Steinberg : Streit im Kirchspielarchiv

Drei Jahrzehnte war Bernhard Asmussen Vorsitzender des Steinberger Kirchspielarchivs.
Drei Jahrzehnte war Bernhard Asmussen Vorsitzender des Steinberger Kirchspielarchivs.

Der Vorsitzende Bernhard Asmussen gibt sein Amt auf, will aber auch künftig weiter historischen Ereignissen auf den Grund gehen.

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11. März 2018, 13:22 Uhr

„100 Jahre Steinberg unter Strom“ – so sollte der Titel für das siebente Heft der „Kleinen Reihe“ des Kirchspielarchivs Steinberg, das zudem mittlerweile 20 Sonderbände veröffentlicht hat, lauten. Seit Oktober vergangenen Jahres hatte Vorsitzender Bernhard Amussen dafür recherchiert und geschrieben. Doch dann fand sich bei der Abstimmung über die Veröffentlichung im Chronikkreis keine Mehrheit für das Werk. Genau die Hälfte der Stimmen votierten für die Meinung: Ein solches Heft solle nicht unter dem Namen dem Vereins erscheinen. Das Thema sei zu politisch.

Eine Entscheidung, die ihn, wie Asmussen sagt, „empört“. Der 70-Jährige zog persönliche Konsequenzen. Er beendete nach fast 40 Jahren als Mitbegründer und Leiter des Chronikkreises seine Arbeit und legte nach über 30-jähriger Tätigkeit als Vorsitzender des Kirchspielarchivs, das seit 1987 besteht, Anfang des Monats sein Amt nieder.

Das Heft „100 Jahre Steinberg unter Strom“ wird trotzdem erscheinen. Asmussen wird das fertige 88 Seiten starke Manuskript als Privatmann im Selbstverlag herausgeben. In einer Auflage von 250 Exemplaren soll das Heft unter seinem Namen in Kürze erscheinen.

Die Begründung für die ablehnende Haltung des Chronikkreises bezeichnet Bernhard Asmussen als fadenscheinig. Unter anderem sei ihm vorgeworfen worden, dass er dem Bürgermeister von Steinberg „eines auswischen wolle“. Doch „das ist Unsinn“, bekräftigt Asmussen. Aber es gebe auch in der heimatkundlichen Forschung eine Freiheit, die er sich nicht nehmen lasse. Der Verein habe ihm die Chronikarbeit „aus der Hand geschlagen“.

In seinem Werk spannt Asmussen einen Bogen vom ersten Kohlekraftwerk in Gintoft um 1900 bis hin zu den geplanten Riesenwindrädern in Südsteinberg und am „Preesterholt“. Sein Heft sei eine Dokumentation, bei der er die gegensätzlichen Auffassungen der Gemeinde Steinberg und von Windkraftgegnern sachlich gegenüber stelle, so Asmussen. Persönliche Kommentare habe er entsprechend gekennzeichnet und er habe aus für jedermann frei zugänglichen Quellen geschöpft. Doch dies hätten die Vereinsmitglieder nicht so gesehen – und zu seinem Nachteil abgestimmt.

Das Aus als Vorsitzender des Kirchspielarchivs bedeutet nicht, dass er seine Chronikarbeit beendet. Nun mache er halt als Privatmann weiter: „Einmal Chronist, immer Chronist.“ Er ziehe sich auch nicht in eine Schmollecke zurück, vielmehr habe er noch viele Ideen, die er umsetzen wolle.

Was das Kirchspielarchiv Steinberg betrifft, wird dieses nun von dem stellvertretenden Vorsitzenden Günter Völkel geführt. Auf Nachfrage unserer Zeitung geht Völkel nicht auf Einzelheiten zu dem Konflikt ein, sondern sagt vielmehr: „Wir machen weiter – im Sinne der Chronikarbeit.“

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