Flensburger Streetart : Straßenhund trifft Straßenkunst in der Norderstraße

Lass uns gemeinsam das Ufo beobachten: Herrchen und Frauchen glauben aber nicht, dass Happy die Katzen tatsächlich als solche wahrnimmt – dazu sei sie nicht schlau genug... Fotos: thomasky
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Lass uns gemeinsam das Ufo beobachten: Herrchen und Frauchen glauben aber nicht, dass Happy die Katzen tatsächlich als solche wahrnimmt – dazu sei sie nicht schlau genug.

Die Berliner Illustratorin Lone Thomasky inszeniert ihre Hündin mit Kunstkatzen der Norderstraße für eine Fotoserie.

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15. August 2018, 11:30 Uhr

Flensburg | Happy teilt das Schicksal der Kunstkatzen aus der Norderstraße. Auch die Hündin muss einige Zeit auf der Straße gelebt haben. „Das merkt man“, sagt ihr Frauchen Lone Thomasky.

Denn als sie Happy vor dreieinhalb Jahren in die Familie aufnahm, war die geschätzt sieben Jahre alte Hündin weder stubenrein noch jemals an der Leine gelaufen.

„Am Anfang hat sie sich nie gefreut, wenn wir nach Hause kamen“, berichtet die Flensburgerin und, dass die Hündin ängstlich gegenüber Männern sei. „Wenn es extrem heiß ist oder windig oder sehr kalt, dann gräbt Happy sich ein Loch und legt sich hinein“, sagt Andreas Diehl, Lones Lebensgefährte aus Regensburg.

Lone Thomasky ist in Flensburg geboren, hier mit Hunden aufgewachsen und immer wieder gern in ihrer Heimatstadt. Die 38-Jährige lebt und arbeitet als freiberufliche Illustratorin in Berlin. Mit 19 ging sie zum Studium nach Kiel an die Muthesius Kunsthochschule. Nach einem Praktikum in Berlin blieb sie in der Hauptstadt hängen.

Beim Bummel durch die Norderstraße mit ihrer Mutter neulich habe sie die Street Art der unbekannten Künstlerin mit den Initialien N.M. an den Häuserwänden gesehen. „Die ist aber auch extra schön“, lobt die Illustratorin und wollte in erster Linie ein Foto für ihren Freund von Happy mit einer gezeichneten Mieze machen.

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Das sympathische Pärchen führt eine Wochenendbeziehung, pendelt zwischen Berlin und Regensburg und manchmal Flensburg.

Als freiberuflicher Physiotherapeut funktioniere das gut, erzählt Andreas, der Andi genannt wird. Ein Wochenende ginge da nicht nur von Freitag bis Sonntag, sondern auch schon mal über mehr als drei Tage.

Sie habe versucht, die Posen der Hündin an die Zeichnung der Katzen anzupassen, berichtet Lone Thomasky – und eine ganze Bildserie entstand. „Der Hund wird instrumentalisiert, um Fotos aufzuhübschen: Happy im Bus, Happy auf dem Surfbrett, Happy auf dem Fahrrad...“, zählt Andreas Diehl auf und lacht.

Auf den Namen tauften die wuschlige Rumänin schon die Tierschützer. Sie habe Happy zunächst als Pflegehund von einer Berliner Organisation übernommen, sagt Lone und ist sehr glücklich, dass die Hündin „total anpassungsfähig ist, gern Auto fährt und mit uns sportlich mithalten kann“.

Andi bezeichnet die alte Lady liebevoll als rumänischen „Senfhund“. Das sagen Hundebesitzer manchmal, wenn es sich bei ihrem Liebling um einen Mischling handelt, zu dem viele Rassen ihren Senf beigegeben haben. Ganz viel Terrier sei drin, Border Collie gewiss auch. Happy habe eine „bunte Persönlichkeit: Sie ist so wenig eindimensional wie sie gefärbt ist“. Das Repertoire reiche von süß bis stur.

Doch ihr Name ist Programm, sagt Andi. Während Mütter manchmal vergeblich versuchten, ihre Kinder zu trösten, hörten diese zu weinen auf, sobald sie Happy sehen. „Sie hat schon vielen Menschen die schlechte Laune verdorben“, sagt der 41-Jährige aus Bayern.

Ihr Verhältnis zu Katzen sei ein spezielles. „Es kommt auf die Katze an“, sagt Lone Thomasky. Läuft die weg, jagt Happy hinterher. Wenn nicht, erstarrt auch die Hündin und wirkt verdattert. Und manchmal scheint es ihren Menschen, als wäre Happy selbst eine halbe Katze. Ihr Lieblingsplatz sei auf der Fensterbank bei Andi, sagt Frauchen, und balancieren könne sie auch. Die beiden nennen ihren Vierbeiner deshalb auch manchmal „Hutze“.

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