreise müssen Stromerzeuger schnell reagieren können – das geht nur mit Gas. Der CO2-Ausstoß werde bei der Strom- und Wärmeerzeugung mit Gas um 40 Prozent reduziert, versprach Render, Staub entfalle ganz, der Wirkungsgrad der eingesetzten Energie erhöhe sich auf 92 Prozent. Nebeneffekt: Bis zu zehn Prozent Wasserstoff aus der „Power-to-Gas“-Technologie könne mit verbrannt werden.

Viel Lob für das Projekt und überhaupt das Flensburger Modell der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) gab es von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer. Die Stadtwerke „organisieren Erfolg“, so Meyer, beim Thema Fernwärme „können wir alle von Flensburg lernen“. 98 Prozent aller Haushalte sind an das Fernwärmenetz angeschlossen; dieser Wert sei in Deutschland einmalig, lobte Moderatorin Kathrin Fischer. In der ganzen Energiedebatte komme der Wärmemarkt bisher zu kurz, befand der Minister. Vorbildlich sei zudem die Einbindung und der Anschluss der Nachbargemeinden an das Strom- und Fernwärmenetz; da bedürfe es gar nicht der Eingemeindung, sagte er augenzwinkernd an OB Faber gewandt.

In kleinen Gruppen wurden die Besucher der Einweihungsfeier durch die neue Anlage geführt, konnten die eingepackten und verkabelten Bauteile der neuen Anlage bestaunen und befühlen und wissen jetzt endlich, wie und wo ihr Strom und ihre Wärme erzeugt werden. Von Preiserhöhungen für beide Energiearten war nicht die Rede.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen