Glücksburg : Streit um Hotel-Erweiterung auf Holnis

Freien Blick auf die Ostsee bieten 16 Eigentumswohnungen bis jetzt.
1 von 2
Freien Blick auf die Ostsee bieten 16 Eigentumswohnungen bis jetzt.

Die Nachbarn fürchten Parkplatzmangel und verbauten Ostseeblick. Glücksburgs Stadtvertretung muss nun Naturschutz gegen Tourismus abwägen.

shz.de von
28. August 2017, 14:30 Uhr

Glücksburg | Bisher stand die Halbinsel Holnis, Deutschlands nördlichste Festlandspitze, für große Ruhe und Abgeschiedenheit. Ein paar Ferienhaussiedlungen, kleine Ortschaften, nur zwei mehrgeschossige Gebäude in Schausende. Dazwischen Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiete und nur wenig Landwirtschaft. Doch langsam beginnt sich das Blatt zu wenden. Der Tourismus erstarkt.

Auf der letzten Bauausschuss-Sitzung erhielt die Stadt eine Bauvoranfrage aus Holnis-Drei. Das Hotel „Lodge am Meer“ (zehn Zimmer), ehemals „Café Drei“, soll um ein weiteres Haus mit acht Zimmern und einer Wohnung zur Nutzung durch die Eigentümer erweitert werden. Die Eigentümer, Sonja und Frank Friede, möchten auf dem angrenzenden Parkplatz, der zum Hotel gehört, bauen.

Damit ist Ärger rprogrammiert: „Bereits jetzt herrscht ein Mangel an Parkplätzen“, sagt Nachbar Dirk Herrmann. Für ihn ist das Gelände bereits jetzt maximal ausgenutzt. „Mehr passt nicht nach Holnis. Wir sind nicht Timmendorf“, findet Herrmann, dessen Familie seit 100 Jahren der benachbarte Dreiseithof gehört. Sieben Ferienwohnungen und Plätze für 40 Pferde hat er.

In dem Hotel befindet sich auch ein italienisches Restaurant, das viele Gäste anzieht. Für sie stehen gerade mal sechs Parkplätze zur Verfügung, weitere 20 gehören zum Hotel. Dass die Parkfläche insgesamt so groß wirkt, liegt an weiteren 16 Parkplätzen. Sie gehören zwar auch zum Hotelgrundstück, sind in ihrer Nutzung aber als Parkfläche für 16 Ferienwohnungen, die hinter dem Parkplatz liegen, festgeschrieben. Käme es zu dem geplanten Neubau, würden diese Wohnungen ihren Blick auf die Ostsee verlieren.

Gerhard Strümper ist Vorsitzender des Verwaltungsbeirates der Wohnungen. „Wir werden uns mit allen denkbaren Mitteln ins Zeug werfen, um diesen Bau zu verhindern“, sagt er. Ein Anwalt ist eingeschaltet. Dieser habe seine Klienten beruhigt, so Strümper. Um den Bebauungsplan für die beabsichtigte Fläche aufzustellen, seien noch viele Hürden zu nehmen. Schließlich hätten auch Landschaftsschutz- und Küstenschutzbehörden hier ihre Zustimmung zu geben.


Stadt will Pläne beraten


Familie Friede ist derzeit verreist. Ihr Architekt, Wolfram Dogs, hat nach der letzten Sitzung eine neue Zeichnung angefertigt. Anders als beim ersten Entwurf, der einen stattlichen Flachdachbau vorsah, ist nun zur besseren Einfügung in die Umgebung ein Satteldach vorgesehen. Die Traufhöhe soll der der Gaststätte entsprechen. Eine Zeichnung zeigt, dass über einem Vollgeschoss zwei weitere Geschosse im Dachbereich liegen. 16,5 mal 8,5 Meter soll der Baukörper groß sein. Laut Architekt würde die Parkfläche anders aufgeteilt, sodass keine Parkplätze verloren gingen. Er bewege sich im Rahmen der Landesbauordnung, die festlege, wie viele Stellplätze eine Anlage haben muss, so Dogs.

Die Stadt Glücksburg reagierte zögerlich. Bauausschuss-Leiter Svend Colmorn sagte zum ersten Vorschlag, er habe „Bauchschmerzen“ damit. Man wollte sich beraten. Die Stadt fragte beim Ministerpräsidenten nach, wie denn die Halbinsel Holnis in Zukunft zu entwickeln sei. Die Empfehlung aus der Staatskanzlei lautet, eng mit den zuständigen Naturschutzbehörden zusammenzuarbeiten. Außerdem sollen „Maßnahmen zur Struktur- und Qualitätsverbesserung sowie zur Saisonverlängerung Vorrang vor einer reinen Kapazitätserweiterung haben“.

„Wer das denn umsetzen solle“, fragt sich Wiebke Volquardsen. Nur wenige Schritte vom fraglichen Baugebiet liegt ihr Campingplatz (245 Stellplätze). Vergangenes Jahr erweiterte sie um das „Ostsee-Strandhaus Holnis“ mit 15 Ferienwohnungen und ein Bistro. Das Haus mit den Ferienwohnungen sieht dem Gebäude vom ersten Entwurf der Friedes sehr ähnlich. Neben dem Bistro dürfte Volquardsen ebenfalls bauen. „Ich bin nicht abgeneigt“, sagt sie. „Aber ich entwickle den Standort langsam, bin seit 15 Jahren dabei. Ich bin für lässigen, naturnahen Urlaub.“

Glücksburgs Politiker sind nun gefragt zu entscheiden, wie viel Tourismus sie zulassen wollen auf der immer noch recht naturbelassenen Landzunge, die einst Fontane beim Vorbeischippern zu seinem Roman „Unwiederbringlich“ anregte.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen