Niederdeutsche Bühne Flensburg : Straßenfeger-Neuauflage

Depressiver Beamter: Burghard (Thomas Boelk, r.) und Tommy (Arne Hogrefe, mit Seil), haben Norbert (Gerd Petersen) vor dem Strick gerettet.
Depressiver Beamter: Burghard (Thomas Boelk, r.) und Tommy (Arne Hogrefe, mit Seil), haben Norbert (Gerd Petersen) vor dem Strick gerettet.

NDB-Erfolgsstück jetzt auf Hochdeutsch: Ladies Night begeisterte im Deutschen Haus

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16. Dezember 2017, 07:32 Uhr

Es war das mit Abstand am häufigsten gespielte Stück aller Zeiten mit den weitaus meisten Zuschauern. Sagenhafte 110 mal hat die Niederdeutsche Bühne Flensburg „Barfoot be’t an Hals“ auf die Bretter gebracht. Die letzte Vorstellung liegt ein paar Jahre zurück. Und jetzt also eine Neuauflage, ein Remake - allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Die sechs arbeitslosen Nordlichter strippen und schnacken jetzt Hochdeutsch. Und die Premiere war immerhin im Deutschen Haus.

Das war mutig, denn der große Saal heißt nicht nur so, er ist es auch - selbst in der verkleinerten Version. Und es wurde ohne Verstärkung gespielt und gesprochen. Aber es sind alles echte Kerle, die da agieren, und die haben auch ein entsprechendes Organ.

Die Geschichte, die jetzt den englischen Originaltitel „Ladies Night“ trägt, ist schnell erzählt - für die wenigen, die den NDB-Klassiker versäumt haben. Sechs Arbeitslose kommen auf die verwegene Idee, es den berühmten Chippendales gleich zu tun und eine Männer-Stripshow auf die Beine zu stellen. Kein Wunder, dass die Frauen-Quote im Premierenpublikum beachtlich war.

Und obwohl das ganze Stück des australischen Autorenduos Sinclair/McCarten unterschwellig auf diesen einen Moment hinaus läuft, in dem die Hüllen fallen, ist es doch weit mehr als Striptease mit etwas Theater als Vorspeise. Die sechs Typen werden als Charaktere entworfen - vom coolen HipHopper (Arne Hogrefe als Tommy) bis zum suizidalen Beamten-Spießer (Gerd Petersen als Norbert). Da gibt es berührende, tragische und viele komische Momente. Ein Großteil der Komik entsteht aus dem Kontrast zwischen der absurden Situation - sechs halbnackte Männer im Foyer der Arbeitsagentur - und den stoischen Minen der Akteure. Das ist zum Wegschmeißen komisch.

Zum Glück nimmt sich die Truppe die Zeit, auch ernste Szenen voll auszuspielen. Als Carsten (Jürgen Goldkamp) und Burghard (Thomas Boelk) ihrem Kumpel Gernot ein paar einschlägige Seiten aus dem Playboy in die Bewerbungsunterlagen schmuggeln und er daraufhin aus dem Vorstellungsgespräch fliegt, geht die folgende Szene mit den schweren Vorwürfen einschließlich handgreiflicher Auseinandersetzungen direkt unter die Haut.

Aber klar: Auch diese Inszenierung, für die Boelk und Larsen, der schon bei der NDB dabei war, verantwortlich zeichnen, setzt auf die unschlagbaren Effekte. Sechs Typen, von schlaksig (Carsten) bis vollschlank (Burghard), die Zeit ihres Lebens alle einen großen Bogen um die Tanzschule gemacht haben, wollen spärlich bekleidet die örtliche Damenwelt tanzend beglücken und dabei nebenbei ordentlich kassieren. Diese Spielidee funktioniert ganz hervorragend. Schon vor der Pause wird der Spielfluss häufig durch Zwischenapplaus und Lachattacken unterbrochen.

Das Experiment Neuauflage eines Straßenfegers - es funktioniert. Im März geht „Ladies Night“ auf kleine Schleswig-Holstein-Tournee und kommt noch drei Mal in der Theaterschule auf die Bühne.

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